Unsere Uyuni-Salztour endete in San Pedro de Atacama, einer winzigen Stadt mitten in der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Der Ort ist zu 138% auf den Tourismus ausgelegt, es gibt gefühlte 1421 Restaurants, Souvenirgeschäfte und Tourveranstalter und mindestens doppelt so viele Touristen. Von der Grenze weg, wo wir den Jeep verlassen hatten brachte uns ein Bus direkt ins Stadtzentrum. Unterwegs versuchte sich der Busfahrer ein wenig in Kommunikation, wurde aber herzlichst von den Fahrgästen ignoriert und da wir in der letzten Reihe saßen, taten wir uns etwas schwer damit, ein Gespräch mit ihm aufzubauen. An der chilenischen Einreisestelle gings dann besser, er entpuppte sich als sehr netter, hilfsbereiter Mann.
Ein Hostel war innerhalb von 5 Minuten gefunden und da unsere Mägen schon knurrten suchten wir etwas zu essen. Aber zuvor buchten wir die Tour für die wir eigentlich gekommen sind, das Sterneschauen. Es war der 29. Mai, Freitag und auf dem Hauptplatz gab es ein kleines (Kinder-)fest inklusive leckeren Fleischspießchen, die sehr schnell den Weg in unsere Mägen fanden. Danach wollten wir eigentlich noch eine kleine Wanderung zu einer alten Festung außerhalb der Stadt machen, aber da wir an diesem Tag bereits um 5 Uhr aufgestanden und nun etwas geschlaucht waren, drehten wir schon bald um und verbrachten den Nachmittag im mit Hängematten bestückten Innenhof des Hostels. Eigentlich des ersten selbstständigen Kochens seit etwa 3 Wochen wegen kaufte ich noch eine Zwiebel für Zwiebelsuppe. Allerdings fiel dann gerade zur Kochzeit der Strom aus (angeblich keine Seltenheit) und weil wir keine Lust darauf hatten mit Stirnlampe unser Abendmahl zuzubereiten bestand das Abendessen einmal mehr aus Empanadas.
Straße in San Pedro de Atacama
Das Sterneschauen am Abend war dann dafür wundervoll. Ein Bus brachte uns zum Haus/Observatorium eines französischen Astronoms, der eine wirklich humorvolle, mit kleinen Seitenhieben gegen die USA und Großbritannien bestückte Einführung in die Sternkunde gab. Zunächst im Haus, dann draußen erklärte er leidenschaftlich die Grundzüge der Astronomie, konnte mit seinem ultracoolen Laser sogar einzelne Sterne anleuchten und am Ende erlangten wir durch 8 Teleskope einen tieferen Einblick in den Kosmos. Krönender Abschluss war eine warme Tasse Kakao, die unsere Körpertemperatur wieder auf Normalwerte steigen ließ.
Hille am Teleskop
Der nächste Tag war einer der gemütlicheren Sorte. Mehr oder weniger zufällig erfuhren wir, dass es sehr günstige Übernachtbusse nach Arica an der Grenze zu Peru gab und bald war ein solcher auch gebucht. Das wars auch schon mit Aktivitäten, ansonsten entspannten wir hauptsächlich, nahmen dann am späten Nachmittag einen Bus nach Calama von wo aus wir nach Arica weiterfuhren.
In Arica angekommen wussten wir zunächst nicht so recht wohin. Zu unserer großen Überraschung war von dem eigentlich ursprünglich so zahlreich vorhandenen Bargeld nicht mehr besonders viel übrig und da wir den Kindern des Geldwechslers am Busbahnhof eigentlich nur ungern das Studium finanzieren wollten gingen wir kurz in die Stadt auf der Suche nach besseren Wechselkursen. Das Leben in Chile beginnt aber nicht vor 9, weswegen uns einmal mehr nur der Bankomat blieb. Unser Ziel für den Tag war das winzige Dorf Parinacota in den Bergen, ein wenig abseits von den üblichen Touristenpfaden. Die Busfahrt dahin war schon etwas besonders, zunächst ging es spektakulär die Berge hinauf, die Küstenwüste wich langsam spärlicher und dann immer reicherer Vegetation. Besonders schön konnte man von oben einen kleinen grünen Streifen beobachten, der entlang der lebensspendenden Ader eines Flusses den lebensfeindlichen Bedingungen dort trotzte. Weniger schön war dann der LKW, der wohl schon vor einiger Zeit über die Straße hinaus gefahren und etwa 100 Meter in die Tiefe gestürzt war. Geborgen wird er von da unten wohl nicht so schnell werden, was mit dem Fahrer geschah wollen wir uns besser nicht vorstellen.
