Wir hatten Glück als wir gegen Mittag am 29. April in Mendoza ankamen, denn nur wenige Minuten später konnten wir auch schon den nächsten Bus nach Uspallata, im Westen der Stadt nehmen. Zum ersten Mal wurde im Bus ein richtig interessanter Film gespielt. Es ging um einen Soldaten, der im Irakkrieg aufdeckt, dass die angeblichen Massenvernichtungswaffen gar nicht existierten. Sehr viel schießen und bummbumm und so laut und ich wusste gar nicht, dass Matt Damon Spanisch sprechen kann. :-) Anja war weniger begeistert und konzentrierte sich mehr auf das nicht minder aufregende Äußere (nicht das von Matt Damon sondern vom Bus). Wir fuhren durch ein immer enger werdendes Tal immer höher hinauf in die Berge. Links und rechts erhoben sich steile Felswände mit bedrohlich locker wirkenden großen Steinen. Dann wurde das Tal breiter und die dichten Wolken blieben in den Bergen hängen. Nach etwa 2,5 Stunden Fahrt erreichten wir schließlich das kleine Dorf Uspallata an der Ruta Internacional 7 einer der Hauptverbindungen zwischen Argentinien und Chile.
Mehr durch Glück als durch Hinweise aus der eigentlich dafür zuständigen Touristeninfo bezogen wir ein kleines Hostel und liehen uns am späten Nachmittag noch 2 Fahrräder aus, um die Umgebung zu erkunden. Das Tal, gesegnet mit über 300 Sonnentagen im Jahr präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Kein Wunder, dass sich hier Brad Pitt in „7 Jahre in Tibet“ die Sonne auf den Bauch scheinen lies. Wir radelten eine endlose golden schimmernde Allee, umgeben von hohen, teils schneebedeckten, teils wolkenverhangenen Bergen entlang, besuchten eine alte Erzverhüttungsstelle der Jesuiten aus dem frühen 17. Jahrhundert und erklommen einen aufgrund des Zustands unserer Räder wesentlich steiler wirkenden Hügel. Etwa 7 km außerhalb der Stadt konnten wir über 1000 Jahre alte Felsritzungen (Petroglyphen) bestaunen. Das eigentlich spektakuläre dabei war aber die Gegend und die Ruhe und Abgeschiedenheit dort. Es war absolut still, kein Geräusch war zu hören. Die untergehende Sonne tauchte die Felsen in leuchtende Farben und hätten wir ein Zelt dabei gehabt hätten wir ohne zu zögern die Nacht in dieser wundervollen Abgeschiedenheit verbracht.
Alte Jesuiten Verhüttungsanlage
So schön einsam war es dort, kein Ton war zu hören
Felsritzungen vorne rechts
Hübsches Mädi im Detail, die Indios standen wohl auf schmale Hüften und breite Hintern :-)
Die Rückfahrt in den Ort war wesentlich kürzer, ob es am abfallenden Gelände oder der einbrechenden Dunkelheit wegen der wir uns beeilten lag, lässt sich heute nur mehr schwer beurteilen. Unsere Unterkunft teilten wir uns mit 4 jungen Franzosen, die hier recht häufig in freier Wildbahn anzutreffen sind.
Eigentlich wären wir gerne um halb 9 am nächsten Tag weiter in Richtung chilenischer Grenze gefahren aber es war Samstag und samstags fährt der Bus erst um halb 10. So mussten wir irgendwie diese eine Stunde, die wir zu früh aufgestanden waren überbrücken, was in Anbetracht von Temperaturen um den Gefrierpunkt und geschlossenen Cafes (in Südamerika beginnt der Tag nicht vor 10) nicht das Angenehmste des Tages war. Aber wir wurden sehr gut dafür entschädigt. Der Bus brachte uns zum Haupteingang des Parque Provincial Aconcagua, der sich rund um den gleichnamigen höchsten Gipfel außerhalb des Himmalayas erstreckte. Nach wenigen Minuten Gehzeit, wir waren inzwischen auf fast 3000 Metern Seehöhe, erhob sich dieser mächtige, 6962 Meter hohe Gletscher direkt vor uns. Wir waren umgeben von kargen, nur mit einigen Gräsern bewachsenen Bergen, deren unterschiedliche Farben auf kupfer- und eisenhaltiges Gestein hindeuteten, die aber wohl allesamt mehr als 4000 Meter hoch waren. Keine Wolke trübte den Sonnenschein. Ein herrliches Fleckchen Erde. Der Aconcagua wurde übrigens von einem Schweizer namens Matthias Zurbriggen im Jahre 1897 zum ersten Mal bezwungen. Heutzutage versuchen es an die 4000 Menschen jährlich, aber nur 30% schaffen es auch wirklich, hihi.
