Freitag, 24. Juni 2011

Von San Pedro de Atacama zurück nach Bolivien


Unsere Uyuni-Salztour endete in San Pedro de Atacama, einer winzigen Stadt mitten in der Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Der Ort ist zu 138% auf den Tourismus ausgelegt, es gibt gefühlte 1421 Restaurants, Souvenirgeschäfte und Tourveranstalter und mindestens doppelt so viele Touristen. Von der Grenze weg, wo wir den Jeep verlassen hatten brachte uns ein Bus direkt ins Stadtzentrum. Unterwegs versuchte sich der Busfahrer ein wenig in Kommunikation, wurde aber herzlichst von den Fahrgästen ignoriert und da wir in der letzten Reihe saßen, taten wir uns etwas schwer damit, ein Gespräch mit ihm aufzubauen. An der chilenischen Einreisestelle gings dann besser, er entpuppte sich als sehr netter, hilfsbereiter Mann.
Ein Hostel war innerhalb von 5 Minuten gefunden und da unsere Mägen schon knurrten suchten wir etwas zu essen. Aber zuvor buchten wir die Tour für die wir eigentlich gekommen sind, das Sterneschauen. Es war der 29. Mai, Freitag und auf dem Hauptplatz gab es ein kleines (Kinder-)fest inklusive leckeren Fleischspießchen, die sehr schnell den Weg in unsere Mägen fanden. Danach wollten wir eigentlich noch eine kleine Wanderung zu einer alten Festung außerhalb der Stadt machen, aber da wir an diesem Tag bereits um 5 Uhr aufgestanden und nun etwas geschlaucht waren, drehten wir schon bald um und verbrachten den Nachmittag im mit Hängematten bestückten Innenhof des Hostels. Eigentlich des ersten selbstständigen Kochens seit etwa 3 Wochen wegen kaufte ich noch eine Zwiebel für Zwiebelsuppe. Allerdings fiel dann gerade zur Kochzeit der Strom aus (angeblich keine Seltenheit) und weil wir keine Lust darauf hatten mit Stirnlampe unser Abendmahl zuzubereiten bestand das Abendessen einmal mehr aus Empanadas.

Straße in San Pedro de Atacama

Das Sterneschauen am Abend war dann dafür wundervoll. Ein Bus brachte uns zum Haus/Observatorium eines französischen Astronoms, der eine wirklich humorvolle, mit kleinen Seitenhieben gegen die USA und Großbritannien bestückte Einführung in die Sternkunde gab. Zunächst im Haus, dann draußen erklärte er leidenschaftlich die Grundzüge der Astronomie, konnte mit seinem ultracoolen Laser sogar einzelne Sterne anleuchten und am Ende erlangten wir durch 8 Teleskope einen tieferen Einblick in den Kosmos. Krönender Abschluss war eine warme Tasse Kakao, die unsere Körpertemperatur wieder auf Normalwerte steigen ließ.

Saturn, fotografiert mit unserer mießen Kamera durch das Teleskop (vom Franzosen, nicht von uns :-) )

Hille am Teleskop

Der nächste Tag war einer der gemütlicheren Sorte. Mehr oder weniger zufällig erfuhren wir, dass es sehr günstige Übernachtbusse nach Arica an der Grenze zu Peru gab und bald war ein solcher auch gebucht. Das wars auch schon mit Aktivitäten, ansonsten entspannten wir hauptsächlich, nahmen dann am späten Nachmittag einen Bus nach Calama von wo aus wir nach Arica weiterfuhren.

In Arica angekommen wussten wir zunächst nicht so recht wohin. Zu unserer großen Überraschung war von dem eigentlich ursprünglich so zahlreich vorhandenen Bargeld nicht mehr besonders viel übrig und da wir den Kindern des Geldwechslers am Busbahnhof eigentlich nur ungern das Studium finanzieren wollten gingen wir kurz in die Stadt auf der Suche nach besseren Wechselkursen. Das Leben in Chile beginnt aber nicht vor 9, weswegen uns einmal mehr nur der Bankomat blieb. Unser Ziel für den Tag war das winzige Dorf Parinacota in den Bergen, ein wenig abseits von den üblichen Touristenpfaden. Die Busfahrt dahin war schon etwas besonders, zunächst ging es spektakulär die Berge hinauf, die Küstenwüste wich langsam spärlicher und dann immer reicherer Vegetation. Besonders schön konnte man von oben einen kleinen grünen Streifen beobachten, der entlang der lebensspendenden Ader eines Flusses den lebensfeindlichen Bedingungen dort trotzte. Weniger schön war dann der LKW, der wohl schon vor einiger Zeit über die Straße hinaus gefahren und etwa 100 Meter in die Tiefe gestürzt war. Geborgen wird er von da unten wohl nicht so schnell werden, was mit dem Fahrer geschah wollen wir uns besser nicht vorstellen.

