Sonntag, 29. Mai 2011

Buenos Aires


Nach der Rückkehr von der großartigen Osterinsel verbrachten wir einen gemütlichen Tag in Santiago. Wir schliefen aus, gingen ins Museum für nationale Geschichte, wo leider alles nur auf Spanisch war und gönnten uns ein Menu del Dia in einem der unzähligen Restaurants in der Markthalle und zwar nicht in der wo alle Touristen hingehen, sondern auf der anderen Seite des Flusses wo ein Tourist eher als Alien betrachtet wird (so kam es uns zumindest vor) :-) Am Abend trafen wir uns dann mit Brigitte, einer alten Freundin von Anja, und ihrem Mann auf ein gemütliches Bier. Der Abend war sehr nett und ein gebührender Abschied aus Chile.

Früh morgens gings dann mal wieder per Bus weiter in Richtung Buenos Aires. Einmal quer über den Kontinent in 24 Stunden. Zunächst fuhren wir wieder über den spektakulären Pass Los Libertadores mit seinen 29 Serpentinen. Da wir den Bus schon vor der Osterinsel gebucht hatten, bekamen wir die ersten Sitze im Obergeschoss und hatten einen perfekten Blick auf die atemberaubende Gebirgslandschaft. 

 Die 29 Serpentinen auf dem Weg zum Grenzübergang Los Libertadores

In Mendoza angekommen hatten wir 3 Stunden Aufenthalt, die wir für ein Bier und einen Super Pancho (normaler Hot Dog mit qualitativ nicht besonders hochwertigem Würstchen, dafür aber vielen Soßen) nutzten. Gegen halb 10 Uhr morgens erreichten wir am nächsten Tag endlich Buenos Aires, nachdem wir für die letzten 10 km ungefähr 2 Stunden gebraucht hatten. Ein Hostel im Viertel San Telmo (wo es angeblich günstiger ist) war schnell gefunden, aber wir waren von der Busfahrt noch etwas geschlaucht, sodass wir an diesem Tag nur mehr einen kleinen Spaziergang ins Zentrum machten. Abends aber gönnten wir uns einen Restaurantbesuch, denn auch unsere Tage in Argentinien waren gezählt und man kann das viele Fleisch nicht einfach ungegessen lassen. :-)

Nach einer recht erholsamen Nacht wollten wir nun die Stadt etwas erkunden. So wanderten (natürlich!) wir einmal quer durch das erweiterte Zentrum der 13 Millionen Menschen Metropole (die gar nicht so groß wirkt), bestaunten die Casa Rosada von dessen Balkon die berühmte Evita Peron ihr Volk besang, besuchten den Friedhof (schon wieder!) von Ricoletta, wo wichtige (ebendiese Evita) und weniger wichtige Menschen, die aber gern wichtig gewesen wären, teilweise äußerst pompös beigesetzt sind. Direkt davor verzückte uns ein sehr netter Kunsthandwerks- bzw. Hippiemarkt. Die viel gepriesenen Parks des Touristen- bzw. Szene- bzw. Partyviertels Palermo ließen dann allerdings zu wünschen übrig. Um 19 Uhr hatten wir uns mit Gian (siehe Puerto Natales und El Calafate) an der Plaza Italia verabredet aber es dauerte eine Stunde bis wir uns endlich fanden (facebook sei Dank). Er führte uns in eine weitere nette Parrilla (Restaurant mit großem Grill und viel Fleisch) wo wir erneut sehr gut aßen. Die Heimfahrt nach einem abschließenden netten Bier war einfacher als erwartet. Zwar war uns etwas mulmig um 2 Uhr nachts durch Buenos Aires zu gehen, aber die Sorgen waren völlig unbegründet.

Die Casa Rosada mit Balkon von dem Evita sang. In echt ist das Haus natürlich gerade, nur das Foto ist schief.


 Einige der pompösen Grabmäler am Friedhof in Ricoletta.

