Sonntag, 12. Juni 2011

Iguacu

Von Buenos Aires ist es quasi nur ein Katzensprung oder 18 Stunden Busfahrt bis zu den gigantischen Wasserfällen des Rio Iguacu, der Argentinien und Brasilien trennt. Aus Gründen, die uns bisher unerklärt blieben, war die Busfahrt in das weiter entfernte Foz do Iguacu auf der brasilianischen Seite der Fälle um 40% günstiger als jene nach Puerto Iguacu auf der argentinischen Seite weswegen wir kurzerhand nach Brasilien fuhren. Im Nachhinein betrachtet ersparten wir uns aber nicht unbedingt viel, da Brasilien wesentlich teurer ist. Um eine weitere Währung reicher machten wir uns also am Mittag des 17. Mai auf die Unterkunftssuche und schon bald checkten wir bei der wirklich herzlichen Laura ein. Diese ständig gut aufgelegte und lachende alte Dame besuchte in ihrem Leben bereits 67 Länder, wie sie uns des Öfteren in einer Mischung aus Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Englisch erzählte.
Noch am selben Tag wollten wir uns die brasilianische Seite der weltberühmten Iguacu-Fälle ansehen und saßen schon bald im Bus zum Nationalpark. Über die Fälle an sich braucht man eigentlich wenig schreiben, Bilder sagen da viel mehr und Anja hatte sichtlich Freude am Umgang mit der Kamera. Der Rio Iguacu, aus dem Norden kommend, macht an dieser Stelle auf seinem Weg ins Meer beinahe eine 180 Grad Drehung und fällt in hunderten von großen und kleinen Wasserfällen etwa 80 Meter in die Tiefe. Die geologischen Hintergründe warum gerade hier eine derartige Kante im Gelände ist hab ich mir nicht gemerkt und weil wir grad im Bus sitzen kann ich auch nicht schnell auf Wikipedia nachschauen. Irgendwas mit Basalt wars. Dem Leser (und der Leserin) sei es freigestellt sich selbst darüber schlau zu machen. :-)

Die Wasserfälle des Rio Iguacu von Brasilien aus betrachtet

Ein Coati (Nasenbär) von denen dutzende den Weg säumten. Waren wohl schon sehr an Menschen gewöhnt.

 Noch mehr Wasserfälle...

Es war schon später Nachmittag und die Sonne versank schon fast hinter dem Horizont als wir die Hauptattraktion, den linken Teil der spektakulären Hauptwasserfälle, an dessen Namen wir uns leider nicht erinnern, erreichten und vom vielen aufgewirbelten Dunst befeuchtet wurden. Glücklicherweise war gerade Nebensaison und so hielten sich die Touristenmassen doch sehr in Grenzen. Einen romantischen Sonnenuntergang später saßen wir wieder im Bus zurück und konnten feststellen, dass es gar nicht so einfach ist nach Einbruch der Dunkelheit etwas zu Essen zu finden.

 Die Hauptfälle auf der brasilianischen Seite, an die man recht nahe rankam und dementsprechend nass wurde.
 
Blick auf die Garganta del Diablo, den spektakulärsten Wasserfall. Leider kommt man von der brasilianischen Seite aus nicht sehr nahe heran. Von der argentinischen Seite kann man sich das Ganze von oben ansehen.