Nach etwa 2 Stunden Fahrt erreichten wir das Dorf Putre. Ein besonders cooler Polizist mit Sonnenbrille bestieg den Bus und hielt eine kurze Ansprache darüber wie gefährlich die Straße sei, wie viele Unfälle hier passierten und wie wichtig es sei sich auch im Bus anzuschnallen. Das Witzigste daran war aber, dass im Hintergrund der Film „Piranha“, der wohl schlechteste je produzierte Streifen lief, wo dutzende von partyhungrigen Studenten gerade in diesem Moment von prähistorischen Fischen regelrecht zerfleischt wurden.
Eine weitere Stunde später hielt der Bus an und der Servicemann sagte uns, wir wären da. Brav stiegen wir aus und erkannten bald, dass der Bus nicht etwa im Dorf, sondern nur an der Kreuzung dorthin angehalten hatte. Bis ins Dorf waren es noch etwa 4 Kilometer. Das hatte im Büro der Busgesellschaft in Arica noch ganz anders geklungen. Nun waren wir aber dort und der Bus war weg. Glücklicherweise wurde gerade an dieser Stelle der Straße gearbeitet und zwei Arbeiter chauffierten uns eigentlich ungefragt bis ins Dorf, wo wir auch gleich beim laut lonely planet einzigen Wirt (der im Dorf aber nicht den besten Ruf hat, wie wir später erfuhren) abgeliefert wurden. Parinacota liegt im Nationalpark Lauca, der sich um die Zwillingsvulkane Parinacota und Pomerape und den Lago Chungará, den angeblich höchstgelegenen See der Welt enthält. Unser Wirt meinte es wären etwa 3 Stunden Fußmarsch bis dahin und erklärte uns den Weg. Wohl nur aufgrund der Sprachbarriere fanden wir diesen natürlich nicht (mit Schildern haben sie es dort nicht so) und landeten stattdessen auf einem kurzen ausgeschilderten Rundweg. Die Landschaft, die Kargheit, die Stille, die Lamas und die Berge hier auf über 4000 Metern Höhe zogen uns regelrecht in ihren Bann und wir waren sehr froh uns für diesen Ort entschieden zu haben.

Straße im Aymara-Dorf Parinacota

Zwillingsvulkane Parinacota (6342 m) rechts und Pomerape (6286 m) links, so glauben wir zumindest

Vulkan Parinacota mit Lamas im Vordergrund

Nochmal die beiden, wir taten uns schwer damit die Finger von der Kamera zu lassen

 Die Landschaft im Nationalpark Lauca, diesmal in die andere Richtung, man beachte die spektakulären Wolken.

Als wir zurück kamen trauten wir dann unseren Augen und Ohren nicht. Gerade hier, wo sich nur sehr wenige Menschen her verirrten trafen wir den ersten Österreicher (Peter) auf unserer Reise. Und dann führte er auch noch eine deutsche Reisegruppe an. Schräger geht’s kaum. Wir plauderten ein wenig und er erklärte uns den Weg zum Lago Chungará von dem sie gerade in einer angenehmen 3 ½ stündigen Wanderung gekommen wären. Sehr nett, dachten wir zunächst.
Die Unterkunft teilten wir uns übrigens mit einem sehr netten argentinischen Pärchen, das gerade in die andere Richtung unterwegs war und jeder Menge Straßenarbeiter, die beim Abendessen einen Heidenspaß zu haben schienen. Kalt war es aber trotzdem. Am nächsten Tag folgten wir den Anweisungen von Peter und machten uns mit Gepäck auf zum Lago Chungará, wo es angeblich kleine Verkaufsstände gäbe und Busse nach La Paz stehenbleiben würden. Die Wanderung war zunächst wunderschön. Wir gingen auf die beiden Vulkane zu, konnten kleine Tiere beobachten, die wie Hasen mit Schwanz aussahen (in echt heißen die Viscachas), erreichten nach einiger Zeit die kleinen See am Fuße der Vulkane und trafen dabei den ganzen Tag keinen Menschen. Die raue Wildnis faszinierte uns sehr, aber wir mussten auch der Höhe von 4500 Metern etwas Tribut zollen und schnauften ganz schön. 

Ein kleiner süßer Hase mit Schwanz (Viscacha)

Noch ein paar Vulkanfotos :-)



Hier die Landschaft ohne Vulkane



Wie sich im Laufe des Tages dann aber immer deutlich herausstellte waren die Infos, die uns Peter gab nur bedingt mit den Tatsachen vor Ort vereinbar. Nach über 3 ½ Stunden erreichten wir die Fernstraße nach Bolivien und dachten dem Ziel endlich näher zu sein, denn die Fußspuren, denen wir bis dahin gefolgt waren endeten hier. Wie sich aber herausstellte war es bis zum See dann doch noch ein gutes Stück. Wir wollten nicht unbedingt auf der Straße gehen und als wieder ein kleiner Sandweg im Gelände auftauchte gingen wir diesen weiter. Wir waren schon etwa 4 ½ Stunden unterwegs als wir endlich den See in der Ferne erblickten und hätten wohl noch mindestens ein bis zwei Stunden vor uns gehabt. Aber wir waren müde, unsere Schultern taten weh und wir waren auch etwas grantig wegen der falschen Informationen auf die wir uns verlassen hatten. Wahrscheinlich hatte (wohlgemerkt Fremdenführer) Peter einfach den Lago Chungará mit den Lagunas Cotacotani am Fuße der Vulkane verwechselt. So kletterten wir wieder auf die Straße hinauf und versuchten unser Glück mit Autostopp. Die Situation war doch etwas angespannt, weil wir zum ersten Mal keinen Plan B hatten. Was wenn uns keiner mitnimmt? Wohin sollten wir dann gehen? Die Grenze war noch weit entfernt und von Dörfern in der Nähe war uns nichts bekannt.

