Donnerstag, 21. Juli 2011

Das heilige Tal der Inka


Am 23. Juni wollten wir uns das heilige Tal der Inka ansehen, auf eigene Faust natürlich. Bereits in Ollantaytambo aber, wo wir die Nacht verbracht hatten (in einem Hostal, das genauso hieß wie der neue peruanische Präsident und Hoffnungsträger), stießen wir auf erste Stolpersteine. Anscheinend hatten wir nicht fleißig genug studiert, denn unsere Studentenausweise brachten uns des Alters wegen keine Ermäßigung und weil wir uns nicht das teure 10 Tage gültige Touristenticket leisten wollten (wir hatten ja nur einen Tag) standen wir vor dem Problem was nun zu tun sei. Wir überlegten lange und entschieden uns dann das zwei Tage gültige Ticktet für das heilige Tal zu kaufen (zum Normalpreis). Damit konnten wir zwar theoretisch 4 Stätten besichtigen aber mit öffentlichen Bussen war das nicht realistisch. Was uns aber mehr störte war, dass die Ruinen in Cusco, wo wir am Abend hin wollten nicht inkludiert waren. Am Ende war aber alles halb so schlimm, denn mehr als 2 Ruinenanlagen schafften wir eh nicht.

Wir begannen in Ollantaytambo, wo am westlichen Ortsende antike Terrassen den Hügel hinauf klettern. Oben wurden wir für die Strapazen des Aufstiegs (wir waren immerhin auf über 2800 Metern) mit einem verfallenen Tempel und einem wundervollen Blick auf das kleine, nett hergerichtete Dorf belohnt, das angeblich schon von den Inka errichtet wurde. Die Anlage entpuppte sich in der Folge als wesentlich größer als zunächst gedacht und setzte sich lange entlang des Hügels Richtung Norden fort. Wir sahen alte Tempelruinen, allerlei sakrale Stätten und mit Bewässerungssystem ausgestattete, künstlich angelegte Felder.

Die Terrassen von Ollantaytambo hinauf zum Tempel

Ollantaytambo von oben

Das heilige Tal in Richtung Westen. In dieser Richtung liegt Machu Picchu.

Hille bei den Ruinen oberhalb der Terrassen

Nochmal von der Seite vor beeindruckender Bergkulisse

 Kleines, hübsches Seitental in Richtung Norden

Es war schon fast Mittag als wir einen Kleinbus bestiegen, der uns nach Urubamba bringen sollte. Das Fahrzeug war mit etwa 15 Sitzplätzen ausgestattet, zu Spitzenzeiten zwängten sich aber 19 Personen in dieses Gefährt von der Größe eines VW-Busses. Es war sehr interessant zu beobachten, wie der Fahrer den Bus auch in überfülltestem Zustand noch anhielt um weitere Fahrgäste mitzunehmen, die dann stehend, aber gebückt und sich irgendwie festhaltend in den Genuss einer Mitfahrgelegenheit kamen. Halb voll gibt’s nicht.

In Urubamba stiegen wir in einen richtigen Bus um. Auch dieser füllte sich nach der Abfahrt recht schnell und bald war selbst der Gang voller Menschen. Wir fuhren etwas mehr als eine Stunde bis wir Pisac, unser zweites Ziel erreichten. Ein gemütliches, gutes Almuerzo (Mittagsmenü) war nötig um uns Kraft für den Nachmittag zu geben. Zunächst besuchten wir den viel gepriesenen Markt des Dorfes, der sich als normaler artesania (Kunsthandwerk)-Markt mit stark touristischem Einschlag heraus stellte. Hier trafen wir zufällig Maya, die wir beim Couchsurfen in La Paz kennengelernt hatten, wieder und plauderten kurz, bevor wir uns über den steilen, mit hohen Stufen übersäten Weg hinauf zu den Ruinen begaben, die hoch über der Stadt thronten.

