Samstag, 6. August 2011

Galapagos 2

In der Nacht auf den 3. Juli ging die Reise weiter zur Isla Floreana. Diese Insel ist nach dem ersten ecuadorianischen Präsidenten benannt, der so intelligent war die Inseln für Ecuador zu beanspruchen. Außerdem ließen sich hier die ersten Siedler nieder. Heute leben allerdings nur mehr etwas mehr als 100 Menschen hier, die wir nicht einmal zu Gesicht bekamen, weil wir auf der anderen Seite ankerten. Am Morgen machten wir eine kleine Wanderung über die Insel. Wir dachten, es wäre eh nur am Strand wie am Tag zuvor und verzichteten auf unsere Fußbekleidung. Zunächst war es auch so, wir gingen zu einer kleinen Lagune wo ein einzelner rosa Flamingo nach Shrimps fischte. Der arme war wohl verstoßen worden, was aber unser Glück war, denn es war der erste richtige Flamingo in freier Wildbahn, den wir auf unserer Reise zu Gesicht bekamen und das obwohl wir bereits an Orten waren, wo sich tausende davon aufhalten, jedenfalls wenn wir nicht dort sind.

  Hille am Strand

Einsamer rosa Flamingo. Die rosa Farbe kommt übrigens wirklich von den rosa Shrimps, die sie fressen

Anschließend spazierten wir über einen nicht mehr so angenehmen, mit Kieselsteinen versehenen Pfad zu einer anderen kleinen Bucht. Der Strand war traumhaft schön. Ein einzelner Vogel mit sehr langen Beinen spazierte im perfekten Sand die Brandung entlang, im Hintergrund erhob sich ein Hügel und etwas weiter von den Wellen entfernt wuchsen sonderbare grüne Pflanzen direkt auf dem Sand. Carmen erklärte uns, dass Wasserschildkröten unter diesen Pflanzen im Sand ihre Eier vergraben und die Pflanzen eine wichtige Rolle als Stabilisator für den Untergrund spielen würden. Sie wusste wirklich so einiges. Wir machten ein Gruppenfoto am Strand und spazierten wieder zurück.

Spezielle Bäume, die aussehen als wären sie tot, dabei ruhen sie nur bis zur nächsten Regenzeit. Das ständige Nieseln in der "Trockenzeit" reicht ihnen offenbar nicht.

 Gruppenfoto am Strand

Danach war endlich wieder Schnorchelzeit, aber nur Adam und ich trotzten der Kälte und wagten uns ins Wasser. Wir wurden auch redlich dafür belohnt, denn wir sahen unsere erste Wasserschildkröte, viele bunte Fische, wovon einer besonders cool schimmerte (wohl ein Regenbogenfisch oder so) und sogar einen Manta-Rochen.

Am Nachmittag fuhren wir weiter zur sogenannten Post Office Bay, dem Ort, wo der erste Briefkasten der Inseln installiert wurde. Er bestand aus einem Fass, in dem die Seeleute ihre Briefe legten und gleichzeitig schauten, ob nicht ein Brief dorthin wollte, wohin sie gerade unterwegs waren. Diese Briefe nahmen sie dann mit und stellten sie zu. Eine sehr nette Idee. Auch wir durchsuchten die Post, fanden aber nur einen einzigen Brief, der nach Österreich wollte, noch dazu in ein Kaff, das wir gar nicht kannten und mit einem Text, der auf eine weibliche Postbotin abzielte. Deshalb ließen wir ihn dort.

Briefkasten in der Post Office Bay

Dann spazierten wir weiter zu einem der sogenannten Lavatubes (Lavaröhre). Ich hatte erneut meine Flipflops auf dem Schiff gelassen, weil ich der Meinung war barfuß eh gut unterwegs zu sein. Diese Entscheidung sollte ich bald bereuen, denn der Weg war steinig und unbequem. Carmen zeigte uns die verrosteten Überreste von einem Kolonisierungsversuch. Ein paar Norweger dachten sie könnten hier eine kleine Siedlung errichten, scheiterten aber kläglich (diese Versager). Schließlich erreichten wir die Höhle, die irgendwie aus Lava entstanden ist. Offenbar kühlte die äußerste Schicht eines Lavastroms hier ab und verfestigte sich, während der innere Teil geschützt war und weiter ins Meer floss. So entstand eine große dunkle Höhle, die der Legende nach von Piraten als Versteck benutzt wurde. Schatz fanden wir leider keinen, trotzdem war es sehr interessant über sehr steile Holztreppen in den Abgrund und völlige Dunkelheit hinabzusteigen. 

 Es war so finster in der Höhle, dass unsere Kamera nur Nahaufnahmen schaffte. So sieht das Ergebnis aus.