Sonntag, 15. Mai war unser letzter voller Tag in BA und es war der Tag des Superclassico, des Stadtderbys zwischen den Boca Juniors und River Plate (es geht um Fußball!). Wir hätten uns das Spiel gerne im Stadion angesehen, aber es wurde uns dringendst abgeraten auf eigene Faust Karten auf dem Schwarzmarkt zu kaufen und eine geführte Touristentour war ausgebucht und außerdem zu teuer. Trotzdem besuchten wir das Viertel La Boca (wo die Boca Juniors ihr Stadion haben) an diesem Tag um uns die bunten Häuser der Calle Caminito anzuschauen. Diesmal nahmen wir den Bus, weil es angeblich an so einem Tag noch gefährlicher als sonst sei durch La Boca zu gehen. Bullshit! Es herrschte eine tolle Partystimmung als wir am Stadion vorbei fuhren, jede Menge Menschen waren in blaugelben Trikots unterwegs und an jeder Ecke standen zwei Polizisten, wäre also kein Problem gewesen. Ironischerweise versammelten sich gerade nahe der Calle Caminito die ersten River Plate Fans in ihren rotweißen Trikots, aber die mögen wir nicht, denn Boca Juniors gegen River Plate ist, so sagte man uns, ein Spiel arm gegen reich, Arbeiter gegen Villenbesitzer und da ist wohl klar auf welcher Seite wir standen. Die Calle Caminito an sich war zwar nett, hübsch und voller Tango aber halt auch nur ein Touristenspot mit vielen teuren Restaurants. Bald schon hatten wir genug. 

Die bunten Häuser der Calle Caminito. Das Viertel La Boca wurde übrigens von Italienern gegründet. Ob das jetzt gut oder schlecht ist bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.



Als wir mit dem  Bus (diesmal aus Faulheit) erneut am Stadion vorbeifuhren kamen gerade die Ultras in Sonderbussen und mit viel Lärm und guter Laune an. Wir wunderten uns noch warum die schon gegen Mittag zum Stadion wollten, da das Spiel laut Internet erst um 21 Uhr beginnen sollte…
Ganz in der Nähe des Hostels findet immer sonntags ein riesiger Trödelmarkt statt, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Das Spiel wollten wir uns dann am Abend in einer Bar anschauen. Der Markt war echt super, zwar ziemlich überlaufen, aber die Händler boten die witzigsten Sachen an. Wir schafften es gar nicht alles abzugehen. Stattdessen wanderten wir einige Zeit durch einen diesmal wirklich den Namen verdienenden Park bis zum Rio de la Plata. Nachdem unser geplanter Ausflug nach Colonia del Sacramento in Uruguay unerschwinglich war, wollten wir wenigstens übers Meer hinüber schauen. War aber am Ende doch zu weit weg :-) 

 Die Hochhäuser des gerade ziemlich boomenden Viertels Puerto Madero vom Park aus fotografiert.

Es war schon nach 17 Uhr als wir zurückkamen und der Markt war in seiner Auflösung begriffen. Eher zufällig fragte ich einen der manchmal recht aufdringlichen Werbefuzzies für ein Restaurant, ob sie denn am Abend das Spiel zeigen würden. Die erschütternde Antwort: „ Das läuft doch gerade!“ Was? Wie? Wir dachten es wäre um 21 Uhr? Nach einem kurzen Blick in den Fernseher (es lief die Nachspielzeit) und einer kleinen Überlegung begriff ich was geschehen war. Ich hatte die Spielzeit auf einer deutschen Webseite nachgeschlagen und 21 Uhr in Deutschland entspricht 16 Uhr in Buenos Aires. NEIN!!!! Wir hatten es verpasst. :-( Sehr sehr sehr ärgerlich, besonders für mich, Anja sah das eher lockerer. Egal, die Enttäuschung war bald überwunden und so machten wir uns einen gemütlichen Abend mit unseren überaus lustigen Zimmerkollegen, einem ständig kiffenden Spanier und einem, wie soll man es nennen, in seiner Art zu sprechen und sich zu verhalten so ziemlich alle Klischees eines gleichgeschlechtlich orientierten Mannes erfüllenden Brasilianer. Ich hatte sehr viel Spaß. Das Spiel endete übrigens 2:0 für Boca, woohoo!

Unser letzter Tag in der Großstadt (wir hatten eigentlich schon genug davon) war recht gemütlich. Wir nahmen die U-Bahn nach Palermo um uns das ach so schöne Aushängeschild der Stadt auch einmal bei Tag ansehen zu können. Am Ende waren wir aber enttäuscht, denn aus Nobelboutiquen und teuren Restaurants machen wir uns nicht besonders viel. Eine weitere Nacht im Bus stand uns nun bevor, aber davon erzähl ich euch das nächste Mal!