Nach etwa 2 Stunden Fahrt erreichten wir das Dorf Putre. Ein besonders cooler Polizist mit Sonnenbrille bestieg den Bus und hielt eine kurze Ansprache darüber wie gefährlich die Straße sei, wie viele Unfälle hier passierten und wie wichtig es sei sich auch im Bus anzuschnallen. Das Witzigste daran war aber, dass im Hintergrund der Film „Piranha“, der wohl schlechteste je produzierte Streifen lief, wo dutzende von partyhungrigen Studenten gerade in diesem Moment von prähistorischen Fischen regelrecht zerfleischt wurden.
Eine weitere Stunde später hielt der Bus an und der Servicemann sagte uns, wir wären da. Brav stiegen wir aus und erkannten bald, dass der Bus nicht etwa im Dorf, sondern nur an der Kreuzung dorthin angehalten hatte. Bis ins Dorf waren es noch etwa 4 Kilometer. Das hatte im Büro der Busgesellschaft in Arica noch ganz anders geklungen. Nun waren wir aber dort und der Bus war weg. Glücklicherweise wurde gerade an dieser Stelle der Straße gearbeitet und zwei Arbeiter chauffierten uns eigentlich ungefragt bis ins Dorf, wo wir auch gleich beim laut lonely planet einzigen Wirt (der im Dorf aber nicht den besten Ruf hat, wie wir später erfuhren) abgeliefert wurden. Parinacota liegt im Nationalpark Lauca, der sich um die Zwillingsvulkane Parinacota und Pomerape und den Lago Chungará, den angeblich höchstgelegenen See der Welt enthält. Unser Wirt meinte es wären etwa 3 Stunden Fußmarsch bis dahin und erklärte uns den Weg. Wohl nur aufgrund der Sprachbarriere fanden wir diesen natürlich nicht (mit Schildern haben sie es dort nicht so) und landeten stattdessen auf einem kurzen ausgeschilderten Rundweg. Die Landschaft, die Kargheit, die Stille, die Lamas und die Berge hier auf über 4000 Metern Höhe zogen uns regelrecht in ihren Bann und wir waren sehr froh uns für diesen Ort entschieden zu haben.
Zwillingsvulkane Parinacota (6342 m) rechts und Pomerape (6286 m) links, so glauben wir zumindest
Vulkan Parinacota mit Lamas im Vordergrund
Nochmal die beiden, wir taten uns schwer damit die Finger von der Kamera zu lassen
Die Landschaft im Nationalpark Lauca, diesmal in die andere Richtung, man beachte die spektakulären Wolken.
Als wir zurück kamen trauten wir dann unseren Augen und Ohren nicht. Gerade hier, wo sich nur sehr wenige Menschen her verirrten trafen wir den ersten Österreicher (Peter) auf unserer Reise. Und dann führte er auch noch eine deutsche Reisegruppe an. Schräger geht’s kaum. Wir plauderten ein wenig und er erklärte uns den Weg zum Lago Chungará von dem sie gerade in einer angenehmen 3 ½ stündigen Wanderung gekommen wären. Sehr nett, dachten wir zunächst.