Meine Fußsohlen brannten als wir endlich zurück am Strand waren. Ich war wohl doch nicht so stark, wie ich dachte. Aber aller Schmerz war vergessen als wir wieder unsere Schnorchelausrüstung anlegten. In der folgenden Stunde hatten wir unser bestes Schnorchelerlebnis der Reise. Zunächst schwammen wir entlang einer Felsküste und begegneten drei riesigen Schildkröten, die elegant und entspannt im Wasser dahin trieben. Zwei Seelöwen gesellten sich zu uns und tauchten mit uns um die Wette. Wir hatten natürlich keine Chance was Geschwindigkeit und Beweglichkeit im Wasser betraf, aber trotzdem einen Riesenspaß damit. Danach schwammen wir auf die andere Seite der Bucht, wo weitere Felsen waren. Unterwegs begegneten uns weitere Schildkröten. Diese Tiere sind einfach zauberhaft. Sie scheinen die ruhigsten Lebewesen der Welt zu sein, sind aber trotzdem stets in der Lage mit einer einzigen Bewegung sofort außer Reichweite zu schwimmen. Ein wahrscheinlich schon sehr erfahrenes Exemplar lag in etwa 5 Metern Tiefe am Meeresgrund und beobachtete in aller Seelenruhe wie wir Hand in Hand zu ihm hinunter tauchten und ihm tief in die Augen blickten. Das störte ihn (oder sie) gar nicht. Bei den Felsen angelangt regte sich wieder viel Leben im Ozean und hunderte bunte Fische aller Art schwammen durch die Gegend. Bald wurde uns aber etwas kühl und wir beschlossen zurück zum Strand zu schwimmen, als uns doch tatsächlich noch ein kleiner Hai über den Weg schwamm. Er war vielleicht 50 cm lang, weiß wie Schnee und leider auch viel schneller im Wasser als wir und so war es eine freudige aber nur kurze Begegnung. Das Meer war am Abend besonders ruhig und wie dafür geschaffen sich an Deck zusammen zu setzen, den Sonnenuntergang zu genießen und eine gute Zeit zu haben. Dieser Tag wird uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben.

Den letzten Tag unserer Tour verbrachten wir auf der Isla Isabella, der größten Insel des Archipels. Wir landeten am Steg des Hafens, wo wir gleich eine sehr hohe „Hafenbenutzungsgebühr“ bezahlen durften, was uns vorher keiner gesagt hatte. Der Ärger darüber war aber spätestens dann verflogen, als wir über einen kleinen Steg spazierten, der an einem winzigen See entlang führte. Hier versammelten sich zahlreiche Flamingos, die nur darauf warteten von uns fotografiert zu werden.

Endlich sahen wir ausreichend rosa Flamingos

Anschließend besuchten wir das hiesige Breeding Center, eine Aufzuchtstation für Galapagosschildkröten. Insgesamt gab es 15 verschiedene Arten dieser riesigen Tiere auf den Inseln, 2 sind allerdings bereits ausgestorben, der Rest ist mehr oder weniger vom Aussterben bedroht. Importierte Tiere (Hunde, Katzen, Kühe, Ratten…), die ihnen das Futter streitig machen oder die Eier der Schildkröten fressen oder zerstören sind der Hauptgrund dafür. Wahrscheinlich trugen auch die ersten Schiffe, die hier vorbei kamen zur Dezimierung bei, denn weil Schildkröten bis zu ein Jahr lang ohne Futter auskommen können wurden sie zu Hunderten auf die Schiffe verfrachtet um als Frischfleischreserve zu dienen. Nicht sehr nett. Das besondere an diesen Schildkröten ist, dass sich praktisch auf jeder Insel eine oder mehrere Spezies im Laufe der Jahre entwickelt haben, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Auf Isabella werden zwei Arten davon aufgezogen, um deren Zahl zu stabilisieren. Nach einigen Jahren werden die kleinen Schildis dann in die Freiheit entlassen.

Das lustige an der Station ist, dass die Schildkröten genau wissen wo das Futter herkommt und sich deshalb alle in Zeitlupe auf den Weg zum Rand des Geheges machen sobald dort Menschen auftauchen. Zufällig wurde gerade wie wir dort waren gefüttert und wir wurden Zeugen dieses Spektakels. Die Tischmanieren ließen etwas zu wünschen übrig, denn es wurde unter- und übereinander geklettert und gerungen und manch ein kleineres Exemplar musste lange kämpfen, bis es endlich zu seinem Fressen kam. Die Station besteht aus mehreren freien Gehegen, wo die Tiere in verschiedenen Alterskategorien gehalten werden. Die Kleinsten müssen durch einen Käfig vor Raubvögeln und anderen unwillkommenen Gästen geschützt werden, da sie sonst ein leichtes Opfer wären. Es gibt auch einige sehr beeindruckende große Exemplare, die für die Züchtung gehalten werden. Und als ob wir es bestellt hätten zeigte uns auch gleich eines der Männchen wie unsanft und in welcher Geschwindigkeit die Fortpflanzung bei Schildkröten so abläuft. Weibchen haben da einen schweren Stand.