Es dauerte nicht lange, da kam ein tschechisches Pärchen die Straße entlang, das ebenfalls in Parinacota, aber im Zelt übernachtet und die selben falschen Infos erhalten hatte. Aber sie besaßen ein GPS-Gerät und erzählten uns von einem Dorf, das etwa 4 km weiter liegen solle. Wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer. Nach einer Stunde oder etwa 10 LKWs, von denen keiner stehen blieb gaben wir auf und gingen los, damit wir besagtes Dorf noch sicher bei Tageslicht erreichen konnten, denn es war bereits halb 4. Und wie sollte es anders sein, gerade als wir 5 Minuten gegangen waren kam ein Bus in unsere Richtung vorbei und blieb doch tatsächlich auf unser Winken hin stehen. Schnell waren die Rucksäcke verstaut und wir saßen im Bus nach La Paz. Zwar bezahlten wir am Ende den gleichen Preis wie vom über 4 Stunden entfernten Arica (und das auch nur weil wir uns aufgeregt hatten, denn eigentlich wollte der Servicemann mehr), aber zumindest bekamen wir auf Nachfrage auch ein kleines Mittagessen. Wie uns zwei Schwedinnen später erzählten hatten wir riesiges Glück, denn der Bus hatte wohl keine Lizenz mehr und wurde deshalb für über 2 Stunden in Putre festgehalten. Ansonsten hätten wir ihn wohl verpasst und wären weniger glücklich gewesen. So aber genossen wir die Landschaft um den Lago Chungará, den wir nun vom Bus aus nun doch zu Gesicht bekamen und wunderten uns über die Kilometer lange Schlange von LKWs, die auf die Einreise nach Chile warteten. Die Chilenen nehmen nämlich wirklich alles ganz genau.

Montag, 20. Juni 2011

Uyuni


Unsere Reise zum berühmten Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt begann mit einer langen, unbequemen, aber spektakulären Busfahrt. Von Potosi aus gings 7 Stunden lang über den bolivianischen altiplano. Umgeben von karger, brauner Einöde, teils schneebedeckten Gipfeln, steilen Schluchten, alten Ruinen von Gebäuden und ganzen aufgegebenen Siedlungen und jeder Menge Lamas und Vikuñas tuckerten wir durch die Landschaft auf 4000 Metern Seehöhe. Immer wieder mussten wir die asphaltierte Straße verlassen um die zahlreichen Baustellen und halb fertigen Brücken zu umfahren. Bolivien bemüht sich gerade ziemlich diese Strecke zu modernisieren. Es wurde bereits dunkel als wir in Uyuni, einem Ort der nur mehr wegen dem Tourismus existiert, ankamen. Mitten in der Wüste, umgeben von Nichts ist diese kleine Stadt der Ausgangspunkt für die meist dreitägigen Jeeptouren. Schnell wurden wir angesprochen, ob wir denn eine Tour und eine Unterkunft suchen würden und es dauerte auch nicht lange, da hatten wir ein Zimmer bezogen und eine Tour gebucht, alles schien supi.

Am nächsten Morgen, dem 27. Mai sollte es losgehen. Pünktlich um halb 10 waren wir bei der Agentur. Man hatte uns gesagt, dass es neben uns und Daniel, einem Deutschen, den wir im Bus kennengelernt hatten, noch zwei andere Mitfahrer gäbe und maximal 6 Touristen in einen Jeep gepackt würden. Aber das war gestern. Nun hieß es plötzlich es seien insgesamt 13 Touristen für 2 Jeeps und wir 3 müssten uns mit 5 anderen in ein Fahrzeug pferchen. Zunächst konnten wir das noch nicht ganz glauben, es waren ja bis jetzt auch nur eine 5-köpfige tschechische Gruppe und wir mit Daniel da. Als dann aber die Jeeps ankamen und einer bereits mit 2 Deutschen und 2 Schweizern befüllt war, wurde die Sache plötzlich bitterernst. Die Tschechen setzten sich einfach in den anderen, leeren Jeep und fuhren los, ihnen war ja auch zugesagt worden, sie wären nur zu 5. Sehr rücksichtslos und arschig wie wir fanden. Jetzt waren wir noch zu 7. mit einem Auto wo es in Anbetracht der Größe der männlichen Teilnehmer rein physikalisch schon ziemlich unmöglich gewesen wäre alle Leute unterzubringen. Eine Stunde Streiterei und sehr viel Ärger, vor allem über die äußerst arrogante Chefin der Agentur später opferte sich Daniel und blieb zurück, sodass wir nur noch zu 6. waren. Unbequem wars auf der hintersten Bank trotzdem, aber wenigstens ging es los.