Irgendwie müssen die Inka etwas weich in der Birne gewesen sein, denn anstatt im flachen, fruchtbaren Tal zu siedeln, bauten sie lieber die steilsten und höchsten Hänge voll. Die lange Wanderung nach Machu Picchu vom Vortag lag uns noch in den Knochen und so brauchten wir etwas über eine Stunde bis wir endlich die Mauern der ersten Sakralbauten erreichten. Unterwegs erleichterte uns ein Flötenspieler mit seinen Melodien den Aufstieg, war aber dann etwas enttäuscht als wir ihm keine der Flöten abkaufen wollten. Endlich oben, breitete sich fast senkrecht unter uns das Städtchen Pisac aus, ein beeindruckender Anblick.

 Blick auf Pisac von den Ruinen aus

Eigentlich dachten wir, bald wieder absteigen zu können, doch wie bereits in Ollantaytamblo stellte sich auch diese Anlage als wesentlich größer heraus als vermutet. Entlang des Bergkamms entdeckten wir eine Ruine nach der anderen. Bald erreichten wir den Tempel, an dem - mal wieder - die Sonne angebunden ist, sahen aber stets neue Wege, die weiter nach hinten führten. Eigentlich waren wir schon etwas geschlaucht, aber die Neugier trieb uns weiter voran. Der Weg führte entlang des sehr steilen Bergrückens, durch einen kleinen Tunnel weiter zu immer neuen, gut erhaltenen und/oder restaurierten Gebäuden, Wohnbereichen und Militäreinrichtungen. Am Ende erreichten wir einige zeremonielle Bäder und konnten jene Felswand sehen in die, in unwegsamsten Gelände, hunderte Löcher als Gräber für wichtige Mitglieder der Inka-Gesellschaft gebohrt wurden. Man könnte hier ganze Tage verbringen und immer wieder etwas Neues entdecken.

Der Tempel (oder was davon übrig ist) wo die Sonne angebunden ist
 
Es wurde bereits langsam dunkel, als wir mit dem Abstieg begannen. Wir wählten einen etwas anderen Weg um, wie sollte es anders sein, an weiteren Ruinen, dieses Mal so etwas wie ein kleines Dorf, vorbei zu kommen.

Die letzten Ruinen für den Tag auf dem Rückweg

Am Ende war die Nacht schneller als wir und als wir endlich wieder in der Zivilisation ankamen, war es bereits stockdunkel. Es war nicht immer leicht bei eingeschränkter Sicht über die unregelmäßigen, steilen Stufen hinunter zu klettern, aber weil wir ja mittlerweile bergerprobt sind, schafften wir auch das.

Glücklicherweise sind die Busverbindungen in der Gegend ausgezeichnet, weswegen es keine 10 Minuten dauerte, bis wir im Bus zurück nach Cusco saßen. Gegen 20 Uhr kamen wir dort an und gingen sogleich in Richtung des eigentlich ungeliebten Hostels. Unterwegs kamen wir an der Plaza San Francisco vorbei und waren doch etwas über die Menschenmassen erstaunt, die sich dort entlang von unzähligen Zelten Speis und Trank hingaben. Zwar hatten wir nicht allzu großen Hunger, aber das kulinarische Angebot verleitete uns dann doch zu einer Kostprobe. Die am freundlichsten schauende Frau bekam den Zuschlag, denn überall wurde exakt dasselbe angeboten. Wie wir dann bald erfuhren feierte man an diesem 23. Juni das Fest von Corpus Cristi (wohl Fronleichnam oder so), welches zwar religiösen Ursprungs ist, aber in Anbetracht von Art und Menge der konsumierten Getränke etwas zweckentfremdet wurde. Wir bekamen, was alle anderen auch aßen, einen Turm voller kaltem Fleisch. Was wir eindeutig identifizieren konnten waren Seealgen, zwei Stücke von einem Huhn, ein Viertel Meerschweinchen (hat mich nicht unbedingt überzeugt, Anja schon), ein Stück Schaf oder Lamm, ein sehr fettiger Kartoffelpuffer und gerösteter Mais, außerdem gab es noch ein Stück einer Art Leberwurst, ein weiteres Stück einer anderen Wurst, etwas, das wie Fischeier aussah und auch eindeutig aus dem Meer kam und noch ein paar schwer zu identifizierende Dinge. Rein geschmacklich jetzt nicht unbedingt das Beste was wir je gegessen haben, aber trotzdem interessant.

