Freitag, 23. September 2011

Zurück nach Hause


Es war soweit, unsere Reise neigte sich dem Ende zu. Am 9. August tranken wir unseren letzten Fruchtshake, nahmen den Minibus nach Santa Marta und bestiegen den Bus in Richtung Venezuela. Eigentlich wäre uns ein Nonstop-Bus bis Caracas lieber gewesen, man hört ja so einiges über das Grenzgebiet, aber der war einfach viel zu teuer. Also fuhren wir zunächst nur bis Maicao an der Grenze. Kaum hatten wir den Bus dort verlassen wurden wir schon von etlichen wenig vertrauenswürdigen Männern dazu gedrängt mit ihnen nach Maracaibo auf der venezolanischen Seite zu fahren. Wir verzichteten dankend, denn mit Autos an der Grenze hatten wir nicht die besten Erfahrungen gemacht (siehe „Lima“). Wir wollten auf jeden Fall einen Bus haben, aber manch einer der „Taxifahrer“ war sehr hartnäckig und wollte einfach nicht aufgeben, solange keine deutlichen Worte gefallen waren.

In einer Wechselstube im Busbahnhof von Maicao wechselten wir unsere kolumbianischen Pesos und waren im Anschluss für längere Zeit sehr verwirrt über den Wechselkurs, der uns so gar nicht einleuchtete. Der Wechsler dividierte unsere Pesos durch 0,24 was am Ende dazu führte, dass wir auf den Euro umgerechnet einen Kurs von 1 zu 10 bekamen, also 1 Euro entspricht 10 Bolivares Fuertes. Wir hatten uns zuvor im Internet über die Kurse schlau gemacht und offiziell sollte man für einen Euro lediglich 6 Bolivares kriegen. Beschweren gingen wir uns trotzdem nicht :-) Zu guter Letzt fanden wir sogar noch einen Bus, der bis nach Caracas fuhr und das viel billiger als erwartet.

Was uns nicht gesagt wurde war, dass wir an der Grenze den Bus wechseln mussten, das erfuhren wir erst auf der Fahrt. War aber egal. Der Bus hielt auf einem Parkplatz genau zwischen den beiden Kontrollstationen und wir mussten zuerst zur kolumbianischen Ausreisestelle gehen. Die Gegend war zwar nicht besonders hübsch, aber die Polizeipräsenz war hoch und wir fürchteten uns nicht. Wir schienen sogar Eindruck bei den Grenzbeamten hinterlassen zu haben, zumindest waren sie sehr erstaunt darüber, dass wir das Land von Süden nach Norden durchquert hatten.

Nach dem Abstempeln des Passes auf der venezolanischen Seite ging es weiter. Die Gegend nach der Grenze kam uns sehr trist vor. Keine Berge, keine Dörfer, nur hin und wieder ein paar baufällige Hütten und Autos, die eher in ein Museum gehörten, als auf die Straße. In Venezuela kostet ein Liter Benzin 0,7 Bolivares, also etwa 7 Cent nach unserem Kurs. Das bedeutet zwar, dass sich in Venezuela jeder Benzin leisten kann, aber noch lange nicht, dass ein neues Auto auch drin ist und so kurven die abenteuerlichsten Kisten durchs Land und verstopfen regelmäßig die Straßen.

Es wurde dunkel und die Klimaanlage gab alles was sie konnte. In Maracaibo, dem Erdölzentrum des Landes, wurde der Bus dann voll, kalt blieb es drin aber trotzdem. Das machte aber nichts, denn wir bekamen auf der nächtlichen Fahrt mehrmals die Gelegenheit bei einer Polizeikontrolle auszusteigen und uns aufzuwärmen. Als wir gegen 1 Uhr (oder war es schon 2?) erneut angehalten wurden, durften wir sogar unser Gepäck kontrollieren lassen. Unsere Sorge, dass wir mitten in der Nacht ankommen würden erwies sich als grundlos, es war bereits 7 Uhr, als wir in Valencia umstiegen. Unser Ziel war Maracay, eine Stadt etwa 1,5 Stunden von Caracas entfernt, wir hatten keine Lust auf Großstadtstress zum Schluss.

Dank des billigen Benzins und der vielen Privatautos dauerte die Fahrt nach Maracay anstatt einer halben mehr als 2 Stunden, denn die Autobahn war die ganze Strecke hindurch verstopft. Das nutzten die vielen Männer allen Alters im Bus aber vortrefflich aus, um mit den Mädels eines immer wieder vorbei fahrenden anderen Busses lasterhafte Worte auszutauschen. :-) Schließlich kamen wir aber doch an, nahmen uns ausnahmsweise ein Taxi bis zu einem Hotel und blieben den ganzen Tag dort. Zu sehen gab es ja sowieso wenig in der Stadt. Einzig das italienische Restaurant, in dem wir unser Mittagsmenü vernaschten ist erwähnenswert, denn es handelte sich tatsächlich um süditalienische Auswanderer und die Tochter des Hauses erzählte uns eine rührende Geschichte über ihren über alles geliebten Vater, der bei einem Besuch in Italien starb.