Die Stimmung zu Beginn der Tour war ob der Ereignisse wenig gut, wurde aber bald besser, als wir den Salar betraten. Wenigstens hatten wir mit unserem Guide ziemliches Glück, Edwin war motiviert, kommunikativ und freundlich. Mit über 10.000 km2 ist diese Salzwüste größer als Südtirol, teilweise ist die Salzkruste 7 Meter dick und an seinen Rändern wird auch Salz gefördert. Genau so eine Saline besuchten wir zu Beginn der Tour. Die Menschen türmen das Salz zu kleinen Hügeln auf und warten bis das darin enthaltene Wasser zu Boden gesunken ist. Danach wird das Salz „geerntet“, gereinigt und verkauft. Ein gutes Auskommen haben die Menschen wegen des geringen Preises dennoch nicht damit. Zudem ist der Salar meist von Dezember oder Jänner bis April überflutet, denn der Niederschlag aus der Regenzeit kann nirgends abfließen (sonst wärs ja keine Salzwüste) und bis alles Wasser verdunstet ist dauerts seine Zeit.

Aufgetürmte Salzhaufen zur Salzgewinnung.
 
Als wir weiter fuhren wurden unsere Augen immer größer, unsere Münder immer offener. Den Besuch beim (vermutlich illegal gebauten und nicht besonders ökologischen) Salzhotel wollten wir so kurz wie möglich halten und darum tauchten wir schon bald in die weiße, „brettlebene“ Wüste ein. Nach einiger Zeit blieben wir dann mitten drin, umgeben von Kilometern von Salz stehen um unser technisches Equipment (unsere Kamera) auszunutzen. Da alles so weiß und flach ist kann man hier supi Perspektivfotos machen:





Salzwüste ohne herumblödelnde Anjas und Hilles



Weiter gings dann auf die Isla del Pescado, einem Hügel, der aus der weißen Ebene herausragte und voller uralter Kakteen ist. Man sagt, sie wachsen etwa 1 cm pro Jahr, manche erreichen aber bereits Höhen von 8 bis 10 Metern. Ein wunderschöner Ort auf dem auch eine Handvoll Menschen vom Tourismus lebt und jährlich für ein paar Monate wegen der Überflutung der Wüste (ironisch oder?) von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Die Isla del Pescado mit Kakteen, Salz und Bergen

 Hille küsst Kaktussssss

Wir hier ihr woanders :-)

 Hier bekamen wir auch unser Mittagessen und danach legte sich Anja nochmal für ein paar Fotos aufs Salz, das hier aber wesentlich nasser war als vorher, was sich auch auf Anja und ihre Kleidung niederschlug.

Je später der Nachmittag wurde und je weiter wir fuhren, desto nasser wurde die Salzdecke. Am Ende fuhren wir durch 10 bis 20 cm hohes Wasser (besonders gut fürs Auto), blieben einmal sogar fast stecken. Durch das Wasser und das Licht konnten wir nun nur mehr aufgrund der Schwerkraft oben und unten am Horizont unterscheiden.

Wo ist oben, wo ist unten?

 Sonnenuntergang, schon wieder

Die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden als wir unsere Unterkunft, auch eine Art Salzhotel, am Rande des Salar erreichten. Es war schon recht kühl, daher war der Tee, den wir bekamen auch recht angenehm. Bald gab es dann auch ein sehr reichhaltiges Essen (Suppe und danach Pique Macho). Nur mit unserer Gruppe wurden wir nicht besonders warm.

Tags darauf fuhren wir mit frisch gewaschenem Auto weiter, diesmal auf der Rückbank und nicht mehr ganz hinten :-) Salzwüste gab es keine mehr, dafür andere Wüsten. Von San Juan, unserem ersten Shoppingstop fuhren wir immer weiter leicht bergauf, passierten bald die 4000 Metergrenze, kamen an der Bahnlinie vorbei, die wertvolles Erz von Uyuni nach Calama in Chile und weiter zum Pazifik bringt, konnten den semiaktiven, rauchenden Vulkan Ollagüe beobachteten und besuchten ein paar kleine Seen (Lagunas), die von Boraxablagerungen umgeben waren.

Bahnlinie nach Calama in Chile

Hille pustet Vulkan aus

 Die Lagune an der wir Mittag machten

Am Nachmittag schließlich durchquerten wir die höchstgelegene Wüste der Welt, den Desierto Siloli. Ob es aufgrund der Höhe war oder am Wesen unserer Mitreisenden lag wissen wir nicht, jedenfalls wurden immer lauter immer blödere Lieder angestimmt und der Jeep langsam zu einem Partybus. Die Landschaft konnte einen auch durchaus in euphorische Stimmung versetzen. Es gab praktisch keine Vegetation (und hinter den einzigen Busch bei unserem Rastplatz hatte auch gleich einer hingeschissen), nur Sand, Staub und Felsen. Ein idealer Ort um mit seinem fahrbaren Untersatz Spaß zu haben. Kein Wunder, dass die Rallye Dakar, die ja seit ein paar Jahren in Südamerika stattfindet heuer hier vorbeikommen wird. Der eigentliche Höhepunkt dieser Etappe, der arbol de piedra (Baum aus Stein, in Wirklichkeit aber nur ein Stein der mit etwas Fantasie einem Baum ähnlich sieht), war dann eher mittelmäßig, ich fand die Wüstenlandschaft davor fast spektakulärer. 