Im Hostel erlebten wir dann eine unangenehme Überraschung, die wir eigentlich schon ein bisschen erwartet hatten. Eine sehr betrunken und/oder stoned wirkende Frau (angeblich die Tochter der Besitzerin) meinte, es gäbe keine Zimmer mehr. Dass wir erwiderten, dass wir ja extra mit der Besitzerin am Tag unserer Abreise gesprochen hätten, diese ganz genau wissen wollte, wann wir zurück kommen und wir deshalb eigentlich schon der Meinung waren eine Reservierung zu haben hatte wenig Einfluss auf die Auslastung des Hostels und so machten wir uns etwas verärgert einerseits, andererseits auch froh nicht noch eine Nacht in dieser Unterkunft verbringen zu müssen, gegen 21 Uhr abends, am Tag vor dem wichtigsten Fest des Jahres, auf Unterkunftssuche.
Etwa fünf Minuten später hatten wir dann auch schon eine, zwar ein klein wenig teurer, dafür aber wesentlich besser. Von wegen lieber lonely planet, um diese Zeit kann es leicht sein, dass alles ausgebucht ist…

Der 24. Juni ist der Tag des Inti Raymi, des alten Inkafestes zur Sonnenwende. In Cusco ist das eine große Sache und weil wir nun mal schon da waren schauten wir es uns auch an. Das Fest hat drei Hauptmomente, wo Inkazeremonien nachgestellt werden: die Begrüßung der Sonne früh am Morgen bei der Stätte Qorikancha, dann ein paar Tanzaufführungen am Hauptplatz und schließlich die Hauptzeremonie in den Inkaruinen von Sacsayhuamán oberhalb der Stadt. Weil wir uns mit dem Aufstehen etwas schwer taten, verpassten wir auch gleich die erste Zeremonie, schauten aber kurz am Plaza de Armas vorbei. Allerdings hatten wohl mehrere Menschen diese Idee, weshalb wir von dem Getanze kaum etwas sahen und bald beschlossen, gleich zum Sacsayhuamán hinaufzusteigen. Gegen halb 12 erreichten wir die Wiese, die als Tribüne für das gemeine Volk diente, zwei Stunden vor Beginn der Zeremonie. Leider war das schon etwas spät und so bekamen wir nicht die besten, aber akzeptable Plätze. Besser als 100 US-Dollar für einen Platz auf der Tribüne zu zahlen, dachten wir. Pünktlich um halb zwei Begann der Einzug von Dutzenden von Kriegern, Priestern und sonstigen bunt, üppig oder spärlich bekleideten Darstellern und die friedvolle Atmosphäre auf dem Hang begann sich rapide zu verändern.

Der Einzug der Teilnehmer an der Zeremonie...

 ... vor sehr zahlreichen Zuschauern und mit originalen Ruinen und Cusco im Hintergrung

Die Wiese, auf der hunderte Menschen auf dem Boden saßen war zwar leicht abschüssig, aber zu wenig, um allen Leuten gute Sicht auf den Zeremonienplatz zu ermöglichen. Logische Folge war, dass zahlreiche Menschen aufstanden und versuchten über die Köpfe der Vorderleute hinweg zu fotografieren. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Menschen weiter hinten noch weniger als zuvor sahen, was denen nicht unbedingt gefiel. Nachdem zahlreiche „Sientate!!!“-Rufe unerhört blieben, begannen bald Orangenschalen, leere Plastikflaschen, Müllsäcke und sogar Steine nach Vorne zu fliegen. Das wiederum wurde von den Menschen weiter vorne nicht unbedingt gut geheißen und so flogen auch zahlreiche Gegenstände wieder zurück. Wir beobachteten das Spektakel aus sicherem Abstand, denn interessanterweise regten sich nur die Leute auf der linken Seite der Wiese auf, rechts, wo wir zunächst saßen, dann standen, war es dagegen ganz ruhig. Besonders interessant war zu beobachten, wie manche Frauen, die wohl erst seit Kurzem (vermutlich durch Heirat) in die Mittel- bzw. vielleicht sogar untere Oberschicht aufgestiegen waren – ein Typ Mensch, der uns der spärlich ausgeprägten Manieren wegen im Verlauf der Reise bereits des Öfteren aufgefallen war – ihren kleinen Kindern Steine in die Hand drückten, damit diese sie nach vorne werfen konnten. Ich vermute diese Art von Erziehung dürfte manch einem Pädagogen sauer aufstoßen.