Am Vormittag des nächsten Tages machten wir uns auf nach Caracas, zum Flughafen. Nachdem wir unsere Rechnung bezahlt hatten fragten wir nach einem Bus zum Busbahnhof. Die erschreckende Antwort: „Heute gibt’s keine Busse, heute wird gestreikt!“ Wir wussten jetzt nicht so recht was das bedeuten soll. Streiken nur die Stadtbusse in Maracay oder alle Busse landesweit? Wie sollten wir in so einem Fall unseren Flug um 17.15 erreichen?

Es blieb uns wieder nur das Taxi, um zum Busbahnhof zu kommen. Anscheinend war an diesem Tag Taxifahrer der beliebteste Beruf, denn praktisch jedes vorbeifahrende Auto hatte irgendwo eine Tafel mit der Aufschrift „Taxi“, auf dem Dach, auf der Windschutzscheibe, oft auch nur als loses Schild am Armaturenbrett. Wir wollten aber zur Sicherheit ein lizensiertes Taxi und es dauerte lange bis wir ein solches fanden. Der Weg zum Busbahnhof dauerte noch länger, denn, wie immer, waren die Straßen verstopft und Schritttempo angesagt. 

Am Busbahnhof dann die Erleichterung. Es gab Busse nach Caracas, noch dazu startete gerade in diesem Moment einer. Jetzt konnte uns nur noch Stau auf der Autobahn aufhalten. Glücklicherweise kam es aber nicht soweit. Sobald wir das Verkehrschaos in der Stadt hinter uns gelassen hatten ging es recht flott dahin. Die Straßen in Venezuela sind im Vergleich zu anderen Ländern ausgezeichnet, meist mehrspurig. Das hinderte den Busfahrer aber nicht daran, mitten auf der Autobahn stehen zu bleiben um Leute ein-  und aussteigen zu lassen. Nach knappen 2 Stunden Fahrt durch eine am Ende wunderschöne Hügellandschaft erreichten wir den westlichen Busbahnhof von Caracas. Auch hier streikte allerdings der Stadtverkehr. Zusammen mit einer Dreiergruppe Franzosen, die zufällig im gleichen Bus waren, suchten wir uns ein Taxi. Ein Venezolaner wollte den Franzosen helfen und ihnen den Taxistand zeigen, kannte sich aber selbst nicht so recht aus. Wir mussten den Busbahnhof zwei Mal durchqueren bis wir endlich die Taxis fanden.

Anja und ich waren sehr darauf bedacht ein lizensiertes Taxi zu nehmen und gaben uns erst durch das Zeigen eines Taxiausweises zufrieden. Die Taxifahrt war dann aber trotz aller Bedenken (man hört ja so Einiges über Venezuela) sehr angenehm und lehrreich. In einem über 20 Jahre alten Cadillac durchquerten wir die Stadt und fuhren zur Küste hinunter, denn Caracas liegt, total überraschend für uns, nicht an der Küste, sondern etwa 20 Kilometer im Landesinneren.

Der Taxifahrer war sehr interessiert an uns, woher wir kamen, wie uns Venezuela gefallen würde und wo wir hin wollten. An Gesprächsstoff mangelte es nicht. „Der ist doch verrückt!“ sagte unser Fahrer auf Hugo Chávez, den venezolanische Präsidenten angesprochen, „er redet und redet und redet und macht gar nix. Natürlich lieben ihn die Leute in den Armensiedlungen, aber in Wirklichkeit ist er verrückt“ Seit Jahren steige die Kriminalität und der Tourismus ginge zurück. „Früher fuhren ganze Busse voller Touristen hier vorbei, heute gibt es nichts mehr von dem“ beklagte er sich. „Es ist einfach zu gefährlich hier, erst letzte Woche haben sie einen Deutschen umgebracht. Er wollte einfach einen Hotdog essen und für ein Paar Bolivares haben sie ihn umgebracht!“ Von der Schönheit seines Landes war er aber ohne jeden Zweifel überzeugt. Wir fanden es schade, dass wir keine Zeit mehr hatten, dieses überaus interessante Land näher kennenzulernen.

Natürlich gab es auch auf dem Weg zum Flughafen wieder Stau. „An manchen Tagen brauche ich 5 Stunden hinunter zum Flughafen“, sagte unser Fahrer, „aber heute ist es relativ gut. Zum Glück seid ihr so früh unterwegs, später wird der Stau noch größer!“ Ohne Probleme erreichten wir den internationalen Flughafen von Caracas, checkten ein und bezahlten die notwendige Ausreisesteuer. Bei den Sicherheitskontrollen lief uns sogar die kamerunische U20- Nationalmannschaft im Fußball über den Weg, die 2 Tage zuvor bei der Weltmeisterschaft in Kolumbien im Elfmeterschießen ausgeschieden war. Ein sehr bewegender Moment.
Mit gemischten Gefühlen bestiegen wir nach 142 Tagen und mit 38 neuen Stempeln im Reisepass unsere Lufthansa Maschine, einerseits traurig, dass unser Abenteuer nun ein Ende fand, andererseits auch froh ins alte Europa zurückzukehren, in einen geregelten Tagesablauf und mit fixem Schlafplatz. So endet unsere Reise, wie sie begonnen hatte, im Flugzeug :-) Sie wird uns ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen