Montag, 20. Juni 2011

Uyuni


Unsere Reise zum berühmten Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt begann mit einer langen, unbequemen, aber spektakulären Busfahrt. Von Potosi aus gings 7 Stunden lang über den bolivianischen altiplano. Umgeben von karger, brauner Einöde, teils schneebedeckten Gipfeln, steilen Schluchten, alten Ruinen von Gebäuden und ganzen aufgegebenen Siedlungen und jeder Menge Lamas und Vikuñas tuckerten wir durch die Landschaft auf 4000 Metern Seehöhe. Immer wieder mussten wir die asphaltierte Straße verlassen um die zahlreichen Baustellen und halb fertigen Brücken zu umfahren. Bolivien bemüht sich gerade ziemlich diese Strecke zu modernisieren. Es wurde bereits dunkel als wir in Uyuni, einem Ort der nur mehr wegen dem Tourismus existiert, ankamen. Mitten in der Wüste, umgeben von Nichts ist diese kleine Stadt der Ausgangspunkt für die meist dreitägigen Jeeptouren. Schnell wurden wir angesprochen, ob wir denn eine Tour und eine Unterkunft suchen würden und es dauerte auch nicht lange, da hatten wir ein Zimmer bezogen und eine Tour gebucht, alles schien supi.

Am nächsten Morgen, dem 27. Mai sollte es losgehen. Pünktlich um halb 10 waren wir bei der Agentur. Man hatte uns gesagt, dass es neben uns und Daniel, einem Deutschen, den wir im Bus kennengelernt hatten, noch zwei andere Mitfahrer gäbe und maximal 6 Touristen in einen Jeep gepackt würden. Aber das war gestern. Nun hieß es plötzlich es seien insgesamt 13 Touristen für 2 Jeeps und wir 3 müssten uns mit 5 anderen in ein Fahrzeug pferchen. Zunächst konnten wir das noch nicht ganz glauben, es waren ja bis jetzt auch nur eine 5-köpfige tschechische Gruppe und wir mit Daniel da. Als dann aber die Jeeps ankamen und einer bereits mit 2 Deutschen und 2 Schweizern befüllt war, wurde die Sache plötzlich bitterernst. Die Tschechen setzten sich einfach in den anderen, leeren Jeep und fuhren los, ihnen war ja auch zugesagt worden, sie wären nur zu 5. Sehr rücksichtslos und arschig wie wir fanden. Jetzt waren wir noch zu 7. mit einem Auto wo es in Anbetracht der Größe der männlichen Teilnehmer rein physikalisch schon ziemlich unmöglich gewesen wäre alle Leute unterzubringen. Eine Stunde Streiterei und sehr viel Ärger, vor allem über die äußerst arrogante Chefin der Agentur später opferte sich Daniel und blieb zurück, sodass wir nur noch zu 6. waren. Unbequem wars auf der hintersten Bank trotzdem, aber wenigstens ging es los.

Die Stimmung zu Beginn der Tour war ob der Ereignisse wenig gut, wurde aber bald besser, als wir den Salar betraten. Wenigstens hatten wir mit unserem Guide ziemliches Glück, Edwin war motiviert, kommunikativ und freundlich. Mit über 10.000 km2 ist diese Salzwüste größer als Südtirol, teilweise ist die Salzkruste 7 Meter dick und an seinen Rändern wird auch Salz gefördert. Genau so eine Saline besuchten wir zu Beginn der Tour. Die Menschen türmen das Salz zu kleinen Hügeln auf und warten bis das darin enthaltene Wasser zu Boden gesunken ist. Danach wird das Salz „geerntet“, gereinigt und verkauft. Ein gutes Auskommen haben die Menschen wegen des geringen Preises dennoch nicht damit. Zudem ist der Salar meist von Dezember oder Jänner bis April überflutet, denn der Niederschlag aus der Regenzeit kann nirgends abfließen (sonst wärs ja keine Salzwüste) und bis alles Wasser verdunstet ist dauerts seine Zeit.

Aufgetürmte Salzhaufen zur Salzgewinnung.
 