Wie dem auch sei, die Zeremonie blieb recht unbeeindruckt von diesen Ereignissen und nach einigen Minuten beruhigte sich die Situation auch wieder. So konnten wir mit ansehen, also hauptsächlich ich, weil Anja leider keine 1 Meter 90 groß ist, wie zahlreiche Schauspieler zu Trommelrhythmen tanzten und sich schließlich sternförmig um einen Altar hinsetzten, von dem aus der große Inka und weitere wichtige Teilnehmer recht langatmig zum Volk sprachen und allerlei Dinge beschworen. Das Ganze war recht interessant, leider waren aber die Tonqualität und/oder unsere Quechua Kenntnisse nicht besonders gut und wir verstanden gar nix. Es dauerte auch nicht allzu lange bis sich die Menschenmassen etwas lichteten (viele hatten wohl keine Lust gar nix von dem Spektakel zu sehen) und wir bessere Plätze bekamen. 

Die Teilnehmer stellen sich auf...

 ... bevor der große Inka (vorne links auf dem Alter) zum Volk spricht

Nach langen zwei Stunden in der prallen Sonne war der Spuck dann vorbei und wir machten uns zusammen mit Tausenden anderen Zuschauern auf den Weg zurück in die Stadt, was am Eingang zu den Ruinen zu einem ziemlich unangenehmen Gedränge und Stau führte.

 Die Massen verlassen das Spektakel. Im Hintergrund die zickzackförmigen Mauern, die sich der Inka Pachachutec als Zähne eines Pumas vorgestellt hatte dessen Körper die Stadt und dessen Kopf die Festung Sacsayhuamán sein sollten.

Den Abend verbrachten wir dann, erschöpft von den Anstrengungen der letzten Tage ruhig und entspannt, genehmigten uns ein leckeres Abendessen in unserem Lieblingsrestaurant und gingen früh ins Bett, denn schon am nächsten Tag führte uns unser Weg weiter nach Norden.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Cusco und Machu Picchu für Geizhälse


Früh am Morgen des 20. Juni erreichten wir Cusco, die Stadt mit der meisten Geschichte des Kontinents. Die Busfahrt war recht angenehm, dauerte allerdings 14 statt der üblichen 7 Stunden, weil die normale Route blockiert war (das kennen wir ja schon) und ein anderer, längerer und staubiger Weg genommen werden musste. Zum Einschlafen bekamen wir außerdem den Film „Splice“ serviert, der nicht unbedingt sein hätte müssen. Es geht um 2 Biologen, die die DNA von verschiedenen Lebensformen und Menschen mischen und eine (gruselige) Kreatur erschaffen, mit der sie am Ende freiwillig bzw. unfreiwillig Sex haben (sie ändert nämlich ihr Geschlecht) und die dann alle umbringt. Vor dem Schlafen haben wir sowas echt ungern und weil der Film natürlich entsprechend laut war konnte mich nicht einmal blog schreiben richtig ablenken. :-)

Cusco ist groß, laut und alt. Die meisten Gebäude im Stadtzentrum stammen noch aus der Kolonialzeit, haben meterdicke Wände und sind dementsprechend kühl. Und genau in so einem Haus landeten wir nach einem langen Fußmarsch vom Busbahnhof. Über couchsurfing hatten wir eine Adresse erhalten, wo wir dann aber ein normales Hostel vorfanden mit 2 Schlafsälen, die etwas günstiger (für die couchsurfer), dafür aber viel mieser waren. Ein echter Reinfall und sehr enttäuschend für uns. Wir wollten aber nicht mehr weiter und so blieben wir trotzdem eine Nacht dort, nahmen uns aber für ein wenig mehr Geld ein Doppelzimmer mit Bad, was vom Preis-Leistungsverhältnis die wesentlich bessere Wahl war.