El Desierto Siloli

 Der Arbol de Piedra

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch bei der Laguna Colorada, einem weiteren See, der aufgrund seiner Algen bei windigem Wetter in sattem Rot erscheint und in der richtigen Saison tausenden Flamingos ein zuhause gibt. Leider war nicht richtige Saison und wir sahen nur ein paar wenige dieser Vögel aus der Ferne, denn der Wachmann wollte uns nicht bis zum See hinunter lassen. Auf die Frage, warum denn dann so viele Spuren im Sand seien, wenn man eh nicht hinunter darf, antwortete er erschreckend ehrlich: „Das sind die Spuren von den Leuten die kommen bevor wir aufsperren.“ Na supi :-).

Die Laguna Colorada

Bevor wir es uns in unserer noch einfacheren, noch kälteren Unterkunft 10 Autominuten weiter gemütlich machen konnten war noch der Eintritt für den Nationalpark fällig. Offenbar ist man hier kritische Fragen von Besuchern nicht unbedingt gewohnt, denn auf meine Frage hin, ob ich denn eine Broschüre bekommen könnte, reagierten die dort Angestellten jungen Männer zunächst mit einer intensiven, aber erfolglosen Suche nach Infomaterial und schließlich mit Unverständnis als ich meinte, ich würde schon gern wissen wofür ich denn so viel bezahle. Ich glaub die mögen mich jetzt nicht mehr.

Schweinekalt ist wohl die passendste Bezeichnung für die nun folgende Nacht. Die in der Unterkunft arbeitenden Menschen waren auch nicht von der freundlichsten Sorte, denn als ich nachfragte, ob es denn möglich sei den Generator einzuschalten und warum die eine Hälfte des Hauses Strom hat und die andere (unsere) nicht, reagierten sie bereits recht gereizt. Krönender Höhepunkt war das Abendessen, das für jeden Teilnehmer etwa eine Viertelportion Spaghetti vorsah. Ich hatte keine Lust mich nochmal zu beschweren und ließ andere das Erledigen. Das Ergebnis: es gibt halt nicht mehr. Die Erklärung (von Edwin): „Morgen fahren wir auf 5000 Meter hoch, da ist es wichtig nicht zu viel zu Essen sonst kotzt man nur.“ Das Lustigste an dieser eher lächerlichen Erklärung war, das die zwei anderen Gruppen in der Unterkunft genau das gleiche Essen, aber mindestens die doppelte Portion bekamen und sogar etwas übrig ließen. Nach dem Essen pokerten wir die hintersten Sitzplätze im Auto für den nächsten Tag aus. Das Traurige daran war, dass gerade die einzige in der Runde, die noch nie gepokert hatte und oft nicht einmal merkte wie gut oder schlecht ihre Hand war, am Ende die meisten chips oder besser Kokablätter hatte…

Um 5 Uhr früh starteten wir unseren letzten Tag. Zwar ließ es sich im Schlafsack und unter 3 weiteren Decken aushalten, aber das Aufstehen war schon hart. Da half auch der Kokatee nicht wirklich viel. Edwin drängte zur Eile, wir hatten schließlich noch einiges vor. Zur Dämmerung erreichten wir die Geysirfeld Sol de Mañana, auf 5000 Metern Seehöhe. Gleich neben der Straße schoss eine Dampfsäule in den Himmel und lockte zahlreiche Kameras der anderen Gruppen an. Bei genauerem Hinsehen konnte man aber ein Rohr im Boden erkennen, was dem Ganzen etwas die Authentizität nahm. Der warme Dampf war trotzdem supi auf den kalten Händen bei – 10°C. Nicht weit entfernt gab es dann aber echte brodelnde Schwefelfelder mit echtem, stinkendem Dampf. Das Licht und die Atmosphäre waren schon besonders und wäre es nicht so verdammt kalt gewesen, wären wir sicher noch länger geblieben. 

Die Schwefelfelder Sol de Mañana


 Aber es standen auch noch die termas de Polques auf dem Programm, die wir um halb 8 erreichten. Thermen ist eine schöne Umschreibung für das knapp einen Meter tiefe Becken mit warmem Wasser. Zunächst wollten wir gar nicht hinein, weil es erstens auf 4400 Metern recht kalt und das Becken zweitens schon mit Touristen überfüllt war. Schließlich entschieden wir uns aber doch dafür, entkleideten uns bei Minusgraden und tauchten in das wirklich herrliche Wasser ein. Zudem wurden die meisten anderen Touristen bereits zum Frühstück gerufen, sodass es am Ende wirklich entspannend und schön war. Und sogar das Hinausgehen war weniger schlimm als befürchtet. Zwar mussten wir etwas zittern, aber das legte sich bald wieder. Edwin hatte bereits wieder Stress und so blieb das zugegeben reichliche Frühstück doch eher eine Hetzerei. 

So fein warm wars im Wasser, draußen dafür huschi

Der letzte Punkt auf der Tour war die Laguna Verde, ganz in der Nähe der chilenischen Grenze. Aufgrund der nicht unbedingt gesunden bleihaltigen Partikel erscheint dieser See bei Wind in Grün. Leider war es nicht windig und der See auch nicht unbedingt der schönste der Welt und so blieben wir nicht lange. Schon kurz darauf erreichten wir die bolivianische Ausreisestelle, wo uns Edwin absetzte, denn unser nächstes Ziel war San Pedro de Atacama in Chile.