Kleine Schildkröten...

 und ein größeres Exemplar

Beim Fressen hört jede Freundschaft auf

 Allein schon dieser Blick war die ganze Reise wert.

Zurück im Dorf hatten wir wieder Freizeit, die wir nicht so recht zu nutzen wussten und deshalb gegen 10 Uhr vormittags auf ein Bier gingen. Danach gings zurück aufs Boot. Nach dem Essen hatten wir endlich die Zeit über Bord zu springen und ein paar Fotos vom Schiff zu machen. So machten wir unserem Piratenimage alle Ehre. Anja war übrigens die einzige weibliche Teilnehmerin, die sich traute vom Schiff zu springen, alle anderen waren eher schüchtern.

Unsere kleine, aber gemütliche Koje

Kapitan Barbaroja am Steuer...

 ... und beim Entspannen

Am Nachmittag brachen wir zu unserer letzten Schnorcheltour auf. Mit dem Vortag konnte sie allerdings nicht mithalten, zu schlechte Sicht und zu wenig los. Allerdings begegneten wir erneut einer Schildkröte mit der es sich super schwimmen ließ und es machte echt Spaß gegen die starke Strömung zu kämpfen.
Zu guter Letzt spazierten wir durch ein Lavafeld das als Kinderstube der Marine Iguanas gilt. Und tatsächlich türmten sich an manchen Stellen dutzende dieser Tiere übereinander. Weil sie ja schwimmen können und deshalb ständig mit Salzwasser in Kontakt kommen haben diese Echsen ein System entwickelt, mit dem sie das Salz aus dem Wasser in einem Organ nahe der Nase kristallisieren und ausscheiden können, um so den Salzhaushalt zu kontrollieren. Das Ausscheiden sieht dann wie ein heftiges Niesen aus und macht die Tiere nicht unbedingt appetitlich. Außerdem kamen wir auf diesem Spaziergang an einem Kanal vorbei, eine Art Schlafzimmer für whitetip reef sharks (Weißspitzen-Riffhai), von denen auch gleich ein paar anwesend waren. Diese waren auch wesentlich größer als der, den wir beim Schnorcheln gesehen haben und die Begegnung im Wasser wäre dann vielleicht auch etwas anders verlaufen.

Weißspitzen-Riffhai (mitte) mit ein paar Marine Iguanas (rechts)

Marine Iguanas auf dem AA-Lavafeld

 und vor dem Meer als Hintergrund

Auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende und so war es auch mit diesem. Am nächsten Morgen (nach einer etwas holprigen Nacht) kamen wir wieder in Puerto Ayora an. Als letzter Programmpunkt stand die Charles Darwin Forschungsstation auf dem Programm, eine ähnliche Aufzuchtstation wie auf Isabella. Highlight war der lonesome George (der einsame Georg), ein altes Männchen, das das letzte seiner Art ist und das 1971 auf Isla Pinta gefunden wurde. Alle Versuche ihn zur Fortpflanzung zu bewegen schlugen bisher fehl, aber immerhin hat er zwei Weibchen als Zimmerkolleginnen. Auch andere ältere Schildis werden in der Station gehalten. Sie wurden den Inselbewohnern im Laufe der letzten Jahrzehnte abgenommen, die sie als Haustiere hielten. Aus irgendeinem Grund kennt man die genaue Spezies der Tiere nicht und darum (oder warum auch immer) kriegen diese armen alten Männchen nie Damenbesuch. Allein schon der Gesichtsausdruck der Schildkröten ist eine Reise nach Galapagos wert.

Lonesome George

 Schildi im Portrait

Danach hieß es Abschied nehmen. Maya, Lital und Lars fuhren zum Flughafen, Magnus ging zurück aufs Boot und Lee und Kim hatten uns schon am Vortag verlassen, weil einer der beiden so schlecht wurde. Ich tat mich immer ein wenig schwer damit sie auseinander zu halten. Nur Adam begleitete uns auf der Unterkunftssuche, die ohne Probleme ablief. 

Am Nachmittag hatten wir uns mit Carmen einen Treffpunkt ausgemacht, denn wir durften noch am Nachmittagsprogramm teilnehmen, obwohl unsere Tour eigentlich schon beendet war. Mit einer neuen Gruppe fuhren wir zu den sogenannten Zwillingen, zwei riesigen Vulkankratern gleich neben der Hauptstraße. Danach ging es weiter zu einer Farm, wo wir einen Riesenschildkrötenpanzer ausprobieren und Riesenschildkröten in freier Wildbahn beobachten konnten, bevor wir eine weitere Lavatube besuchten. Diese war ganz anders als jene auf Floreana. Die Wände waren glatt und hoch, das ganze sah eher aus wie ein von Menschen gegrabener Tunnel. „Das liegt an der Art von Lava“, erklärte Carmen. Während die Pahoehoe-Lava glatt erstarrt, kristallisiert die AA-Lava unregelmäßig und bildet unangenehme Gesteinsformationen fürs barfuß gehen. Um wieder ins Freie zu gelangen mussten wir am Ende der Tour ein letztes Abenteuer bestehen und durch einen weniger als einen Meter hohen Tunnel kriechen, was wir beide mit Bravour schafften.