Gegen Mittag und nach einer bitter nötigen Dusche gingen wir los um die Stadt zu erkunden. Ganz in der Nähe fanden wir ein ausgezeichnetes kleines Restaurant mit einer sehr netten Besitzerin, die uns ein wunderbares Mittagessen servierte. Danach war unsere Laune wesentlich besser und wir schlenderten etwas durch die Altstadt. 

Cuscos Altstadt von oben

 Plaza de Armas mit der Iglesia de la compañia de Jesus

Außerdem machten wir uns auf die Suche nach einer Möglichkeit nach Machu Picchu zu kommen. Diverse Agenturbesuche und Angebote von Promotern auf der Straße später beschlossen wir, die aberwitzigen Preise nicht zu bezahlen und auf eigene Faust hin zu fahren. Lieber wollten wir weniger Geld zahlen und etwas umständlich fahren, als dass wir uns den irrational teuren Zug nach Aguas Calientes (den Ausgangspunkt für Machu Picchu) leisten, der noch dazu einem britisch-chilenischen Unternehmen gehört. So konnten wir zumindest sicher sein, dass unser Geld nicht im Ausland landet.

Früh am nächsten Morgen setzten wir unseren Plan in die Tat um. Wir holten uns ein paar Vorräte vom Markt und gingen zum Santiago-Busbahnhof wo die Minibusse nach Santa Maria abfahren. Es war kurz nach halb 8 als wir unser Ticket kauften und versprochen bekamen, dass der Minibus um 8 losfahren würde. Um halb 9 war das Auto dann voll genug, dass es endlich losgehen konnte. Nun sehen Minibusse in Ländern außerhalb Europas gelegentlich etwas anders aus, als dass sie europäischen Sicherheitsstandards entsprechen würden. Unserer, japanischer Bauart, wurde wahrscheinlich etwas umgestaltet, denn der Kofferraum fehlte ganz, dafür gab es statt der normalen zwei Sitzreihen drei mit jeweils zwei fixen und einem aufklappbaren Sitz in der Mitte.
Unsere Sitze waren in der letzten Reihe, dementsprechend schlecht sah es mit der Beinfreiheit aus. Die Situation war allerdings noch erträglich, da zu Beginn der Fahrt der mittlere Sitz vor mir noch hochgeklappt war. Das änderte sich als nach einer halben Stunde noch eine Frau zustieg und jenen Sitz in Anspruch nahm. In Urubamba gab es dann mehrere zu- und aussteigende Fahrgäste und der Fahrer meinte mir einen Gefallen zu tun indem er einen Zusteiger auf dem bis dahin leeren Sitz neben mir platzierte und den mittleren Sitz vor mir dafür wieder hoch klappte. Das verbesserte die Situation nur bedingt, denn nun hatte ich zwar Platz für meine Füße aber keinen mehr für meinen Hintern und meine Schultern. :-) Während der Fahrer aber zumindest bemüht war mir mehr Komfort zu verschaffen wurde Anja gar nicht beachtet und musste während der gesamten 4 stündigen Fahrt schräg sitzen.

Generell fällt es uns schwer ein positives Wort über den Fahrer zu verlieren. Offensichtlich scheinen Führerscheinprüfungen in Peru nicht die größte vorstellbare Herausforderung zu sein, denn der Ritt nach Santa Maria war ein eher ruppiger. Kurz nachdem wir Ollantaytambo, den Startpunkt für den Zug nach Aguas Calientes passiert hatten bog die Straße scharf nach rechts und ging steil und kurvig bergauf. Zwar sparte der Fahrer nun nicht an Geschwindigkeit, tat sich dafür aber umso schwerer den richtigen Bremspunkt vor einer Kurve zu finden, weswegen, um es höflich zu formulieren, die Fliehkräfte innerhalb des Vehikels das eine oder andere Mal um die eine oder andere Größenordnung größer war als nötig. Die Fahrt bergauf war nun aber noch der bessere Part dieser Reise. Kaum hatten wir den Pass passiert ging es ähnlich steil und kurvig bergab, was den kleinen Nachteil hat, dass das Auto, sollte es außer Kontrolle geraten nicht etwa von alleine stehen bleibt, wie beim bergauf fahren, sondern generell eher noch beschleunigt. Es gab die eine oder andere Gelegenheit, wo wir das Gefühl hatten, das Auto fährt eher mit dem Fahrer als umgekehrt. Einmal kamen wir gar kurz ins Schleudern. Anjas Magen erfreute das ständige Herumreißen des Lenkrades und das unkontrollierte Bremsen auch nicht unbedingt.Wir waren daher froh, als die asphaltierte Straße einer noch unbefestigten wich und zahlreiche Baustellen für eine natürliche Temporeduktion sorgten.

