Sonntag, 1. Mai 2011

Mendoza


Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir am 24. April Bariloche, ironischerweise aufgrund des schlechten Wetters. 20 Stunden Busfahrt später begrüßte uns ebensolcher Sonnenschein in Mendoza. Endlich war es warm und schön und wir freuten uns richtig auf den Tag. Nach kurzer Unterkunftssuche und ostersonntäglichen Anrufen bei unseren Familien (wir sind ja brave Kinder) marschierten wir voller Tatendrang in die wirklich recht hübsche Stadt, bewunderten die Springbrunnen der Plaza Independencia und wagten uns trotz Überfallwarnungen unseres Reiseführers in den Parque General San Martin. An sich hätte dieser große künstlich angelegte grüne Fleck Potential für ein Naherholungsgebiet, aber Argentinier habenwohl eine klein wenig andere Vorstellung von „Erholung“. Und so gibt es statt Wanderwegen und idyllischen Wiesen, breite Straßen, einen verdreckten See (mit Betonboden) und jede Menge Argentinier, die in 2 Meter Entfernung von ihrem Fahrzeug auf Campingstühlen ihr Ostersonntagspicknick genossen. Man kann es sich ja leisten. Der Plastikmüll rundherum stört das Vergnügen da kaum. Ich glaube wir waren die Einzigen, die den Park zu Fuß durchquerten und den Cerro de la Gloria von der Rückseite aus bestiegen. Auf diesem befindet sich nämlich ein Monument, das an die glorreiche Andenarmee des Generals San Martin, den Befreier Argentiniens und Chiles erinnert.

Denkmal für DEN Helden Argentiniens.

Die Rückfahrt in die Stadt gestaltete sich schwieriger als erwartet. Es gibt zwar einen öffentlichen Bus (wir wollten nicht nochmal 1,5 Stunden zurück gehen), aber für ein Ticket braucht man Münzen für den Automaten im Bus. Nun besteht das monetäre System Argentiniens aber zur überwiegenden Mehrheit aus Scheinen, sodass es sehr sehr schwierig ist Münzen überhaupt aufzutreiben. Viel Fragerei und einen versäumten Bus später hatten wir endlich das Kleingeld beisammen und wollten zurück. Nur hatte es der Busfahrer schon so eilig, dass er zunächst nur mich mitnahm und Anja vergaß, was ich durch lautes Geschrei dann aber wieder rückgängig machen konnte. Generell war uns der Fahrstil dieses, seinem Gesichtsausdruck nach vor kurzem von seiner Frau verlassenen Berufschauffeurs etwas zu aggressiv und so waren wir froh unverletzt im Stadtzentrum zurück zu sein. Abends wollten wir eigentlich im wunderschönen Hinterhof des Hostels grillen aber der Ostersonntag hinterlässt auch in Argentinien den einen oder anderen geschlossenen Supermarkt und so wurde aus dem Steak eine mittelmäßige Pizza.

Tags darauf brachen wir zu einer Weinradtur auf. Glücklicherweise war der Bus billiger als erwartet und so mussten wir nicht erneut um Münzen betteln. In Maipú, südöstlich von Mendoza mieteten wir uns erstaunlich günstig 2 Räder (auf ein Tandem trauten wir uns nicht so recht) und fuhren los.


Der Ausflug war aufgrund einer nicht unbedingt als idyllisch zu bezeichnenden Hauptstraße (Plastikmüll inklusive) und fehlender Weingärten zunächst ernüchternd aber als wir den ersten Winzer aufsuchten änderte sich unsere Stimmung schlagartig. Marta, eine junge Lehrerin im Zweitjob servierte uns einen köstlichen Malbec, erklärte ausführlich die Besonderheiten des argentinischen „Asados“ (Grillerei) und zeigte ein erstaunliches Interesse an Österreich. Besonders begeistert war sie als wir ihr erzählten, dass die sogenannten „Milanesas“ (gebackenes Wienerschnitzel) auch in Österreich den einen oder anderen Anhänger haben. Wir hoffen, dass sich ihr Hauskaufwunsch inzwischen erfüllt hat. Anschließend machten wir einen Spaziergang im wirklich schönen Weingarten des Hauses. Die kleine Winzerei Viña Maria produziert im Jahr etwa 10 000 Flaschen Malbec und außerdem Oliven(-öl), war eines der ersten Weingüter dieser Gegend und ist seit 4 Generationen in Familienbesitz. Wirklich hübsch. 

 Olivenbaum auf der Vina Maria. Ich hab sie nicht gekostet :-)

Kurz darauf bekamen wir das Gegenteil präsentiert. Das Weingut „La Rural“ gleich nebenan (ziemlich ironischer Name in Anbetracht der Weinmengen) produziert im Jahr 11,5 Millionen Liter Rebensaft und ist seit den 90er Jahren in Besitz einer argentinischen Investorengruppe. Dementsprechend schmeckte auch der allerdings kostenlose Probewein. Das zugehörige Museum war allerdings recht nett und interessant und v.a. gratis. 

Weinfässer im Weinmuseum


Gute Mine zu mittelmäßigen Wein

 Es war schon fortgeschrittener Nachmittag als wir weiterfuhren. Abseits der Hauptstraße entpuppte sich die Gegend als sehr ansehnlich. Das dritte Weingut, das wir besuchten war ein ultramodernes, extrem auf den Tourismus ausgelegtes Pseudofamilienunternehmen, das zwar eine gratis Tour (bestehend aus 4 Tafeln) anbot, aber leider keine gratis Kostprobe. Zurück in der Radausleihstelle versteckte ich geschickt die Auflösungserscheinungen meines Rades (die Trittfläche des rechten Pedals war nur mehr lose draufgesteckt) und es entwickelte sich eine nette internationale Gesprächsrunde mit reichlich Rotwein. Es wurde bereits dunkel als wir zurück fuhren und aus dem Grillen wurde wieder nix, dafür gabs unsere ersten Milanesas. Sie schmeckten etwas unerwartet (in Argentinien ist alles aus Rind gemacht), nicht unbedingt wie Wienerschnitzel, aber trotzdem recht lecker.


Highs und Lows in Mendoza:
Highs: Das Wetter: endlich warm und sonnig, und das sag ich als bekennender Sonnenphobiker.
Der Wein in der Viña Maria
Lows: Die ewige Münzensucherei um das Busticket kaufen zu können. Vielleicht hätten wir uns doch die Wertkarte für 3 Pesos (ca. 55 Cent) leisten sollen :-)
Unsere Hintern nach der Radtour.

5 Kommentare:

  1. ha, die erste:-)
    na wie es aussieht habt ihr endlich Glück auf gutes Wetter und Alkohol, nur bitte Hille, nächstemal lass die Anja als die erste in öffentliche Verkehrsmittel einsteigen...

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  2. argh...der Zweite. :-)
    Ich habe gedacht das "Milanesas" sind Wienerschnizel (von Kalb, eh klar) getränkt im Tomatensauce..oder so ähnlich.
    Gut zu hören das es langsam wärmer wird :-)
    LG
    Knut

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  3. dritte :D

    und ich hätt gedacht dass die panade irgendwie anders gemacht wird bei milanesas.

    schön dass euch die sonne endlich mal gefunden hat!

    lg
    marion

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  4. im grunde wurde das wiener schnitzel hier milanesa auch in der türkei erfunden weil sich einige sultane ihr kalb mit blattgold belegen liessen und findige köche für arme einfach die panier erfunden haben... prost!

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