Einer der beiden Zwillingsvulkankrater

Teenage mutant hero turtle Hille

Wilde Riesenschildkröte beim Fressen...

... und beim Schlammbaden

 Pahoehoe Lavatube auf der Insel Santa Cruz. Dieses Mal war er sogar beleuchtet und ein Foto möglich.

Am nächsten Tag, dem 6. Juli flogen wir zurück nach Guayaquil. Wir nahmen zusammen mit Adam den Bus zum Flughafen und waren sehr traurig die Inseln verlassen zu müssen. Nicht einmal die Umfrage, zu der wir von einer sehr netten, hübschen jungen Dame eingeladen wurden konnte uns besonders aufheitern. So landeten wir im hässlichen, schwülen Guayaquil und blickten voller Fernweh zurück auf die vergangene Woche.

Freitag, 5. August 2011

Galapagos 1


Am 29. Juni brachen wir zum zweiten absoluten Highlight unserer Reise auf. Weil wir aus irgendeinem Grund die Straße auf der die Busse Richtung Flughafen fahren übersahen bzw. nicht wahrnahmen (obwohl sie nur einen halben Block vom Hotel weg war) sahen wir uns gezwungen ein Taxi zu nehmen. War aber nicht weiter schlimm, denn auch so erreichten wir den Flughafen von Guayaquil, Ecuador und starteten mit einer hübschen LAN Maschine zum knapp 2 Stunden entfernten Inselparadies von Galapagos.

Auf der Flughafeninsel Baltra angekommen begrüßten uns tropische Wärme und 110 US-Dollar Eintrittsgebühr, die wir aber gerne bereit waren zu bezahlen, schließlich war uns Großes in Aussicht gestellt worden. Mit Bus, Fähre und einem weiteren Bus gelangten wir zum Hauptort Puerto Ayora, einem wunderschön für den gemeinen Touristen hergerichteten Städtchen an der Südküste der Insel Santa Cruz. Es war früher Nachmittag und wir waren, abgesehen von einem Deutschen, die einzigen im gesamten Flieger, die noch keine fix und fertige Bootstour gebucht hatten. So verbrachten wir die folgenden 4 Stunden damit mit voller Ausrüstung eine Agentur nach der anderen abzuklappern, auf der Suche nach einem finanzierbaren Bootsausflug. Es wurde schon langsam dunkel, als wir endlich fündig wurden. Zwar mussten wir doch tiefer in die Tasche greifen (für Geizhälse ist Galapagos nix) als geplant, dennoch sollten wir es nicht bereuen.

Um 4 Uhr morgens am nächsten Tag ging es los. Ein Taxi holte uns ab und sogleich entbrannte ein kleiner Streit darüber, wie viel die Fahrt zum sogenannten Kanal (Meerenge zwischen Baltra und Santa Cruz) kosten solle, denn uns war ein anderer Preis genannt worden, als sich der Taxifahrer vorstellte. Etwas wütend aber doch brachte uns der Fahrer noch zu einer Wäscherei, wo ich die junge Dame aus dem Bett klopfte (ich hatte am Vortag Bescheid gesagt) und unsere Wäsche abholte. Der Gram des Chauffeurs war allerdings noch nicht verflogen und so bog er plötzlich von der Hauptstraße ab, um beim Haus des Agenturbesitzers vorbei zu fahren und diesen zu fragen, ob er die Differenz bezahlen würde, denn für 15 Dollar stehe er nicht um halb 4 Uhr morgens auf. Glücklicherweise sagte dieser ohne zu zögern „ja“ und so konnte es endlich los gehen.

Es war stockfinster als wir von Victor, dem (vermutlich) 1. Offizier der Yate Sulidae, mit dem Schlauchboot abgeholt und zum Schiff gebracht wurden. Die See ruhte noch und keine Welle störte den Schlaf dieses alten Kahns. Trotz der frühen Stunde wurden wir von Floro, dem Steward, herzlich begrüßt und er zeigte uns unser Quartier. Auf geschätzten 7-8 Quadratmetern (inklusive Bettfläche und Bad) machten wir es uns gemütlich und sortierten unsere Sachen. Für die nächsten 5 Nächte sollte dies unser zu Hause sein. Wir hatten uns kaum zu recht gefunden, da gab es schon Frühstück, und was für eines. Unser Koch, der wichtigste Mann auf dem Boot, verleitete uns ab diesem Moment nun 3 Mal täglich dazu, mehr als ein gesundes Maß an Lebensmitteln zu uns zu nehmen. Uns fällt keine Mahlzeit ein, an der es etwas auszusetzen gegeben hätte. Ebenfalls beim Frühstück lernten wir die anderen Passagiere kennen, Lars (Deutschland), Adam und Maya (beide Israel). Das wars. Die Tatsache, dass lediglich 3 der 12 Betten belegt waren wunderte uns doch sehr, denn in Puerto Ayora hatte es noch so geklungen als müssten wir uns sofort entscheiden, denn es gäbe nur noch 2 freie Plätze…