Highs und Lows in Buenos Aires:
Highs: Der Trödelmarkt, war echt supi
Das Essen (sehr lecker!) und der nette Abend mit Gian
Die Stimmung in La Boca. Dieses Viertel hat einen viel schlechteren Ruf als es verdient, wir fanden es jedenfalls das südamerikanischste Viertel, das wir gesehen haben.
Lows: Natürlich das verpasste Superclassico und auch vom hochgelobten Palermo waren wir etwas enttäuscht. Aber wir sind ja generell nicht so die Großstadttouristen :-)

Mittwoch, 25. Mai 2011

Rapa Nui


Es hat lange gedauert, aber hier ist unser nächster Beitrag und der ist dafür extra lang. Weitere sind bereits in Arbeit, sollte also bald Neues geben.

Endlich war es soweit! Am 06. Mai in aller Herrgottsfrüh standen wir auf, wanderten entlang der dunklen, verlassenen Avenida Brasil zur Bushaltestelle und fuhren zum Flughafen. Unser Ziel war Rapa Nui, besser bekannt als Osterinsel, mitten im pazifischen Ozean. Es sollte das bisherige Highlight unserer Reise werden. Mit über einer Stunde Verspätung startete endlich die überaus moderne und gut ausgestattete Boeing 767 der Fluglinie LAN. Fast 5 Stunden später landeten wir auf dem kleinen Eiland. Die Landebahn des Flughafens erstreckte sich über praktisch die gesamte Inselbreite an dieser Stelle. Ein komisches Gefühl, aber das Flugzeug blieb rechtzeitig stehen und wir versanken nicht im Pazifik. Die Osterinsel stellt den isoliertesten bewohnten Punkt der Welt dar, der nächste bewohnte Ort ist die über 2000 km weiter westlich gelegene kleine Insel Pitcairn auf der 48 Nachkommen der Meuterer der berühmten Bounty wohnen. Der südamerikanische Kontinent liegt über 3500 km weiter im Osten.
Trotz dieser Abgeschiedenheit wurde die Insel bereits vor 1500 Jahren von Polynesien aus besiedelt. Für uns unvorstellbar wie angesichts der Lage und der damaligen technischen Möglichkeiten die Insel gefunden werden konnte.
Seit ihrer Besiedelung entwickelte sich auf der Insel die Kultur der Rapa Nui. Ob es Kontakte zur Außenwelt gab oder nicht ist umstritten, jedenfalls hatten die Rapa Nui einen sehr engen Bezug zu ihren Vorfahren und aus diesem Ahnenkult gingen hunderte der berühmten Steinstatuen (moais) hervor, die wohl jeder schon einmal gesehen hat. Nach der Entdeckung der Insel durch den Holländer Jakob Roggeveen am Ostersonntag (Name!) des Jahres 1722 ging es (natürlich) mit der Kultur den Bach hinunter. Streit, Krieg und Krankheiten dezimierten die Bevölkerung und sämtliche Statuen wurden im Laufe der nächsten 150 Jahre umgeworfen und/oder zerstört. Für etliche Jahre war die Insel (inklusive Einwohner) als Ganzes als Schaffarm verpachtet. Die Rapa Nui durften die Hauptstadt Hanga Roa nicht verlassen und sich nicht frei in ihrer Heimat bewegen. Erst als die Insel für den Tourismus interessant wurde, konnten mehrere Statuen wieder aufgestellt und einige historische Stätten restauriert werden. Heute geht es der Insel recht gut, der Tourismus blüht und immer mehr Chilenen wollen in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf die Insel, was natürlich wieder neue Probleme schafft.

Nach der Landung wurden wir von feuchttropischem, aber nicht allzu heißem Klima, Inselklängen und einer 5 Mal höheren Eintrittsgebühr als im Reiseführer beschrieben empfangen. Rapa Nui ist wohl eher ein Pauschal- bzw. Familienurlaubsziel (zumindest waren viele Kinder im Flugzeug), denn wir waren glaub ich die einzigen in der Maschine, die keine Hotelreservierung hatten. Dementsprechend belagert wurden wir von den zahlreichen Unterkunftsanbietern am Flughafen. Als wir es endlich geschafft hatten den Flughafen zu Fuß zu verlassen folgte uns eine ältere Dame ganz einfach, erzählte allerlei Klatsch und Tratsch und wollte uns ihre Zimmer zeigen. Mehr um sie loszuwerden sagte ich schließlich, dass wir kaum Geld dabei hätten und wir uns ihre Zimmer nicht leisten könnten. Die unerwartete Antwort darauf war: „Na gut, ich kann es euch um etwas mehr als die Hälfte geben, aber ohne Frühstück!“ und schon hatten wir ein Zimmer. Patricia entpuppte sich in den folgenden Tagen als nette, stolze Oma, die mit einem Rapa Nui verheiratet ist und allerlei über die Insel zu berichten wusste. 2009 war sie eine der Frauen, die den Flughafen blockierten um gegen die zunehmende Einwanderung zu protestieren.
Es war erst Nachmittag und so erkundeten wir noch etwas den Hauptort Hanga Roa, schauten uns die ersten Moais im Ort an und besuchten die bedeutende Stätte Tahai mit seinen Statuen, die wohl jeder Tourist (wir eingeschlossen) ungefähr 200 mal bei Sonnenuntergang fotografiert.