Abseits vom Fahrstil des Chauffeurs erregten die kleinen Dörfchen entlang der Straße unsere Aufmerksamkeit. Sie wirkten heruntergekommen, verarmt und trist. Zwar wird die Straße, die sie mit Cusco verbindet gerade saniert und hergerichtet, dennoch hatten wir nicht das Gefühl, dass Aufbruchsstimmung in diesen Örtchen herrschen würde und das, obwohl sie gerade einmal wenige Kilometer Luftlinie von Machu Picchu, der größten Attraktion des ganzen Landes entfernt lagen. Irgendwie machte uns dies traurig und besorgt. Wo geht das ganze Geld, das der Tourismus dieser Region bringt hin?

Endlich in Santa Maria angekommen stiegen wir aus und saßen zwei Minuten später bereits im nächsten Auto, dieses Mal einem Sammeltaxi, das uns nach Santa Teresa weiter bringen sollte. Die Strecke führte über eine spektakuläre Straße ein Tal hinauf. Zum Glück war dieses Mal der Fahrer seines Arbeitsgerätes mächtig, denn angesichts der Straßenbreite und des Abgrunds der sich auf der linken Seite auftat, hätte jeder Fahrfehler schnell zum Desaster führen können. Wir fühlten uns stark an die deathroad erinnert. Aber trotz der steilen Hänge und der Unwägbarkeit des Geländes, war auch dieses Tal bewohnt. Immer wieder sahen wir einfache Hütten auf der anderen Talseite, umgeben von Feldern, die mühsamst dem steilen Gelände abgerungen wurden und überall gab es Wege, die sich in die steil abfallenden Bergrücken gruben. Unbeschadet erreichten wir Santa Teresa, wo wir nach dem späten Mittagessen zum letzten Mal in ein weiteres Sammeltaxi umstiegen. Dieses brachte uns zu einem Wasserkraftwerk, dem hidroelectrica, ein weiteres Stück talaufwärts, welches die ganze Region um Cusco mit Strom versorgt. Von dort aus ging es zu Fuß weiter. Zwar fährt von dort auch ein Zug nach Aguas Calientes, denn Straße in den Ort gibt es keine, aber auch den wollten wir uns nicht leisten.

So gingen wir samt Gepäck – aufgrund von erfrischenden Erfahrungen in der Vergangenheit hatten wir unsere warmen Sachen unnötigerweise eingepackt – den Schienen entlang durch ein malerisches Tal. Bald überholte uns der Zug, was uns aber nicht weiter störte, denn es war wirklich eine schöne Wanderung. Wie wir erst am nächsten Tag heraus fanden, waren wir unserem Ziel schon wesentlich näher als gedacht. In Wirklichkeit umrundeten wir die sagenumwobene Inkastadt an diesem Tag fast zur Gänze ohne es zu merken. Nach einiger Zeit gesellte sich Walter, ein sehr netter Einheimischer, der ein Restaurant entlang der Zugstrecke besitzt zu uns und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte uns allerhand über das Tal, den Tourismus und wie schlimm es in Aguas Calientes sei. Er war gerade unterwegs zum einkaufen für sein Restaurant und arrangierte uns gleich eine Unterkunft für die kommende Nacht. Es wurde bereits dunkel als wir Aguas Calientes erreichten. Früh gingen wir an diesem Tag ins Bett, denn wir wollten früh morgens bereits den Hügel auf dem Machu Picchu liegt in Angriff nehmen.