Als wir weiter fuhren wurden unsere Augen immer größer, unsere Münder immer offener. Den Besuch beim (vermutlich illegal gebauten und nicht besonders ökologischen) Salzhotel wollten wir so kurz wie möglich halten und darum tauchten wir schon bald in die weiße, „brettlebene“ Wüste ein. Nach einiger Zeit blieben wir dann mitten drin, umgeben von Kilometern von Salz stehen um unser technisches Equipment (unsere Kamera) auszunutzen. Da alles so weiß und flach ist kann man hier supi Perspektivfotos machen:





Salzwüste ohne herumblödelnde Anjas und Hilles



Weiter gings dann auf die Isla del Pescado, einem Hügel, der aus der weißen Ebene herausragte und voller uralter Kakteen ist. Man sagt, sie wachsen etwa 1 cm pro Jahr, manche erreichen aber bereits Höhen von 8 bis 10 Metern. Ein wunderschöner Ort auf dem auch eine Handvoll Menschen vom Tourismus lebt und jährlich für ein paar Monate wegen der Überflutung der Wüste (ironisch oder?) von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Die Isla del Pescado mit Kakteen, Salz und Bergen

 Hille küsst Kaktussssss

Wir hier ihr woanders :-)

 Hier bekamen wir auch unser Mittagessen und danach legte sich Anja nochmal für ein paar Fotos aufs Salz, das hier aber wesentlich nasser war als vorher, was sich auch auf Anja und ihre Kleidung niederschlug.

Je später der Nachmittag wurde und je weiter wir fuhren, desto nasser wurde die Salzdecke. Am Ende fuhren wir durch 10 bis 20 cm hohes Wasser (besonders gut fürs Auto), blieben einmal sogar fast stecken. Durch das Wasser und das Licht konnten wir nun nur mehr aufgrund der Schwerkraft oben und unten am Horizont unterscheiden.

Wo ist oben, wo ist unten?

 Sonnenuntergang, schon wieder

Die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden als wir unsere Unterkunft, auch eine Art Salzhotel, am Rande des Salar erreichten. Es war schon recht kühl, daher war der Tee, den wir bekamen auch recht angenehm. Bald gab es dann auch ein sehr reichhaltiges Essen (Suppe und danach Pique Macho). Nur mit unserer Gruppe wurden wir nicht besonders warm.

Tags darauf fuhren wir mit frisch gewaschenem Auto weiter, diesmal auf der Rückbank und nicht mehr ganz hinten :-) Salzwüste gab es keine mehr, dafür andere Wüsten. Von San Juan, unserem ersten Shoppingstop fuhren wir immer weiter leicht bergauf, passierten bald die 4000 Metergrenze, kamen an der Bahnlinie vorbei, die wertvolles Erz von Uyuni nach Calama in Chile und weiter zum Pazifik bringt, konnten den semiaktiven, rauchenden Vulkan Ollagüe beobachteten und besuchten ein paar kleine Seen (Lagunas), die von Boraxablagerungen umgeben waren.

Bahnlinie nach Calama in Chile

Hille pustet Vulkan aus

 Die Lagune an der wir Mittag machten

Am Nachmittag schließlich durchquerten wir die höchstgelegene Wüste der Welt, den Desierto Siloli. Ob es aufgrund der Höhe war oder am Wesen unserer Mitreisenden lag wissen wir nicht, jedenfalls wurden immer lauter immer blödere Lieder angestimmt und der Jeep langsam zu einem Partybus. Die Landschaft konnte einen auch durchaus in euphorische Stimmung versetzen. Es gab praktisch keine Vegetation (und hinter den einzigen Busch bei unserem Rastplatz hatte auch gleich einer hingeschissen), nur Sand, Staub und Felsen. Ein idealer Ort um mit seinem fahrbaren Untersatz Spaß zu haben. Kein Wunder, dass die Rallye Dakar, die ja seit ein paar Jahren in Südamerika stattfindet heuer hier vorbeikommen wird. Der eigentliche Höhepunkt dieser Etappe, der arbol de piedra (Baum aus Stein, in Wirklichkeit aber nur ein Stein der mit etwas Fantasie einem Baum ähnlich sieht), war dann eher mittelmäßig, ich fand die Wüstenlandschaft davor fast spektakulärer. 

El Desierto Siloli

 Der Arbol de Piedra

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch bei der Laguna Colorada, einem weiteren See, der aufgrund seiner Algen bei windigem Wetter in sattem Rot erscheint und in der richtigen Saison tausenden Flamingos ein zuhause gibt. Leider war nicht richtige Saison und wir sahen nur ein paar wenige dieser Vögel aus der Ferne, denn der Wachmann wollte uns nicht bis zum See hinunter lassen. Auf die Frage, warum denn dann so viele Spuren im Sand seien, wenn man eh nicht hinunter darf, antwortete er erschreckend ehrlich: „Das sind die Spuren von den Leuten die kommen bevor wir aufsperren.“ Na supi :-).