Die Moais von Tahai bei Tag mit Hanga Roa im Hintergrund...

 ...und bei Sonnenuntergang 2 Tage später.

Die Insel ist wohl wirklich ein kleines tropisches Paradies. Die Kinder sind den ganzen Tag mit ihren Bodyboards auf dem Meer und die Mentalität scheint eher von der gemütlicheren Art zu sein. Nur das Essen ist teuer. :-) Abends saßen wir noch lange mit unseren Zimmernachbarn, einem tschechoamerikanischen Künstlerpaar (Lad und Jana), auf der kleinen Terrasse, ließen uns von den Moskitos zerstechen und besprachen die dringendsten Probleme dieser Welt. Sie machten uns auch eine kleine gelbe Frucht schmackhaft (Guave), die überall auf der Insel wild wächst.

Für unseren ersten vollen Tag borgten wir uns mal wieder 2 Fahrräder aus, womit wir wohl die Einzigen auf der gesamten Insel waren, die den ca. 55 km langen Rundkurs nicht mit dem Auto bewältigten. Es war sonnig und warm, unsere Räder in perfektem Zustand und unsere Ziele ambitioniert. Es konnte also los gehen. Wir radelten zunächst entlang des Rollfeldes am Flughafen, dann entlang der Küste. Schon bald merkten wir, dass praktisch jeder Stein auf der Insel von archäologischer Bedeutung ist und so beschränkten wir uns aus Zeitgründen auf die wichtigsten Stätten. Besonders beeindruckend war der Vulkankrater Rano Raraku (mit idyllischem Kratersee) aus dem die teilweise riesigen Statuen gehaut und danach über die ganze Insel transportiert wurden. Wie ist unklar.
 
Wilde Pferde in der Idylle der Insel

Einer der zahlreichen Moais am Rano Raraku
 
und weitere Impressionen von dort...

 
 
 Der mit Schilf bewachsene Kratersee.

Nicht weit von Rano Raraku entfernt liegt die berühmte Stätte Tongariki wo 15 Statuen in einer Reihe aufgestellt über das Land blicken. Die Figuren stehen übrigens immer mit dem Rücken zum Meer und bewachen so die Zeremonienplätze (ahu) direkt davor. 

Die gewaltigen Statuen von Tongariki
 
Es war schon Nachmittag als wir unsere letzte Stätte besuchten und zum wiederholten Male eine kleine Gruppe Amerikaner trafen. Eine Dame sprach uns auch gleich mit den Worten: „You guys are doing so great with your bikes!“ an und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, dass wir doch tatsächlich mit dem Fahrrad die Insel befuhren. Das machte uns schon etwas stolz. :-)
Gegen 4 Uhr nachmittags hatten wir dann genug von Kultur und Archäologie und kamen endlich am kleinen Strand Ovahe an, einem malerischen Ort umgeben von hohen Felsklippen. Zum ersten Mal auf unserer Reise packten wir unsere Schwimmsachen aus und genossen das warme Wasser des Pazifiks. Allerdings war unser Heimweg noch weit und so brachen wir auch bald wieder auf. Die Straße führte quer über die Insel, zunächst auf einen Hügel, der von der Dame im Fahrradverleih als weniger hoch beschrieben wurde, dann dafür aber nur mehr bergab. Gerade noch schafften wir es zum überaus romantischen Sonnenuntergang zurück nach Hanga Roa. Ein wundervoller Tag.

Unser geheimer Strand Ovahe, gut versteckt vor den Touristen

 Hille mit Rad und Kamera-am-Gürtel-trag-Outfit (schäm)

 Der Hauptstrand der Insel bei Anakena. Auch schön, aber nicht so einsam.