Die Yate Sulidae, unser Piratenschiff

Die kleine Gruppe hatte aber nur Vorteile und zum ersten Mal auf unserer Reise fühlten wir uns vom ersten Moment an wohl und willkommen in einer Reisegruppe. Nach dem Frühstück stellte sich unser Guide Rene vor und bald gingen wir auch schon das erste Mal an Land, um die winzige Isla Seymour zu entdecken. Die Landung mit dem Schlauchboot war etwas ruppig, denn wir mussten trotz Wellen auf einen kleinen Steg springen, aber alle überlebten es. Von nun an waren wir eigentlich nur noch mit Staunen beschäftigt. Auf der kleinen Wanderung entlang eines markierten Weges sahen wir die ersten Tiere, blue-footed boobies (Blaufußtölpel), frigatebirds (Fregattvogel) und sea lions (Seelöwen :-). 

Blue-footed booby

Seelöwenbaby

Fregattvogel beim Balzen. Dazu blasen die Männchen ihren roten Sack am Hals auf und machen trommelnde Geräusche mit dem Schnabel darauf

Fregattvogel im Flug, sehr elegant

 Feuerrote Krabbe, von denen unzählige auf dem schwarzen Vulkanstein leuchteten

Die Tiere (und Pflanzen, aber die interessieren eh keinen) auf Galapagos haben sich im Laufe der letzten 4 (man kreuzige mich nicht, falls das nicht genau stimmt) Millionen Jahre mehr oder weniger unabhängig vom Rest der Welt entwickelt. Und das coolste daran ist, dass das Ganze völlig ohne Menschen vonstattenging, denn erst seit dem 18. Jahrhundert kamen regelmäßig Schiffe vorbei um Vorräte aufzufüllen und erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts sind ein paar Inseln ständig bewohnt. Deshalb kennen die Tiere hier keine Scheu vor dem Menschen und man kommt bis auf weniger als einen Meter an sie heran.

Nach etwa einer Stunde kehrten wir zurück auf unser Piratenschiff (am Hauptmast weht eine schwarze Totenkopfflagge) und wurden einmal mehr vom Kapitän mit einem lauten „Pirataaaas!!“ begrüßt. Das Schiff hat übrigens eine lange Geschichte. Gebaut wurde es 1901 in Dänemark und diente mehrere Jahrzehnte als Kohletransporter in der Nordsee, bevor es in die Karibik verlegt wurde, um (sehr cool) Rum und anderes ungesundes Zeug zu schmuggeln. Erst viel später wurde die Sulidae so umgebaut, dass sich ein paar Gringos darin wohl fühlen können und seitdem fährt sie ständig von einer Galapagos-Insel zur nächsten. Auch wir fuhren ein kurzes Stück weiter, nämlich zurück nach Baltra. Dieses Ziel wurde als Strandausflug getarnt, diente aber in Wirklichkeit dazu den Tank des Schiffes aufzufüllen und so war die Aussicht vom Strand auf das Tanklager eher mittelmäßig schön. Anja und ich versuchten uns hier zum ersten Mal im Schnorcheln. An einem Sandstrand ist das aber nicht so besonders.

Zurück an Bord gab es ein ausgezeichnetes Mittagessen und danach genossen wir auf der mehrstündigen Fahrt die Sonne an Deck. Der Wind blies uns ins Gesicht, es war angenehm kühl und herrlich entspannend. Wie wir später dann bemerkten war das nicht unsere beste Idee, denn offenbar hatte ich vergessen die linke Seite meines rechten Schienbeines einzucremen und so hatte die Äquatorsonne ihren Spaß mit meiner Haut, die von da an signalfarbenrot leuchtete. Anja erwischte es nicht viel besser, denn ihre Zehen vielen der UV-Strahlung zum Opfer, was wohl beim gehen recht unangenehm ist.

Als wir am späteren Nachmittag die winzige Isla Plaza Sur vor der Küste von Santa Cruz erreichten merkten wir von dem ganzen allerdings noch nichts. Es war der letzte Landgang für diesen Tag und die Sonne versteckte sich immer häufiger hinter den Wolken. Rene führte uns einen markierten Weg entlang und erzählte uns viel über die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Auf Galapagos werden drei Arten von Tieren unterschieden: endemische (existieren nur auf Galapagos), native (kommen auf Galapagos aber auch anderswo vor) und importierte (vom Menschen auf die Inseln gebrachte Tiere). Natürlich waren erstere die interessantesten und das Wort „endemic“ entwickelte sich in der Folge zu einem niemals langweiligen running gag und wurde für alles, was mit Galapagos zu tun hatte verwendet. 