Die Laguna Horcones vor den leider nicht so gut erkennbaren verschiedenfarbigen Bergen
Nachdem wir genug gestaunt und genossen hatten holten wir unsere großen Rucksäcke am Parkeingang ab und gingen die 3 Kilometer zum Puente del Inka der Hauptstraße entlang hinunter. Neben der Straße verlief bereits seit Mendoza die alte Trasse des ehemaligen ferrocarril transandino, eines Schmalspurzuges (wie das Rittner Bahndl), der von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre Mendoza mit Los Andes in Chile verband. Die letzten Meter gingen wir dann auch aus Nostalgie- und Heimatverbundenheitsgründen entlang der Schienen. Als wir endlich die Puente del Inca erblickten trauten wir unseren Augen zunächst nicht. Zu surreal, zu unecht wirkten die Farben des mit schwefeligen Ablagerungen überzogenen Felsen dieses Naturwunders. Ein natürlicher Felsen überzieht an dieser Stelle den Rio Mendoza und wirkt wie eine mächtige Brücke. Der Name hat eigentlich kaum was damit zu tun, aber da nunmal auch schon die Inkas hier waren und sich daraus wahrscheinlich Kapital schlagen lässt nennt man es halt heute so. In den Felsen wurden vor etwa 100 Jahren alte Thermalbäder hinein gebaut, die teils unterirdisch, teils an der Oberfläche den Bewohnern des kleinen Ortes ihre Freizeit versüßten. Heute sind diese Bäder nur noch Ruinen und seit 2005 ist auch das Überqueren der Puente wegen Einsturzgefahr oder Rutschgefahr oder so verboten. Sehr schade. Ein ortskundiger Einheimischer erzählte uns noch allerhand über die Puente, die gefährliche Lage des Ortes im Winter und die vielen Lawinenunglücke in der Vergangenheit, die etlichen Gebäuden und Menschen das Leben kosteten.
Die Puente del Inca mit den in den Fels gehauenen Thermen. Die Farben waren wirklich so :-)
Dann mussten wir aber los, wir hatten schließlich noch einiges vor. Gegen 15 Uhr standen wir wieder auf der Hauptstraße und streckten unseren Daumen in Richtung Chile. Blöderweise hatten 2 andere Touristen dieselbe Idee und noch blöderer Weise waren die auch noch vor uns da. So stellten wir uns, höflich wie wir sind, einige 100 Meter hinter sie. Und kaum eine Stunde später blieb auch einer der wirklich vielen LKWs, die diesen Pass nutzen stehen – und nahm die anderen mit. Wir waren etwas verärgert und gingen etwas weiter Richtung Ortsausgang um zu verhindern, dass sich jemand anderes auch noch vor uns stellte. Es dauerte dann auch nicht lange bis ein etwas schüchterner Peruaner, der aber in Santiago lebte stehen blieb. Offensichtlich war dies eine etwas unüberlegte Aktion, denn es dauerte noch einige Minuten zögerlichen Autoaufräumens und Überlegens bis er uns endlich einsteigen ließ und mitnahm. Etwa 15 km später kam der Grenzübergang Los Libertadores. Es dauerte lange bis wir die üblichen, aber hier etwas ausgeprägteren Schikanen der Bürokratie (insgesamt waren wir bei 4 Schaltern, unser Fahrer Diógenes bei 5, bevor endlich unser Gepäck durchleuchtet und das Auto kontrolliert wurden) überstanden hatten und weiter fahren durften. Die Grenze liegt auf etwa 3000 Metern Höhe und die Straße auf der chilenischen Seite ist noch spektakulärer als auf der argentinischen. Über 29 Kehren quält sich ein LKW nach dem anderen die steile Passstraße hinauf. Für Motorradfahrer muss diese Rute ein wahrer Traum sein (*mitdemEllbogenmeineSchwiegerelternanstups*). Leider blieb Diógenes nicht für ein Foto stehen, wir haben aber auch nicht gefragt :-)
Etwa eine Stunde später mussten wir uns entscheiden, ob wir weiter bis nach Santiago fahren wollten oder in einem Ort entlang der Straße nach Valparaiso, unserem eigentlichen Ziel, bleiben wollten. Wir entschieden uns für letzteres. Diógenes ließ uns in Los Andes, einem Ort an dem der Tourismus anscheinend recht spurlos vorübergegangen ist, aussteigen. Es war der 30. April und Samstag und so war anlässlich des bevorstehenden Tags der Arbeit ziemlich viel auf dem zentralen Platz los, inklusive Konzert und flammenden Reden von Vertretern des Proletariats gegen die Unterdrücker der Bourgeoisie. Etwas umständlich fanden wir dann auch das Hotel Central ganz in der Nähe (nona!!) und gingen erschöpft recht früh ins Bett. Je später der Abend aber wurde desto mehr keimten in uns aufgrund der Geräuschkulisse Zweifel, ob besagtes Hotel Zentral auch als Herberge für Vertreterinnen eines etwas in Verruf geratenen anderen Gewerbes dienen könnte. :-) Etwas verstört verließen wir am nächsten Morgen dann auch recht rasch das Hotel und nahmen den Bus nach Valparaiso, aber davon erzähl ich euch das nächste Mal.
Highs und Lows in Uspallata und Puente del Inca
Highs: Die Gegend dort. Ein echter Traum, sowohl Uspallata als auch der Aconcagua, die Puente del Inca und die Straße nach Chile. Allein das übertrifft schon alle lows.
Lows: Das bürokratische Rumgezicke der Behörden an der Grenze. Als verwöhnter EU-Bürger ist das echt mühsam
Die Touristeninfo in Uspallata: die Dame war zwar sehr nett, aber nicht besonders gut informiert. So sagte sie uns, dass es im Ort kein Hostel geben würde (falsch!) und dass der Bus um 8.30 abfährt (auch falsch!).
Die Touristeninfo in Uspallata: die Dame war zwar sehr nett, aber nicht besonders gut informiert. So sagte sie uns, dass es im Ort kein Hostel geben würde (falsch!) und dass der Bus um 8.30 abfährt (auch falsch!).










Lustig mit dem Hotel! Tag der Arbeit muss super gewesen sein, wir haben in Paris mit der kommunistischen Partei von Peru mitmarschiert. (zufällig)
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