 Sonnenuntergang am Hafen

Am nächsten Morgen ließen wir uns etwas mehr Zeit mit dem Aufstehen und wanderten anschließen auf den zweiten Vulkan der Insel, Rana Kao. Oben angekommen erwartete uns ein immenser Krater, wunderschön erhalten und riesengroß und ein tropischer Regenschauer. Klatschnass erreichten wir die Stätte Orongo wo wir uns unter einem Dach vor dem Regen verstecken konnten. In Orongo sind mehrere Wohngebäude aus Stein rekonstruiert worden, das ganze Dorf diente wohl als Zentrum für den Birdman-Kult, der ab dem 16. Jahrhundert nach und nach die Ahnenverehrung  in Form von Moais ablöste Durch seine Lage mit einem beeindruckenden Vulkankrater auf der einen und hunderte Meter hohen Klippen auf der anderen Seite haftete diesem Ort tatsächlich etwas Mystisches an. 
Zentraler Faktor des Kultes ist ein Wandervogel (ich glaube eine Seeschwalbe), der jedes Jahr auf einem winzigen Eiland (Motu Nui) südlich der Osterinsel in Sichtweite von Orogno nistet. Die Häuptlinge aller Stämme und Sippen schwammen jedes Jahr von Orongo aus zu diesem Inselchen, nachdem sie zuvor irgendwie die Klippen hinuntergeklettert waren und warteten dort Tage und Wochen auf die Ankunft der Vögel. Danach begann die Eiersuche, denn derjenige, der das erste Ei findet und zurückbringt ist für ein ganzes Jahr geheiligt oder sonst irgendwie besonders. Sehr kreativer Wettbewerb wie wir fanden, leider überlebte auch dieser Kult die Entdeckung der Insel durch Europäer nicht besonders lange. Abends genossen wir zuerst den Sonnenuntergang bei den Statuen von Tahai bevor uns Patricia einen ausgezeichneten Fisch grillte (den ihr Mann, ein Fischer, tags zuvor erbeutet hatte) und uns anwies ja alles vom Fisch, bis aufs Skelett zu essen, das mache man nämlich so auf Rapa Nui. Wir bemühten uns dem nachzukommen, aber die Augen schmeckten dann aber doch etwas seltsam.

Die Insel (es ist die größte der drei), wo der Wandervogel jedes Jahr nistet und die Häuptlinge hinschwammen, von Orongo aus fotografiert. Da gehts noch ein paar hundert Meter fast senkrecht ins Meer hinab.

Rekonstruierte Häuser aus Stein in Orongo

 Ein Teil des Kraters des Vulkans Rana Kao, den ganzen haben wir beim besten Willen nicht auf ein einziges Foto bekommen.

An unserem letzten ganzen Tag wollten wir uns die letzten Stätten nördlich des Hauptortes anschauen. Lad und Jana waren so lieb uns mit ihrem Mietauto ein gutes Stück mitzunehmen, sodass wir nicht weit gehen mussten um Puna Rau zu erreichen, wo die Hüte der Moais aus dem Fels geschlagen wurden. Dort lernten wir prompt ein Pärchen aus Hongkong und einen Bulgaren kennen, jeweils mit Megakameras und Mietwagen ausgestattet. Schnell boten sie uns an uns zum nächsten Ort auf der Strecke mitzunehmen, was wir natürlich nicht ausschlugen. Die Stätte Ahu Akiwi ist der einzige Ort auf der Insel wo die Moais in Richtung Meer blicken. Zwar bewachen sie auch hier einen Zeremonienplatz aber da der Ort im Landesinneren liegt und man auf einer Insel vom Landesinneren aus immer irgendwie aufs Meer blickt, tun das auch die Statuen. Zur Sonnenwende schauen sie übrigens genau in den Sonnenuntergang, waren ganz schön clever diese Rapa Nui.

 Die Moais von Ahu Akiwi

Ein weiteres Pärchen (er lebenslustiger Grieche, sie zurückhaltende Irin, ich frag mich wie das funktionieren kann) gesellte sich zu unserer Gruppe und zusammen machten wir uns an den Aufstieg auf den höchsten Punkt der Insel, den Maunga Terevaka (507 m), natürlich einem Vulkan. Es war viel weiter und dauerte viel länger als gedacht, aber am Ende schafften wir es alle und genossen den Blick über die Insel. Mr. Hongkong knipste unaufhörlich Bilder (er war ja auch Profi Fotograf) von denen einige wirklich supi sind.

Die Wandergruppe aufm Hügel, nur Hille war noch nicht mit dem Essen fertig.
 