Der Weg entlang der Eisenbahnschienen...

 ... durch ein wunderschönes Tal. Hier fotografierten wir bereits ohne es zu wissen Machu Picchu oben auf dem Hügel zwischen den zwei Bergspitzen

Es war etwa 23 Uhr als ich plötzlich aus dem Schlaf hochfuhr. Wir hatten vergessen uns ein Ticket für Machu Picchu zu kaufen!! So was Ärgerliches. Damit war die Chance, eines der 400 Tickets, die das Besteigen des Huayna Picchu, den Berg über der Stadt, ermöglichen futsch. Denn das Ticketbüro in Aguas Calientes öffnete erst um 5 Uhr morgens und weil die Arbeitsmoral auch in Peru nicht immer unbedingt europäisches Niveau erreicht dauerte es bis dreiviertel 6 bis wir endlich unser Ticket hatten und los wandern konnten. Zu diesem Zeitpunkt waren aber auch schon die ersten Busse hinauf zu den Ruinen unterwegs (ja, es gibt keine Straße nach Aguas Calientes, aber von dort zu den Ruinen fahren Busse, die mit dem Zug herangeschafft wurden) und brachten massenhaft Leute hinauf.

Der Weg war steil, schweißtreibend und lang. Wir hatten unser Gepäck mitgenommen, weil wir anschließend gleich zurück zum Wasserkraftwerk gehen wollten und Aguas Calientes in der anderen Richtung lag. Das machte die etwa 300 bis 400 Höhenmeter hinauf über die unzähligen Stufen aber nicht unbedingt leichter. Wie ich erst später erfuhr, waren wir praktisch schon am Ziel als ich zufällig in meine Hosentasche griff und feststellte, dass die Tickets nicht mehr dort waren, wo ich sie zuletzt gelassen hatte. Fluchend und kopfschüttelnd drehte ich um und lief den Berg wieder hinab auf der Suche nach unseren Tickets. Ich schätze, dass ich knapp die Hälfte des Weges hinunter ging bis ich sie fand. Zurück hinauf war es dann ungleich anstrengender und als ich endlich schweißgebadet oben am Ticketschalter ankam (Anja war inzwischen hinauf gegangen) wurde ich von meiner Herzdame mit den Worten begrüßt: „Ich hab dir eh hinterher geschriehen! Die drucken hier die Tickets neu aus.“ Erstaunlicherweise ärgerte ich mich, ganz untypisch, über die doppelt zurückgelegten Höhenmeter kaum, sondern sah das eher als gutes Training.

Hille findet die Tickets auf dem Weg wieder (Szene nachgestellt)
 
Um 8 Uhr betraten wir dann endlich das Gelände von Machu Picchu. Zu beschreiben wie diese unglaubliche Stätte ist, wäre selbst für mich denkbar schwierig, weshalb ich lieber Bilder sprechen lasse:

Machu Picchu von oben mit dem Huayna Picchu im Hintergrund, den wir allerdings nicht bestiegen

 Das Gleiche nochmal im Hochformat. Man beachte wie unglaublich steil es vorne links in die Tiefe geht und wie das Gelände trotzdem für landwirtschaftliche Terrassen benutzt wurde.

Leider fanden auch geschätzte 2000 andere Menschen (über den Tag verteilt) den Ort unglaublich, was Fotos ohne andere Touristen schwierig machte. Nachdem wir die Stadt etwas auf uns wirken gelassen hatten und uns im lonely planet über Geschichte und Gegenwart der Stätte schlau gemacht hatten, wollten wir den Massen etwas entfliehen und wanderten über einen unglaublich spektakulären Inkaweg hinter der Stadt zur Inkazugbrücke (Puente del Inca). Der Weg windet sich entlang des wahnsinnig steilen Berghanges und wurde wohl von den Inkas als Flucht- und/oder Transportweg verwendet. Jedenfalls startet er ziemlich versteckt. Rechter Hand ging es teilweise mehrere hundert Meter fast senkrecht in die Tiefe und mir wurde teilweise ganz schummrig bei diesem Anblick. Was hat die Inka wohl dazu bewegt hier einen Weg zu bauen? Zu unserer großen Überraschung konnten wir nun auch das Wasserkraftwerk, von dem aus wir gestern gestartet waren sehen. Es lag kaum zwei Kilometer Luftlinie entfernt unter uns und wir begriffen, welch großen Umweg wir machen mussten.