 Wasserfall im Sonnenuntergang

Tags darauf gings wieder zurück nach Argentinien, um uns auch diese Version der Geschichte anzusehen. Man sagt, dass die brasilianische Seite einen guten Überblick verschaffen kann, während die argentinische Seite viel spektakulärer und detaillierter ist. Und das stimmt auch. Allein schon in den Nationalpark hineinzukommen war ein Abenteuer. Während auf der brasilianischen Seite mindestens 5 Schalterbrasilianische Reais, argentinische Pesos, US-Dollar und Kreditkarten akzeptierten, war der Parkeingang in Argentinien eine Baustelle und der einzige Schalter akzeptierte lediglich Pesos in bar. Wir hatten natürlich nicht mehr genug davon und so mussten wir uns sehr teure Cracker im Shop leisten (bezahlt in Real, Wechselgeld in Pesos) um überhaupt in den Park hinein zu kommen. 
Das Innere ist dafür umso professioneller bzw. touristischer. Es gibt einen kleinen Zug, der die Menschen zur Hauptattraktion der Garganta del Diablo fährt. Dort kann man tosenden Wassermassen bei ihrem spektakulären Sturz in den Abgrund zusehen und Schmetterlinge, Schildkröten und bunte Vögel bewundern. Der ganze Weg führt als abgezäunter Steg über den Fluss und ist wirklich gut angelegt, sodass die Natur recht wenig von den Massen mitbekommt, was v.a. beim südamerikanischen Sinn für Umgang mit der Natur ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

Die Garganta del Diablo oder Teufelsschlund von oben

Der vom Dunst vernebelte Flusslauf nach den Fällen. Rechts befinden sich die brasilianischen Plattformen.


Wir ganz nass vom Dunst

Bunte Vögel...

 ... und Schmetterlinge

Eine weitere Zugfahrt später beschlossen wir in den atlantischen Dschungel einzutauchen und den doch recht zahlreichen Touristen zu entfliehen, indem wir einen etwas abgelegenen und wenig besuchten Dschungelpfad hin zu einem kleinen Wasserfall mit natürlichem Pool bewanderten. Am Parkeingang war uns dieser Pfad als Abenteuer angepriesen worden und da die Isla San Martin auf die wir eigentlich wollten angeblich gesperrt war, gingen wir halt dahin. Im Endeffekt wollte uns der Informationsgeber wohl nur seine Jeeptour andrehen und nahm es mit den Fakten nicht so genau, denn der Dschungelpfad entpuppte sich als eine Art Forstweg, der mit Jeep leicht befahrbar ist (also eher wenig Abenteuer) und die Isla San Martin als doch nicht gesperrt, was uns im Nachhinein dann etwas ärgerte. Nichtsdestotrotz war es ein netter Spaziergang und es waren tatsächlich wenig Leute dort unterwegs. Schwimmen gingen wir allerdings nicht, da uns eine Gruppe Amerikaner das Nacktbadevergnügen unmöglich machte. 
Der größte Vorteil dieses Abstechers war aber, dass wir recht spät zurück zu den Hauptwegen kamen und so ziemlich allein die restlichen Wasserfälle bestaunen konnten.  Wirklich sehenswert. Besonders gut gefiel uns der Ausblick vom unteren Weg, wo man einen Gesamtblick über die Kante im Gelände bekam über die das Wasser in dutzenden Fällen herunterfiel. Es sah aus wie ein tropisches Inselparadies aus einer kitschigen „Traumschiff“-Folge. Zurück in Foz genehmigten wir uns als krönenden Tagesabschluss ein All you can eat Pizzaessen inklusive Schokolade- und Bananenpizza. Lecker :-) 

 Die Fälle von Argentinien aus, jeder hat einen Namen, keinen haben wir uns gemerkt :-)


Noch mehr Fälle

Die Isla San Martin (rechts), die eigentlich gar nicht gesperrt war...

Noch mehr Fälle, vom unteren Weg aus fotografiert.
 

Highs und Lows der Iguacu-Fälle-
Highs: Natürlich die Fälle selbst, wobei uns beiden die argentinische Seite etwas besser gefiel, obwohl dort mehr los war.
Die Unterkunft Pousada do Laura in Foz: Zwar etwas teuer, aber Laura war wirklich nett und das Zimmer einwandfrei, nur im Bad roch es etwas nach Abwassersystem.
Lows: Die Fehlinfos im Park in Argentinien. Sehr schade und ärgerlich, dass wir nicht auf die Isla San Martin gekommen sind, da diese bereits geschlosse war als wir hinkamen.

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