Zurück beim Auto fuhren wir wieder Richtung Küste. Die Sonne ging schon fast unter als wir die Höhle Ana Kakenga erreichten. Glücklicherweise war eine Tahitianische Schulklasse gerade dort, sonst hätten wir den Eingang wohl kaum gefunden. Deren Lehrerin borgte uns dann auch noch eine Taschenlampe ohne die wir aufgeschmissen gewesen wären, so eng und finster war der Eingang. Nach einigen Metern Gekrieche wurde die Höhle aber breiter und heller und wir konnten den spektakulären Ausblick aufs Meer durch die zwei „Fenster“ der Höhle genießen. Dem Vulkangestein rundherum konnte man regelrecht ansehen, dass es einst flüssig gewesen sein musste. Je tiefer die Sonne sank, desto voller wurde die Höhle und so beschlossen wir den Sonnenuntergang von draußen zu beobachten, allein und ohne uns den Kopf zu stoßen. Es war wohl der schönste Sonnenuntergang den wir dort erlebten, der Himmel verfärbte sich ständig neu und unsere Kamera lief heiß.

Indiana Hille schaut aus der Höhle hinaus aufs Meer.
 
 Anja war auch da.

Der spektakuläre Blick aus einem der beiden Fenster der Höhle, diesmal ohne störende Hilles oder Anjas.

So eng war der Eingang.

Romantischer Sonnenuntergang, unser letzter auf der Insel.

Leider mussten wir tags darauf, am 10. Mai die Insel wieder verlassen, aber das Wetter war nun eh schlecht und wir hatten eigentlich alles gesehen. Mit diesmal 3 Stunden Verspätung landeten wir erst nach 22 Uhr in Santiago und gingen entlang der schon wieder dunklen Avenida Brasil zurück ins Hostel wo wir schon sehr bald tief und fest schliefen.

Highs und Lows der Osterinsel:
Highs: Eigentlich alles, die Insel, die Statuen, das Wetter, die Menschen, die wir dort kennenlernten. Wir können nur jedem empfehlen einmal dorthin zu fahren.
Lows: Eigentlich nur, dass wir wieder weg mussten und höchstens die Moskitos die sockenlosen Menschen bald auf die Nerven gehen und evtl. die Preise fürs Essen. Aber bei 3500 km bis zum nächsten großen Supermarkt kann man das auch irgendwie verstehen :-)

Freitag, 13. Mai 2011

Valparaiso und Santiago de Chile


Am frühen Nachmittag des 1. Mai erreichten wir nach einer recht abenteuerlichen Busfahrt die Künstler- und Literatenstadt Valparaiso am Pazifik. Eigentlich wollten wir ins Zentrum gebracht werden, aber der Fahrer bzw. sein Servicemann warf uns schon etwas vorher regelrecht aus dem Fahrzeug und war schneller weg als wir schauen konnten. So wanderten wir Richtung Zentrum auf der Suche nach Informationen. Der Tag der Arbeit scheint in Chile generell recht ernst genommen zu werden, weswegen auch die Touristeninfo mit einer Kette und Vorhängeschloss verriegelt war. Was nun? Wir befragten unseren Lonely Planet und beschlossen einen der berühmten Aufzüge hinauf auf den Cerro Alegre zu nehmen und dort eine Unterkunft zu suchen, was uns nach einiger Zeit auch gelang. Natalie, eine dort arbeitende sehr nette Chilenoamerikanerin mit äußerst erstaunlichem Lebenswandel, fragte uns dann auch gleich ob wir denn verrückt seien am 1. Mai durch die Innenstadt zu spazieren und ob wir von den Demos und dem Tränengas nichts mitbekommen hätten. Hatten wir nicht, die polizeiliche Gewalt war wohl schon vorher siegreich gewesen. :-) Später an diesem Tag gingen wir die Avenida Alemania noch ein Stück weit bis zur Plaza Bismarck (man merkt den germanischen Einfluss in Chile) um die Aussicht dort zu genießen.
Allerdings war der Nebel so dicht, dass die Aussicht nicht besonders viel hergab. Den Abend verbrachten wir mit Resteessen (es war ja nix offen zum einkaufen) und mit einem sehr elitären Briten und einer Holländerin. Wir hatten schon bessere Abende.

Der Ascensor Reina Victoria hinauf auf den Cerro Alegre

 Hille erklärt was man da so alles sieht

Tags darauf brachen wir zur großen Stadtbesichtigung auf. Wir gingen lange und weit, bewunderten die vielen Grafitis und anderen Wandbemahlungen, die überall in der Stadt zu finden sind. Sie reichen von einfachen gezeichneten Figuren über politisch motivierte Parolen und Portraits bis hin zu abstrakten und surrealen Grafiken (kenn mich mit den künstlerischen Fachbegriffen nicht so aus, ich nenns aber einfach mal so :-) ). Das heruntergekommene Äußere der Stadt passt, so finde ich, ideal zu ihrem künstlerisch-intellektuellen Charme. Zudem besteht die Stadt praktisch ausschließlich aus teils unglaublich steilen aber deswegen nicht minder dicht bebauten Hügeln, nur der Hafen und Teile der Innenstadt sind flach. Leider trübte der dichte Nebel die Aussicht ziemlich.