 Die Inkazugbrücke (Mitte unten) mit dem Weg der hin führt. Nach der Brücke geht der Weg übrigens noch spektakulärer weiter entlang einer fast senkrechten Felswand. Für den Touristen ist das allergings (zum Glück) gesperrt. Waren verrückte Hunde diese Inkas.

 Aussicht auf das Wasserkraftwerk Hidroelectrica von der Inkazugbrücke aus. So nah war es in Wirklichkeit (siehe Karte auf dem Blog)

Zurück bei den Ruinen nahmen wir uns Zeit und spazierten durch die Stadt. Wir hatten uns keinen Guide genommen und waren am Ende froh darüber, denn beim heimlichen Zuhören, was diese so erzählten fiel uns die eine oder andere Unstimmigkeit auf. Über die Geschichte Machu Picchus ist so gut wie gar nichts bekannt bzw. erwiesen, dennoch wusste ein Guide, dass die Stadt 1428 gebaut wurde, während ein anderer erklärte sie sei aus Angst vor den Spaniern verlassen worden. Ein weiterer erklärte seiner Gruppe, dass es große und kleine Steine in den Mauren gäbe, damit im Falle eines Erdbebens die kleinen herausfallen könnten, die großen aber bleiben fest und die Mauer hält, was witzig ist, weil ein vierter meinte, die Ruinen würden hier nur noch stehen, weil es in dieser Gegend keine Erdbeben gäbe. So waren wir am Ende glücklich uns selbst ein Bild von der Stadt machen zu können.

Wohnhäuser vor der atemberaubenden Bergkulisse und Sonnenlicht mit dem die Kamera nicht zurecht kommt. 

Hauptheiligtum der Stadt: Intihuatana, der Ort an dem die Sonne angebunden ist. Im Vordergrund die sogennante Sonnenuhr, die aber gar keine ist.

Lama, das wohl für touristische Zwecke in der Stadt lebt

 Das Gefängnis der Stadt

Landwirtschaftliche Terrassen vor dem Abgrund. Durch das Tal ganz unten wanderten wir am Vortag.

Nach etwa 4 Stunden hatten wir dann genug und stiegen den Berg wieder hinab. Auf dem Weg zurück zum Wasserkraftwerk, einmal rund um Machu Picchu herum, machten wir Halt bei Walters Restaurant und gönnten uns ein leckeres Mittagessen. Es war bereits fast 16 Uhr als wir am Kraftwerk ankamen. Wie bestellt wartete dort bereits ein Taxi, das direkt bis Santa Maria fuhr. Allerdings warteten wir noch längere Zeit in Santa Teresa auf weitere Fahrgäste und fuhren noch eine Extrarunde durchs Dorf, weswegen wir erst gegen halb 6 in Santa Maria ankamen. Besonders witzig an der Fahrt war, dass der Taxifahrer erst nach einer halben Stunde merkte, dass eine Frau, der das Warten in Santa Teresa dann zu lang wurde, bereits dort wieder ausgestiegen war. In Santa Maria taten wir uns dann eher schwer weiterzukommen. Der nächste Minibus wäre erst um halb 10 gefahren, aber wir hatten Glück. Eine Touristengruppe kam um kurz vor 18 Uhr in Santa Maria an und deren Minibus fuhr zurück nach Ollantaytambo, jenen Ort zu dem wir wollten. Kurze Zeit später saßen wir in dem Fahrzeug und wurden bis auf den Hauptplatz von Ollantaytambo chauffiert, wo wir gegen 9 ankamen. Erschöpft vom langen Tag nahmen wir gleich das erste Hostel und knüpften nahtlos an unser Schläfchen im Bus an.