Auf der Plaza Sur sahen wir auch unsere ersten land iguanas (Drusenkopf oder Landiguana :-), wirklich hässliche Echsen, die aber irgendwie auch etwas niedliches an sich haben. Zudem gab es noch jede Menge Vögel, leuchtend rote Krebse und ganz besonders cool ein Altersheim für männliche Seelöwen, deren Zeit als Haremsbesitzer abgelaufen war und die ihren Lebensabend faul auf der Haut liegend hoch oben auf den Klippen der Insel genossen.

Land Iguana kunstvoll porträtiert

Genüsslich schlemmert dieses Exemplar an einer Kaktusfrucht, die er vorher fein säuberlich von allen Stacheln befreit hat.

Anja vor der Bucht mit unserem Boot im Hintergrund

Seelöwenopa, der es sich auf den Klippen bequem gemacht hat...

 ... dieser hier wohl auch :-)

Die erste Nacht auf dem Schiff wird vor allem Anja noch lange in Erinnerung bleiben. Bald nach dem Abendessen setzten wir Segel bzw. starteten die Maschinen und fuhren aufs offene Meer. Kaum hatten wir die kleine Bucht, in der wir ankerten verlassen raute der Wellengang auf. Ich wurde ans Steuer gerufen und konnte wie ein echter Pirat der stürmischen See trotzen. Es ist übrigens gar nicht so leicht den Kurs zu halten, vor allem wenn man Schwierigkeiten mit links und rechts hat und so kam ich ein zwei Mal um bis zu 90 Grad vom Kurs ab. Anja schien mein Fahrstil nicht besonders zu gefallen. So waren wir beide an Deck, es war finster und der eine steuerte, die andere kotzte in die See hinaus. Klassisch. Nachdem von dem guten Abendessen nicht mehr allzu viel in Anja drin war versuchten wir uns im schlafen. Erstaunlicherweise ist das wirklich heftige Schwanken des Schiffes im Liegen viel besser zu ertragen, nur auf der Seite sollte man nicht schlafen, da man sonst Gefahr läuft aus dem Bett zu fallen. Wir überlebten die Nacht und es war bei weitem die schlimmste der ganzen Tour.

Am nächsten Tag stand die Isla San Cristóbal auf dem Programm. Wir ankerten im Hafen des Örtchens Puerto Baquerizo Moreno und bereits früh morgens gingen wir an Land, um uns das Interpretation Center, ein kleines Museum zur Geschichte, Flora und Fauna der Inseln anzusehen. Das Interesse daran war allgemein eher begrenzt, denn alle (Rene inklusive) wankten, vom Schiff gezeichnet noch etwas hin und her und spürten die Nachwirkungen der nächtlichen Überfahrt. Danach hatten wir Freizeit, die wir dafür nutzten uns eine weitere Sonnencreme und Aftersun zu kaufen und uns an das Nicht-Wanken des Festlandes zu gewöhnen.
Am Nachmittag fuhren wir mit einem Bus hoch hinauf in die Berge um den Vulkankrater mit seiner Laguna El Junca zu besuchen. Bis auf den „endemic fog“ (endemischer Nebel) sahen wir aber von der Landschaft nicht besonders viel, was bei Maya (die sich generell recht gern beschwerte) nicht besonders gut ankam. Wir genossen aber die Wanderung rund um den Krater, der als Süßwasserreservoir für die ganze Insel dient, sehr. Nur das gehen tat aufgrund des Sonnenbrandes am Fußgelenk bzw. auf den Zehen noch etwas weh.

Vulkankrater im "endemischen Nebel"

 Aussicht gabs nicht besonders viel

 Danach besuchten wir einen Aussichtspunkt bei der ältesten Kirche der Insel, bevor wir zurück an Bord gingen. Insgesamt war das der schwächste Tag der Tour und diente wohl hauptsächlich dazu, neue Touristen an Bord zu holen bzw. für manche Crewmitglieder den Urlaub anzutreten. 

 Aussicht über die Insel San Cristóbal. Beim dem Felsen ganz hinten im Meer kann man angeblich super mit Hammerhaien tauchen.

Unsere Gruppe wuchs rasant an. Magnus (Schweden), Gianni (Italien), Lital, Kim und Lee (alle sehr jung und aus Israel) komplettierten die Gruppe. Unserem Koch schien das aber nicht aufgefallen zu sein, denn er kochte immer exakt die gleiche Menge, egal ob für 3, 5 oder 10 Personen. Aber es reichte trotzdem, denn einige der Mädels scheinen mit der Nahrungsaufnahme doch etwas auf Kriegsfuß gestanden zu haben. Leider verließen uns auch Floro, der Steward und unser heiterer Kapitän (mit sehr coolem Schnauzbart). Sie wurden nicht einmal annähernd gleichwertig ersetzt. Auch Rene ging von Bord und stattdessen kam Carmen als unser neuer Guide zur Gruppe hinzu. Sie entpuppte sich als sehr nett und freundlich und war am Ende ein guter Tausch, obwohl wir mit Rene auch zufrieden waren. Die folgende Nacht auf See war wesentlich ruhiger und dank der Wunderpille, die Anja von nun an jeden Tag zu sich nahm, ging es uns beiden sehr gut. Den Gesichtern der neuen Gruppenmitglieder beim Frühstück nach zu urteilen war das aber nicht bei allen so.

