Nach der Rückkehr von der großartigen Osterinsel verbrachten wir einen gemütlichen Tag in Santiago. Wir schliefen aus, gingen ins Museum für nationale Geschichte, wo leider alles nur auf Spanisch war und gönnten uns ein Menu del Dia in einem der unzähligen Restaurants in der Markthalle und zwar nicht in der wo alle Touristen hingehen, sondern auf der anderen Seite des Flusses wo ein Tourist eher als Alien betrachtet wird (so kam es uns zumindest vor) :-) Am Abend trafen wir uns dann mit Brigitte, einer alten Freundin von Anja, und ihrem Mann auf ein gemütliches Bier. Der Abend war sehr nett und ein gebührender Abschied aus Chile.
Früh morgens gings dann mal wieder per Bus weiter in Richtung Buenos Aires. Einmal quer über den Kontinent in 24 Stunden. Zunächst fuhren wir wieder über den spektakulären Pass Los Libertadores mit seinen 29 Serpentinen. Da wir den Bus schon vor der Osterinsel gebucht hatten, bekamen wir die ersten Sitze im Obergeschoss und hatten einen perfekten Blick auf die atemberaubende Gebirgslandschaft.
Die 29 Serpentinen auf dem Weg zum Grenzübergang Los Libertadores
In Mendoza angekommen hatten wir 3 Stunden Aufenthalt, die wir für ein Bier und einen Super Pancho (normaler Hot Dog mit qualitativ nicht besonders hochwertigem Würstchen, dafür aber vielen Soßen) nutzten. Gegen halb 10 Uhr morgens erreichten wir am nächsten Tag endlich Buenos Aires, nachdem wir für die letzten 10 km ungefähr 2 Stunden gebraucht hatten. Ein Hostel im Viertel San Telmo (wo es angeblich günstiger ist) war schnell gefunden, aber wir waren von der Busfahrt noch etwas geschlaucht, sodass wir an diesem Tag nur mehr einen kleinen Spaziergang ins Zentrum machten. Abends aber gönnten wir uns einen Restaurantbesuch, denn auch unsere Tage in Argentinien waren gezählt und man kann das viele Fleisch nicht einfach ungegessen lassen. :-)
Nach einer recht erholsamen Nacht wollten wir nun die Stadt etwas erkunden. So wanderten (natürlich!) wir einmal quer durch das erweiterte Zentrum der 13 Millionen Menschen Metropole (die gar nicht so groß wirkt), bestaunten die Casa Rosada von dessen Balkon die berühmte Evita Peron ihr Volk besang, besuchten den Friedhof (schon wieder!) von Ricoletta, wo wichtige (ebendiese Evita) und weniger wichtige Menschen, die aber gern wichtig gewesen wären, teilweise äußerst pompös beigesetzt sind. Direkt davor verzückte uns ein sehr netter Kunsthandwerks- bzw. Hippiemarkt. Die viel gepriesenen Parks des Touristen- bzw. Szene- bzw. Partyviertels Palermo ließen dann allerdings zu wünschen übrig. Um 19 Uhr hatten wir uns mit Gian (siehe Puerto Natales und El Calafate) an der Plaza Italia verabredet aber es dauerte eine Stunde bis wir uns endlich fanden (facebook sei Dank). Er führte uns in eine weitere nette Parrilla (Restaurant mit großem Grill und viel Fleisch) wo wir erneut sehr gut aßen. Die Heimfahrt nach einem abschließenden netten Bier war einfacher als erwartet. Zwar war uns etwas mulmig um 2 Uhr nachts durch Buenos Aires zu gehen, aber die Sorgen waren völlig unbegründet.
Einige der pompösen Grabmäler am Friedhof in Ricoletta.
Sonntag, 15. Mai war unser letzter voller Tag in BA und es war der Tag des Superclassico, des Stadtderbys zwischen den Boca Juniors und River Plate (es geht um Fußball!). Wir hätten uns das Spiel gerne im Stadion angesehen, aber es wurde uns dringendst abgeraten auf eigene Faust Karten auf dem Schwarzmarkt zu kaufen und eine geführte Touristentour war ausgebucht und außerdem zu teuer. Trotzdem besuchten wir das Viertel La Boca (wo die Boca Juniors ihr Stadion haben) an diesem Tag um uns die bunten Häuser der Calle Caminito anzuschauen. Diesmal nahmen wir den Bus, weil es angeblich an so einem Tag noch gefährlicher als sonst sei durch La Boca zu gehen. Bullshit! Es herrschte eine tolle Partystimmung als wir am Stadion vorbei fuhren, jede Menge Menschen waren in blaugelben Trikots unterwegs und an jeder Ecke standen zwei Polizisten, wäre also kein Problem gewesen. Ironischerweise versammelten sich gerade nahe der Calle Caminito die ersten River Plate Fans in ihren rotweißen Trikots, aber die mögen wir nicht, denn Boca Juniors gegen River Plate ist, so sagte man uns, ein Spiel arm gegen reich, Arbeiter gegen Villenbesitzer und da ist wohl klar auf welcher Seite wir standen. Die Calle Caminito an sich war zwar nett, hübsch und voller Tango aber halt auch nur ein Touristenspot mit vielen teuren Restaurants. Bald schon hatten wir genug.