Freitag, 17. Juni 2011

Von Asuncion nach Potosi


Früh morgens am 21. Mai kamen wir am Busbahnhof in Asuncion an und mussten eine schwere Entscheidung treffen. Sollten wir noch länger in Paraguay bleiben und über den abgelegenen, beinahe unbewohnten Chaco, den heißesten Flecken Südamerikas, nach Bolivien weiterreisen oder die „sichere“ (bessere Busverbindungen) Route über den Norden Argentiniens nehmen? Wir entschieden uns aus vermeintlichen Zeit- und Kostengründen für letzteres, eine Entscheidung, die wir später bereuten, aber wenigstens bleibt wieder etwas mehr, wofür es sich lohnt zurück zu kehren. Dennoch, dieser Tag war kein schöner für uns. Seinen Rest und die folgende Nacht verbrachten wir in sehr teuren Bussen auf dem Weg nach Salta, wo wir früh morgens ankamen. Viel Zeit hatten wir nicht, weswegen wir uns nur einen Tag für die Stadt nahmen und das angeblich so schöne Umland ganz ausließen. Aber wie wir von Bildern und Erzählungen wissen, haben wir so was Ähnliches eh schon gesehen.

Dank eines unerwarteten Zufalls war genau jener Tag in Salta, der 22. Mai, der (internationale?) Tag der Museen und alle Museen der Stadt waren gratis. So besuchten wir im Laufe des Tages gleich deren drei. Ein kleines wenig spannendes Geschichtsmuseum am Morgen, ein hübsches kleines Anthropologiemuseum am Nachmittag und das MAAM (Museo de Archeologica de Alta Montaña) am Abend. Dafür mussten wir zwar fast 1 Stunde lang Schlange stehen, durften aber die verschrumpelten alten Kindermumien, die in der Nähe gefunden wurden, bestaunen. Natürlich kam auch der Sport an diesem Tag nicht zu kurz, denn wir bezwangen die 1095 Stufen des Cerro San Bernardo (schon wieder ein Stationsweg), der über der Stadt thront und auf den auch eine Gondelumlaufbahn schweizer Bauart geführt hätte, welche wir gekonnt ignorierten (war ja auch nicht von Leitner). Um Mitternacht bestiegen wir schon wieder einen Bus, der uns endlich nach Bolivien bringen sollte.

Blick vom Cerro San Bernardo auf Salta
 
Die dritte Nacht in Folge im Bus war ziemlich kühl und mittlerweile auch schon sehr anstrengend. In La Quiaca, der argentinischen Grenzstadt froren wir uns bei der Ankunft beinahe unsere Hintern ab, erst als die Sonne aufging wurde es etwas wärmer. Nach den üblichen Ausreisestempeln passierten wir erneut zu Fuß eine Grenzbrücke und waren erneut in einer anderen Welt. Zwar war es auch in Villazon (Bolivien) kalt, trotzdem hatten wir das Gefühl hier sei vieles ganz anders. Die Menschen, die Häuser, das Gefühl. Bald schon saßen wir im nächsten Bus, diesmal nach Tupiza, dem eigentlichen Ziel dieser Etappe. Keine 3 Stunden später erreichten wir diesen fast malerischen Ort auf knapp 3000 Metern Höhe und checkten in unser erstes Hostel seit langem ein. Allerdings war das Zimmer noch nicht bezugsbereit und so suchten wir zunächst Geld und etwas zum Essen. Ein sehr freundlicher alter Mann machte uns auf einen Comedor, eine Art kleine, private Mensa aufmerksam, die wir sogleich aufsuchten und für etwa 1,5 Euro ein köstliches 4 Gänge Menü erhielten.
Zurück im Hostel war es dann nach 102 Stunden endlich einmal wieder Zeit meine Schuhe ausziehen. Eine angenehme und bitter nötige Dusche später waren wir wieder fit und erkundeten den Ort auf der Suche nach Aktivitäten. Der Tourismus hat hier zweifellos seine Spuren hinterlassen, aber ich würde Tupiza trotzdem (noch) nicht als Touristenhochburg bezeichnen. Die Häuser im Zentrum machen einen soliden Eindruck, die Straßen sind sauber, die Menschen freundlich und die Märkte wundervoll. Allerdings war der Weg zum Mirador (Aussichtspunkt) am Cerro Corrazon de Jesus gar nicht ausgeschildert und wir brauchten 3 Anläufe um den Weg zu finden. So verpassten wir auch den Sonnenuntergang, die Berge rund um die Stadt leuchteten aber trotzdem in allen Farben. Hundemüde fielen wir an diesem Tag bereits um 7 ins Bett und konnten so richtig ausschlafen.

 Tupiza

Am nächsten Morgen holten wir uns auf dem Markt ein sehr leckeres und reichliches Frühstück, schlürften einen warmen Quinuasaft mit Apfel und ich ließ mir 2 neue Löcher in meinen Gürtel stechen, was eine entsetze Reaktion beim Schuhmacher auslöste: ich solle doch mehr essen, so geht das ja nicht!