Die Laguna Colorada

Bevor wir es uns in unserer noch einfacheren, noch kälteren Unterkunft 10 Autominuten weiter gemütlich machen konnten war noch der Eintritt für den Nationalpark fällig. Offenbar ist man hier kritische Fragen von Besuchern nicht unbedingt gewohnt, denn auf meine Frage hin, ob ich denn eine Broschüre bekommen könnte, reagierten die dort Angestellten jungen Männer zunächst mit einer intensiven, aber erfolglosen Suche nach Infomaterial und schließlich mit Unverständnis als ich meinte, ich würde schon gern wissen wofür ich denn so viel bezahle. Ich glaub die mögen mich jetzt nicht mehr.

Schweinekalt ist wohl die passendste Bezeichnung für die nun folgende Nacht. Die in der Unterkunft arbeitenden Menschen waren auch nicht von der freundlichsten Sorte, denn als ich nachfragte, ob es denn möglich sei den Generator einzuschalten und warum die eine Hälfte des Hauses Strom hat und die andere (unsere) nicht, reagierten sie bereits recht gereizt. Krönender Höhepunkt war das Abendessen, das für jeden Teilnehmer etwa eine Viertelportion Spaghetti vorsah. Ich hatte keine Lust mich nochmal zu beschweren und ließ andere das Erledigen. Das Ergebnis: es gibt halt nicht mehr. Die Erklärung (von Edwin): „Morgen fahren wir auf 5000 Meter hoch, da ist es wichtig nicht zu viel zu Essen sonst kotzt man nur.“ Das Lustigste an dieser eher lächerlichen Erklärung war, das die zwei anderen Gruppen in der Unterkunft genau das gleiche Essen, aber mindestens die doppelte Portion bekamen und sogar etwas übrig ließen. Nach dem Essen pokerten wir die hintersten Sitzplätze im Auto für den nächsten Tag aus. Das Traurige daran war, dass gerade die einzige in der Runde, die noch nie gepokert hatte und oft nicht einmal merkte wie gut oder schlecht ihre Hand war, am Ende die meisten chips oder besser Kokablätter hatte…

Um 5 Uhr früh starteten wir unseren letzten Tag. Zwar ließ es sich im Schlafsack und unter 3 weiteren Decken aushalten, aber das Aufstehen war schon hart. Da half auch der Kokatee nicht wirklich viel. Edwin drängte zur Eile, wir hatten schließlich noch einiges vor. Zur Dämmerung erreichten wir die Geysirfeld Sol de Mañana, auf 5000 Metern Seehöhe. Gleich neben der Straße schoss eine Dampfsäule in den Himmel und lockte zahlreiche Kameras der anderen Gruppen an. Bei genauerem Hinsehen konnte man aber ein Rohr im Boden erkennen, was dem Ganzen etwas die Authentizität nahm. Der warme Dampf war trotzdem supi auf den kalten Händen bei – 10°C. Nicht weit entfernt gab es dann aber echte brodelnde Schwefelfelder mit echtem, stinkendem Dampf. Das Licht und die Atmosphäre waren schon besonders und wäre es nicht so verdammt kalt gewesen, wären wir sicher noch länger geblieben. 

Die Schwefelfelder Sol de Mañana


 Aber es standen auch noch die termas de Polques auf dem Programm, die wir um halb 8 erreichten. Thermen ist eine schöne Umschreibung für das knapp einen Meter tiefe Becken mit warmem Wasser. Zunächst wollten wir gar nicht hinein, weil es erstens auf 4400 Metern recht kalt und das Becken zweitens schon mit Touristen überfüllt war. Schließlich entschieden wir uns aber doch dafür, entkleideten uns bei Minusgraden und tauchten in das wirklich herrliche Wasser ein. Zudem wurden die meisten anderen Touristen bereits zum Frühstück gerufen, sodass es am Ende wirklich entspannend und schön war. Und sogar das Hinausgehen war weniger schlimm als befürchtet. Zwar mussten wir etwas zittern, aber das legte sich bald wieder. Edwin hatte bereits wieder Stress und so blieb das zugegeben reichliche Frühstück doch eher eine Hetzerei. 

So fein warm wars im Wasser, draußen dafür huschi

Der letzte Punkt auf der Tour war die Laguna Verde, ganz in der Nähe der chilenischen Grenze. Aufgrund der nicht unbedingt gesunden bleihaltigen Partikel erscheint dieser See bei Wind in Grün. Leider war es nicht windig und der See auch nicht unbedingt der schönste der Welt und so blieben wir nicht lange. Schon kurz darauf erreichten wir die bolivianische Ausreisestelle, wo uns Edwin absetzte, denn unser nächstes Ziel war San Pedro de Atacama in Chile.

2 Kommentare:

  1. Schaut echt cool aus, dafür muss man ein bischen kälte und weniger Abendessen aushalten können :)

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  2. voll hammer fotos hab ihr da:-) nur weiter so:-)
    lg Tina

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