Als wir mit dem Bus (diesmal aus Faulheit) erneut am Stadion vorbeifuhren kamen gerade die Ultras in Sonderbussen und mit viel Lärm und guter Laune an. Wir wunderten uns noch warum die schon gegen Mittag zum Stadion wollten, da das Spiel laut Internet erst um 21 Uhr beginnen sollte…
Ganz in der Nähe des Hostels findet immer sonntags ein riesiger Trödelmarkt statt, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Das Spiel wollten wir uns dann am Abend in einer Bar anschauen. Der Markt war echt super, zwar ziemlich überlaufen, aber die Händler boten die witzigsten Sachen an. Wir schafften es gar nicht alles abzugehen. Stattdessen wanderten wir einige Zeit durch einen diesmal wirklich den Namen verdienenden Park bis zum Rio de la Plata. Nachdem unser geplanter Ausflug nach Colonia del Sacramento in Uruguay unerschwinglich war, wollten wir wenigstens übers Meer hinüber schauen. War aber am Ende doch zu weit weg :-)
Die Hochhäuser des gerade ziemlich boomenden Viertels Puerto Madero vom Park aus fotografiert.
Es war schon nach 17 Uhr als wir zurückkamen und der Markt war in seiner Auflösung begriffen. Eher zufällig fragte ich einen der manchmal recht aufdringlichen Werbefuzzies für ein Restaurant, ob sie denn am Abend das Spiel zeigen würden. Die erschütternde Antwort: „ Das läuft doch gerade!“ Was? Wie? Wir dachten es wäre um 21 Uhr? Nach einem kurzen Blick in den Fernseher (es lief die Nachspielzeit) und einer kleinen Überlegung begriff ich was geschehen war. Ich hatte die Spielzeit auf einer deutschen Webseite nachgeschlagen und 21 Uhr in Deutschland entspricht 16 Uhr in Buenos Aires. NEIN!!!! Wir hatten es verpasst. :-( Sehr sehr sehr ärgerlich, besonders für mich, Anja sah das eher lockerer. Egal, die Enttäuschung war bald überwunden und so machten wir uns einen gemütlichen Abend mit unseren überaus lustigen Zimmerkollegen, einem ständig kiffenden Spanier und einem, wie soll man es nennen, in seiner Art zu sprechen und sich zu verhalten so ziemlich alle Klischees eines gleichgeschlechtlich orientierten Mannes erfüllenden Brasilianer. Ich hatte sehr viel Spaß. Das Spiel endete übrigens 2:0 für Boca, woohoo!
Unser letzter Tag in der Großstadt (wir hatten eigentlich schon genug davon) war recht gemütlich. Wir nahmen die U-Bahn nach Palermo um uns das ach so schöne Aushängeschild der Stadt auch einmal bei Tag ansehen zu können. Am Ende waren wir aber enttäuscht, denn aus Nobelboutiquen und teuren Restaurants machen wir uns nicht besonders viel. Eine weitere Nacht im Bus stand uns nun bevor, aber davon erzähl ich euch das nächste Mal!
Highs und Lows in Buenos Aires:
Highs: Der Trödelmarkt, war echt supi
Das Essen (sehr lecker!) und der nette Abend mit Gian
Die Stimmung in La Boca. Dieses Viertel hat einen viel schlechteren Ruf als es verdient, wir fanden es jedenfalls das südamerikanischste Viertel, das wir gesehen haben.
Das Essen (sehr lecker!) und der nette Abend mit Gian
Die Stimmung in La Boca. Dieses Viertel hat einen viel schlechteren Ruf als es verdient, wir fanden es jedenfalls das südamerikanischste Viertel, das wir gesehen haben.
Lows: Natürlich das verpasste Superclassico und auch vom hochgelobten Palermo waren wir etwas enttäuscht. Aber wir sind ja generell nicht so die Großstadttouristen :-)











