Nach dem Frühstück wanderten wir los, hinaus aus der Stadt. Zunächst führte uns unser Weg entlang der Bahntrasse nach Villazon, von der man meinen könnte, dass hier seit Jahren kein Zug mehr vorbei gekommen ist. Nach einigem Fragen und Suchen fanden wir dann auch den gesuchten Weg zur Puerta del Diablo, zwei senkrechten Felsplatten mit V-Ausschnitt und erreichten bald auch den Cañon del Inca, eine offensichtlich durch einen Erdrutsch vor längerer Zeit verschüttete Schlucht im Sandstein. Die Landschaft hier sieht aus wie im wilden Westen, bizarre Sandsteinformationen, karge, staubige Ebenen, Dornbüsche, Kakteen und sogar so eine Art Erdpyramiden prägten das Bild. Die Hügel waren aus lediglich über Sand lose zusammengekittetem Kies und verändern wahrscheinlich durch jeden starken Regenschauer ihr Gesicht. Nur der überall herumliegende Müll stört die Atmosphäre. Trotzdem war es am Ende eine sehr schöne Wanderung. 

 Unterwegs in Tupiza


Wir vor der Puerta del Diablo


So was Ähnliches wie Erdpyramiden, die echten gibts natürlich nur am Ritten


Der Canon del Inca

 Die bunten Berge von Tupiza

Und weil wir ja schon Erfahrung im Busfahren hatten nahmen wir auch gleich den nächsten Nachtbus weiter in die Bergbaustadt Potosi. Diese etwa 7-stündige Fahrt entpuppte sich als die ungemütlichste im bisherigen Reiseverlauf. Nicht nur, weil uns ein recht unangenehmer Geruch aus dem vollbesetzten Bus entgegen wehte und das Baby vor uns offensichtlich Spaß daran hatte mit pausenlosem Geschrei und Gequängel nicht nur seine Eltern sondern den halben Bus zu nerven, sondern auch, weil die Sitze dermaßen komisch geformt waren, dass man nur im Hohlkreuz sitzen bzw. liegen konnte und die Straße doch eher holprig war. Wir überlebten es trotzdem und konnten in Potosi sogar noch bis nach dem Sonnenaufgang im relativ warmen Bus warten.

Potosi ist eine Stadt mit Geschichte. Nachdem 1545 im Cerro Rico Silber gefunden wurde legten die Spanier an dessen Fuß auf über 4000 Metern Seehöhe die höchstgelegene Stadt der Welt an. Millionen einheimische und afrikanische (die aber wegen der Höhe meist schnell zu Grunde gingen) Sklaven schufteten daraufhin für über 250 Jahre unter unvorstellbaren Bedingungen in den Minen und sicherten somit die Weltmachtstellung Spaniens. Zeitweise war Potosi die größte Stadt Lateinamerikas und mit europäischen Hauptstädten wie Paris und London vergleichbar. Nach der Unabhängigkeit änderte sich an den Bedingungen in den Minen wenig, außer dass die Bergleute keine Sklaven mehr waren und „freiwillig“ in den Berg hineingingen. Heute sind die Silbervorkommen größtenteils erschöpft und der Berg um etwa 500 Meter niedriger als zu Beginn des Bergbaus. Trotzdem arbeiten heute noch 4000 bis 5000 Quechua-Männer unter mittelalterlichen Bedingungen in über 30 kooperativ organisierten Gesellschaften auf der Suche nach Silber, Zink, Kupfer und anderen Erzen. Einzig das Kauen von Kokablättern lässt die Kumpel diese harschen Arbeitsbedingungen ertragen. Viele haben einen dicken Knödel in der Wange.

Nachdem uns ein Bus ins Stadtzentrum gebracht hatte suchten wir gleich eine Agentur auf, die Minentouren anbietet, denn das wollten wir uns natürlich anschauen. Um 9 gings dann los Zunächst bekamen wir ein minentaugliches Übergewand und fuhren auf den Markt der Minenarbeiter, wo wir Geschenke für die Arbeiter (Alkohol, Zigaretten, Saft, Kokablätter und Dynamit) kauften und uns unser Führer, der selbst kurz in den Minen gearbeitet hatte, über ein paar Bräuche aufklärte. So versammeln sich die Arbeiter zum Beispiel jeden Freitag in den Minen beim tíó einer Götzenfigur mit großen Augen und großem Penis, trinken 96%igen Alkohol und bitten ihn, er möge gnädig sein. Der tió wird seit der Kolonialzeit in den Minen verehrt und symbolisiert den Teufel. Eigentlich kommt das Wort vom spanischen dio für Gott, da in der Sprache der Quechua der Buchstabe d aber nicht vorkommt wurde daraus tió. Seine teuflische Gestalt bekam er wohl dadurch, dass die Spanier für die Sklaven in den Minen regelrechte Teufel gewesen sein müssen. Zu besonderen Anlässen wird dem tió auch ein getrockneter Lamafötus geopfert, damit er dieses frisst, anstatt sich einen Minenarbeiter bei einem der zahlreichen Unfälle und Einstürze zu holen.
Auch wir probierten einen Schluck vom 96%igen Gesöff. Bevor man selbst in den „Genuss“ kommt werden die ersten Tropfen traditionell der Pachamama, Mutter Erde, geopfert, was den Vorteil hat, dass wenn man es richtig macht nicht mehr allzu viel in der Verschlusskappe übrig war. Geschmacklich zählte der edle Tropfen nicht unbedingt zu den Höhepunkten, aber er brannte auch weniger als erwartet, da das meiste bereit s beim ersten Kontakt mit dem Mund verdampfte.