Die Unterkunft teilten wir uns übrigens mit einem sehr netten argentinischen Pärchen, das gerade in die andere Richtung unterwegs war und jeder Menge Straßenarbeiter, die beim Abendessen einen Heidenspaß zu haben schienen. Kalt war es aber trotzdem. Am nächsten Tag folgten wir den Anweisungen von Peter und machten uns mit Gepäck auf zum Lago Chungará, wo es angeblich kleine Verkaufsstände gäbe und Busse nach La Paz stehenbleiben würden. Die Wanderung war zunächst wunderschön. Wir gingen auf die beiden Vulkane zu, konnten kleine Tiere beobachten, die wie Hasen mit Schwanz aussahen (in echt heißen die Viscachas), erreichten nach einiger Zeit die kleinen See am Fuße der Vulkane und trafen dabei den ganzen Tag keinen Menschen. Die raue Wildnis faszinierte uns sehr, aber wir mussten auch der Höhe von 4500 Metern etwas Tribut zollen und schnauften ganz schön.
Hier die Landschaft ohne Vulkane
Wie sich im Laufe des Tages dann aber immer deutlich herausstellte waren die Infos, die uns Peter gab nur bedingt mit den Tatsachen vor Ort vereinbar. Nach über 3 ½ Stunden erreichten wir die Fernstraße nach Bolivien und dachten dem Ziel endlich näher zu sein, denn die Fußspuren, denen wir bis dahin gefolgt waren endeten hier. Wie sich aber herausstellte war es bis zum See dann doch noch ein gutes Stück. Wir wollten nicht unbedingt auf der Straße gehen und als wieder ein kleiner Sandweg im Gelände auftauchte gingen wir diesen weiter. Wir waren schon etwa 4 ½ Stunden unterwegs als wir endlich den See in der Ferne erblickten und hätten wohl noch mindestens ein bis zwei Stunden vor uns gehabt. Aber wir waren müde, unsere Schultern taten weh und wir waren auch etwas grantig wegen der falschen Informationen auf die wir uns verlassen hatten. Wahrscheinlich hatte (wohlgemerkt Fremdenführer) Peter einfach den Lago Chungará mit den Lagunas Cotacotani am Fuße der Vulkane verwechselt. So kletterten wir wieder auf die Straße hinauf und versuchten unser Glück mit Autostopp. Die Situation war doch etwas angespannt, weil wir zum ersten Mal keinen Plan B hatten. Was wenn uns keiner mitnimmt? Wohin sollten wir dann gehen? Die Grenze war noch weit entfernt und von Dörfern in der Nähe war uns nichts bekannt.
Es dauerte nicht lange, da kam ein tschechisches Pärchen die Straße entlang, das ebenfalls in Parinacota, aber im Zelt übernachtet und die selben falschen Infos erhalten hatte. Aber sie besaßen ein GPS-Gerät und erzählten uns von einem Dorf, das etwa 4 km weiter liegen solle. Wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer. Nach einer Stunde oder etwa 10 LKWs, von denen keiner stehen blieb gaben wir auf und gingen los, damit wir besagtes Dorf noch sicher bei Tageslicht erreichen konnten, denn es war bereits halb 4. Und wie sollte es anders sein, gerade als wir 5 Minuten gegangen waren kam ein Bus in unsere Richtung vorbei und blieb doch tatsächlich auf unser Winken hin stehen. Schnell waren die Rucksäcke verstaut und wir saßen im Bus nach La Paz. Zwar bezahlten wir am Ende den gleichen Preis wie vom über 4 Stunden entfernten Arica (und das auch nur weil wir uns aufgeregt hatten, denn eigentlich wollte der Servicemann mehr), aber zumindest bekamen wir auf Nachfrage auch ein kleines Mittagessen. Wie uns zwei Schwedinnen später erzählten hatten wir riesiges Glück, denn der Bus hatte wohl keine Lizenz mehr und wurde deshalb für über 2 Stunden in Putre festgehalten. Ansonsten hätten wir ihn wohl verpasst und wären weniger glücklich gewesen. So aber genossen wir die Landschaft um den Lago Chungará, den wir nun vom Bus aus nun doch zu Gesicht bekamen und wunderten uns über die Kilometer lange Schlange von LKWs, die auf die Einreise nach Chile warteten. Die Chilenen nehmen nämlich wirklich alles ganz genau.















