Am nächsten Tag besuchten wir die unbewohnte Isla Española. Irgendwie war die Strömung in der Nacht wohl stärker gewesen als erwartet, denn wir hatten einige Verspätung und mussten den Zeitplan etwas ändern. Nach dem Frühstück fuhren wir im Schlauchboot zum Strand und besuchten die dortige Seelöwenkolonie. Es waren von nun an leider auch ständig andere (wesentlich luxuriösere) Boote mit uns unterwegs, aber die Touristenmassen hielten sich dennoch in Grenzen.
Carmen erklärte uns, dass das Leben eines alpha-Seelöwenmännchens doch nicht so ein Zuckerschlecken ist, wie wir zunächst dachten. Zwar haben sie einen ganzen Harem zur Verfügung, sind aber so mit der Verteidigung dieses Fortpflanzungsprivilegs (und noch etwas anderem) beschäftigt, dass sie kaum zum Fressen kommen und nach 2 bis 3 Wochen derart geschwächt sind, dass ein jüngerer, stärkerer, besser aussehender Genosse das ganze übernimmt.

Seelöwen am Strand. Im Hintergrund die Luxusyachten für die Weicheitouristen, denen heftiges Schaukeln etwas ausmacht.

 Der weiße Strand mit der Seelöwenkolonie

Zurück an Bord schnappten wir uns endlich unsere Schnorchelausrüstung und konnten zum ersten Mal das Unterwasserleben in Augenschein nehmen. Auf Galapagos ist dieses besonders reich gesegnet, da sich drei Meeresströmungen hier treffen. Der kalte Humbolt-Strom aus dem Süden, der warme Panama-Strom aus dem Norden und eine sehr kalte Strömung (Name vergessen), die in etwa 200 Metern Tiefe aus dem Westen kommt und just an diesem Archipel empor klettert und besonders nährstoffreiches, kaltes Wasser mit sich führt. Zunächst schwammen wir rund um einen Felsen nahe des Strandes, bevor wir mit dem Schlauchboot weiter hinaus zu einem kleinen Inselchen fuhren und an dessen Steilküste weiter machten. Victor, der erste Offizier begleitete uns und zeigte uns auch das eine oder andere tolle Ding, wie etwa einen Seestern oder eine Art Bleistifthalter. Ich versuchte mich ein wenig im Tauchen, musste aber bald feststellen, dass es wohl einen Grund hat, warum Taucher einen Neoprenanzug an haben, denn in etwa 5 Metern Tiefe fiel die Wassertemperatur urplötzlich um mindestens 10 Grad ab, was mir dann etwas zu kalt war. Trotzdem war es ein wunderbares Erlebnis, vor allem weil es so viel zu entdecken gab. Wir sahen die verrücktesten Fische, teils knallbunt, teils furchtbar dünn, dafür extrem lang. Ein Seelöwe gesellte sich zu uns und hatte seinen Spaß daran mit uns zu Schwimmen und bei einem meiner Tauchgänge sah ich eine Art Languste oder so ein riesiges Krebstier halt, das sich in einer Nische im Fels versteckte. Ich erschrak ziemlich als sich das Ding, gut getarnt plötzlich keine zwei Meter vor mir vom Hintergrund löste. Anja war da weniger schreckhaft. Beim Mittagessen waren wir noch immer voller Begeisterung, allerdings schien nur Adam diese so richtig mit uns zu teilen, den anderen war wohl das Meer zu kalt. Wir waren auch immer die letzten, die sich zurück ins Schlauchboot kämpften.

Nachmittags gingen wir an einer anderen Stelle erneut an Land und machten eine kleine Tour. Carmen war sehr bemüht uns die Wunder der Insel näher zu bringen, aber nicht bei allen kam das so richtig an. Besonders Gianni ging uns etwas auf die Nerven, weil er gekonnt und des Öfteren die Aufforderung die Tiere nicht anzugreifen und auf dem Weg zu bleiben missachtete und einmal sogar einen Iguana am Schwanz aufhob und wieder fallen ließ. Wirklich unnötig sowas. Das Highlight dieser Insel waren die Albatrosse, die gerade in Paarungslaune waren und ihren kunstvollen Paarungstanz aufführten. Dabei stolziert das Männchen vor dem Weibchen hin und her und die beiden „küssen“ sich zwischendurch immer wieder, soweit das mit einem Schnabel halt geht. Das ganze dauert einen ganzen Tag lang, bevor es endlich zur Sache geht. Mir wäre das ein zu langes Vorspiel. 