Die Minentour war recht spektakulär. Ausgerüstet mit Helm und Stirnlampe (wobei sich meine nicht am Helm befestigen ließ) gingen wir durch einen belüfteten Hauptstollen in den Berg. Größtenteils mussten wir gebückt gehen, da selbst dieser wichtige Schacht selten hoch genug für uns war. Nach einiger Zeit verließen wir aber diesen Stollen und es wurde schlagartig wärmer. Teils gebückt, teils kriechend bewegten wir uns vorwärts, besuchten den tió, dem wir eine Zigarette opferten und tauchten immer tiefer in den Berg ein. An den Wänden schimmerte Asbest, die Luft war stickig und schlecht. Schließlich erreichten wir eine Höhle wo zwei schlacksige Männer große und kleine Erzbrocken in Kübel schaufelten, die dann mit einem Aufzug 2 Etagen höher gezogen und von dort ins Freie befördert wurden. Wir brachten unsere Geschenke an und machten uns auf in Richtung Ausgang. An einer Kreuzung kam uns ein Wagon voller Erz, geschoben bzw. gezogen von 3 Arbeitern aus einem anderen Tunnel entgegen. Die eher provisorisch wirkenden Schienen, die in den Hauptstollen verlegt waren hatten wohl schon einiges mitgemacht und für die Kreuzung stand sowieso nur eine längere Stange zur Verfügung, die je nach gewünschter Richtung als Weiche entsprechend hingelegt wurde. Als die Arbeiter den Wagon über besagte Stange zu schieben versuchten entgleiste dieser dann auch gleich. Es bedurfte viel Anstrengung und der Mithilfe eines Hilles um den schätzungsweise 2 Tonnen schweren Wagon wieder auf die Spur zu bringen. Nach insgesamt etwa 2 Stunden unter der Erde erreichten wir wieder den Ausgang und waren froh endlich wieder den Himmel zu sehen bzw. aufrecht stehen zu können. Die Anstrengungen, die diese Kumpel jeden Tag für 8 bis 10 Stunden ertragen müssen sind wirklich bemerkenswert und die gesundheitliche Belastung enorm. Nicht wenige der Arbeiter erkranken bereits nach wenigen Jahren an Asbestose oder anderen Formen von Staublungen. Eine Versicherung für derartige Erkrankungen gibt es nicht.

Unser Guide mit Dynamit am Markt der Minenarbeiter


 Die Minen mit Potosi im Hintergrund

Der Eingang in den Berg

Wir mit dem tió
 
So eng wars manchmal, ein Glück dass ich etwas abgenommen hab :-)

Ein minero bei der Arbeit. In seiner Wange kann man einen Knödel aus Kokablättern erkennen. Nur so lässt sich die Arbeit aushalten, sagt man.

Eine kleine, aber lustige Anekdote am Rande: als wir in Tupiza mit einem durchaus als kettenrauchend zu bezeichnenden Holländer über die Minen in Potosi sprachen meinte dieser mit Zigarette in der Hand, er würde niemals in die Minen gehen, denn dort gibt es überall Asbest :-) Das Gesundheitsbewusstsein mancher Menschen ist anscheinend ziemlich irrational.

Den Rest des Tages, es war ja erst Mittag, verlebten wir eher ruhig, aßen am Markt und schauten uns etwas das Stadtzentrum an. Besonders viel gibt es nicht mehr zu sehen, da die Stadt ihre besten Zeiten bereits lange hinter sich hat. Am Morgen des nächsten Tages begaben wir uns in Richtung Busbahnhof. Unterwegs bekamen wir unser bisher schrägstes Essen. Eine Quechua-Frau verkaufte auf der Straße Snacks. An sich nichts Außergewöhnliches und wir hatten Hunger also fragten wir was sie denn so habe. Wir beide verstanden die Antwort als irgendwas mit papa (Kartoffel), also bestellten wir und eines dieser Teile. Als wir es dann in der Hand hielten machte es aber eher den Eindruck eines frittierten Hühnchens. Na gut, auch nicht so schlimm. Als wir dann aber reinbissen, entdeckten wir ein ziemlich eindeutiges Kniegelenk, was für Hühnchen doch eher unüblich ist. Je mehr Panier in unseren Mägen verschwand, desto seltsamer wurde die Geschichte. Am Ende glaubten wir einen Huf entdeckt zu haben und sind heute der Meinung einen Babylamafuß gegessen zu haben, aber ganz sicher sind wir uns nicht. Und besonders viel Fleisch war auch nicht dran, eher Fett und Knorpel. Nichtsdestotrotz waren wir um eine Erfahrung reicher, beschlossen aber uns nun doch eher salteñas (gefüllte Teigtaschen) zuzuwenden. :-) Gegen Mittag bestiegen wir einen alten, klapprigen, vollbesetzten Bus, für den wir viel zu viel bezahlten, in Richtung Uyuni, unserem nächsten Ziel.