Die steilen Hügel mit bunten Wänden...

 ... in dieser bis in luftige Höhen dicht bebauten...


 ... aber teils recht heruntergekommenen Stadt.

Farbenfrohe Malereien überall





Der großartige (meine Meinung) Präsident Salvador Allende (1970-1973)

Wir wanderten den Cerro Alegre hinunter, hinauf zum Friedhof (mal wieder), auf den Cerro Belavista, der besonders bunt ist und wieder zurück in eine alte Markthalle wo wir uns gegen 16 Uhr ein erstaunlich günstiges, gutes und vor allem authentisches Mittagsmenü leisteten. Das winzige Restaurant im Obergeschoss der Halle war wohl ein Familienbetrieb. In der Küche standen zwei ältere rundlichere Frauen, die mit grantigem Gesicht liebevoll das Menu del Dia für uns zubereiteten. Die Tochter versorgte die Gäste schließlich mit den Speisen. Zum Nachtisch bekamen wir sogar eine Art Apfellikör als Verdauungsschnäpschen. Der Weg zurück ins Hostel war lange und ständig bergauf, aber teilweise lichtete sich der Nebel und wir bekamen den einen oder anderen Blick auf die Stadt.

Kunstfotos in der Künstlerstadt (ich finde wir haben Talent :-) )

 
Lange brauchten wir am nächsten Tag um uns zu entscheiden noch einen Tag in Valparaiso zu verbringen. Zum einen war das Hostel sehr schön, zum anderen hörten wir wenig Gutes über Santiago. Wir sollten es nicht bereuen. Zunächst gingen wir in den „gefährlichen“ Teil der Stadt, um uns den Hafen und ein Marinemuseum anzuschauen. Wir hatten uns perfekt gegen Taschendiebe ausgerüstet, aber am Ende war alles sehr gemütlich und ohne jedes Problem. Leider war das Museum wohl grad im Umbau begriffen, zumindest war es total leer aber die Aussicht war trotzdem schön. Abends lichtete sich endlich der immerwährende Nebel und wir konnten noch ein paar Bilder von der Plaza Bismark aus schießen.

Santiago de Chile, die große Hauptstadt des Landes, wo fast ein Drittel der Chilenen lebt ist so ganz anders als wir es vielerorts beschrieben bekamen. Es ist gar nicht hektisch, dafür sauber und recht gemütlich, der Verkehr zivilisiert und wir haben uns nie unwohl oder unsicher gefühlt. Insgesamt muss ich sagen gefiel es uns sehr gut dort, die Stadt wirkt eher europäisch als südamerikanisch. Viel zum Ansehen gibt es aber trotzdem nicht :-). Am frühen Nachmittag des 4. Mais kamen wir am Busbahnhof an. Der Weg ins Viertel Barrio Brasil (wurde uns von Natalie empfohlen) war wesentlich weiter als gedacht und Hostels wachsen selbst in diesem belebten Teil der Stadt nicht einfach so aus dem Boden. Etwas müde und schon genervt machten wir eine Pause und beschlossen eines der Hostels aus dem Lonely Planet aufzusuchen. Unterwegs kam ich dann endlich auf die glorreiche Idee einen Chilenen, der gerade Möbel auf der Straße bearbeitete nach einem Hostel zu fragen. Er verwies uns auf ein buntes Gebäude gleich gegenüber, das sich aber als Studentenwohnheim entpuppte.
Allerdings wohnte dort ein freundlicher Baske auf Austauschsemester, der sofort alle Hebel in Bewegung setzte um uns zu helfen. Keine 10 Minuten später holte uns eine Freundin ab und brachte uns in ihr nettes, kleines, neu eröffnetes und daher billiges Hostel fünf Minuten Fußweg weiter. Es war bereits später Nachmittag und wir hatten nach fast 3 Stunden Unterkunftssuche nicht mehr viel Lust etwas zu machen. Ein kleiner Spaziergang war trotzdem noch drin. Bei den „Los Brothers“ einer Snackbude von 3 Rastafaris, die es sich wohl zur Aufgabe gemacht hatten Gesundheit und Natur in der Großstadt zu versprühen genossen wir eine Rießenempanada mit Meeresfrüchten und bekamen sogar unseren ersten echten Fruchtsaft in Südamerika! Besonders lustig war es dann noch im Minimercado wo wir ein Bier (1 Liter Flasche) für den Abend kaufen wollten. Der Verkäufer war nämlich der erste der Österreich mit Fußball assoziierte und sich noch gut an die  WM 1982 erinnern konnte, als das böse Österreich gegen Chile im Gruppenspiel gewann. Dass Chile auch die beiden anderen Gruppenspiele gegen Deutschland und Algerien verlor und sang- und klanglos ausschied erwähnte er aber nicht :-)

Unseren ersten vollen Tag in Santiago wollten wir eigentlich ruhig angehen, etwas herumspazieren und erneut am Markt ein Mittagsmenü genießen. Es kam anders. Nachdem wir am Hauptplatz (Plaza de Armas, natürlich) endlich eine qualifizierte Touristeninfo fanden planten wir unsere Route. Zunächst gings auf den Cerro Santa Lucia, einem grünen Hügelchen mit kleinem Fort mitten in der Stadt, wo verliebte Paar gerne ihre Freizeit verbringen und Körperflüssigkeiten austauschen. Wir genossen den Blick auf die vom Smog sehr gut abgeschirmten Berge und warteten die Mittagshitze ab.
 Danach ging es weiter zum Cerro San Cristobal, einem schon wesentlich größeren Hügel etwas weiter außerhalb. Die Standseilbahn wollten wir uns nicht leisten, wir sind ja sportlich und so spazierten wir den recht steilen Wanderweg hinauf zur Statue der Jungfrau. Die Aussicht war schon sehr schön und wir waren stolz als einzige Touristen den Berg zu Fuß erklommen zu haben. 

Berg- (Smog-) Panorama in Santiago. Wer findet den Berg?

 Der Cerro Santa Lucia umgeben von Hochhäusern

Aussicht vom Cerro San Cristobal

 Jungfrau vom Berg. Zu der wollen alle hinauf, dabei ist sie gar nicht so hübsch...

Zurück am Fuße hatten wir schon riesigen Hunger und so suchten wir uns nach dem Zufallsprinzip eines der unzähligen Lokale im offensichtlich studentisch geprägten Viertel Bellavista aus. Eine Tafel pries uns eine Aktion für Pizzas an, die wir prompt auch ausnutzen wollten. Unsere Mägen knurrten und das Bier verfehlte ob der mangelnden Magenfüllung seine Wirkung nicht. Kurze Zeit später wussten wir dann auch warum die 2 Pizzen so günstig waren, sie füllten nämlich kaum den halben Teller. Aber sie waren mit sehr viel Käse beladen und somit dennoch ein reichhaltiger Snack. Es wurde bereits dunkel, als wir zurück gingen und der Weg war lang. Unterwegs wollte ich mir dann noch eines dieser überall angepriesenen Completos gönnen. Leider wusste ich nur ungefähr wie so ein Completo aussieht (der Name hätte mich eigentlich stutzig machen müssen) und so bestellte ich munter drauf los. Der Koch nahm auch prompt ein Würstchen und gab es in ein Hotdogbrot. Allerdings begann er nun jeden Millimeter des Brotes mit Tomaten, Krautsalat und sonstigen gesunden Dingen zu füllen. Viele werden meine Einstellung zu derartigem Essen kennen und verstehen, dass Anja den größten Teil essen musste. Früh packten wir an diesem Abend unsere Sachen zusammen und gingen ins Bett, denn wir hatten noch Großes für den nächsten Tag geplant.

Highs und Lows in Valparaiso und Santiago.
Highs: Valparaiso: Wundervolle Stadt, bunt und mit dem Charme einer Künstlerenklave, allerdings voller Hundeaa.
Essen am lokalen Markt: das werden wir jetzt öfters machen.
Unterkunft in Valparaiso: etwas teuer aber sehr schön und mit wundervollem Frühstück
„Los brothers“ ein echt bäriges, alternatives Lokal mit guten Empanadas.
Lows: Touristeninfo am Busbahnhof in Santiago: 4 Mädels in einem kleinen Raum, die es kaum zustande brachten, den Busbahnhof auf dem Stadtplan (ohne Straßennamen!!!! Sowas haben wir noch gar nicht gesehen) zu finden, geschweige denn uns irgendwelche Infos geben konnten.