Albatrosspärchen, allerdings schon mit Ei (das linke Tier sitzt drauf)

 Albatrosse und blue-footed boobies mögen sich sehr und siedeln oft nahe beieinander. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass ein booby versehentlich ein Albatrossei ausbrütet und das Küken aufzieht, obwohl es viel zu groß dafür ist. Zum Dank schmeißt das Albatrossjunge die anderen Eier bzw. Küken aus dem Nest, damit er das ganze Futter bekommt.

Außerdem gab es noch Seelöwen, blue-footed boobies, nazca boobies (Nazcatölpel), swallow-tailed gulls (Gabelschwanzmöven), einen Falken und Marine Iguanas zu bewundern. Besonders lustig fanden wir das sogenannte „blowhole“ (Blasloch), ein kleines Loch im Felsen durch das die Wellen etliche Meter empor spritzten (ein Schelm wer jetzt an was Unanständiges denkt).

Marine Iguanas am Strand



Blue-footed boobies Pärchen, die sich ein Leben lang die Treue halten, obwohl Carmen meinte, dass die Weibchen auch gerne einmal fremd gehen.

Booby beim Balzen.

 Stolzer Falke
 
 Das Blowhole in Aktion

Mittwoch, 3. August 2011

Lima


Dieses Mal leider viel Text und wenig Bilder, aber wer uns wirklich mag liest es trotzdem :-)

Um etwa halb 11 Uhr vormittags waren wir am Busbahnhof in Cusco, um einen Bus nach Lima zu suchen. Und das Glück war uns hold, keine 10 Minuten später saßen wir in einem, der eigentlich bereits um 10 Uhr fahren hätte sollen, aber dann doch noch auf uns wartete. Mit leicht sarkastischem Unterton fragte auch gleich als wir einstiegen eine andere Touristin: „What time is it?“ in den Raum, sie dachte wohl wir wären 30 Minuten zu spät gekommen. Eine passende Antwort fiel mir leider erst ein als sie gar nicht mehr passend gewesen wäre.

Zunächst ging die Fahrt recht aufregend nach Abancay. Die vielen Kurven bergauf und bergab waren nicht jederfraus Sache, besonders, weil wir noch keine Zeit gefunden hatten uns etwas zu Essen zu kaufen. In Abancay, in einem schönen Talkessel gelegen, machten wir einen kurzen Zwischenstopp, was mehrere junge Männer und Frauen auch gleich nutzten, um im Bus Übelkeitspillen zu verkaufen. An sich ja nichts schlechtes, aber die Pillen waren weder verpackt noch beschriftet, sondern wurden aus alten Fotofilmschächtelchen heraus verkauft. Ich weiß ja nicht wie sehr ich so einem Produkt vertrauen würde. Unsere Befürchtungen, dass die Straße noch kurviger werden würde bestätigten sich zum Glück nicht, dafür war das Unterhaltungsprogramm einmal mehr von höchster Qualität. Ohne Unterbrechung wurden uns 4 oder 5 eher mittelklassige Actionfilme vorgespielt, was besonders Anja nicht unbedingt zu Freudensprüngen animierte. Dennoch erreichten wir am nächsten Morgen in einigermaßen gutem Zustand die 7 Millionen Einwohner Metropole Lima.

Man möchte meinen eine solche Stadt hätte sich im Laufe ihrer Geschichte zu einem zentralen Busbahnhof durchgerungen, hat sie aber nicht. Jedes Busunternehmen hat sein eigenes Terminal und Informationen darüber ob und wann ein Fahrzeug des Unternehmens wohin fährt erhält man (falls überhaupt) nur dort. Es lebe die Privatisierung. Also machten wir uns um 7 Uhr morgens, Sonntag, 26. Juni auf den Weg von Unternehmen zu Unternehmen, um in Erfahrung zu bringen, wie wir von Lima wieder weg kommen können. Nun ist am Sonntag generell nicht viel los und früh morgens natürlich noch weniger. Angesichts der ganzen geschlossenen Geschäfte und leeren Straßen war uns auch nicht unbedingt ganz wohl zumute und wie bestellt stand auch bald ein junger Mann vor uns, der seinen Ausdünstungen nach wohl eine lange Nacht hinter sich hatte und wollte ein paar Soles (das peruanische Geld) erbetteln. Dass wir ihn zunächst freundlich, dann immer bestimmter abwiesen erfreute ihn nicht unbedingt und er ballte bereits mehrmals die Faust, hatte am Ende aber dann doch zu großen Respekt vor uns zwei und ließ uns vorbei. Allerdings sprach er kurz darauf eine Gruppe anderer junger Männer auf uns zeigend an und wir beeilten uns nun sehr weiter zu kommen.

Von diesem Erlebnis etwas gezeichnet beschlossen wir nicht mehr lange weiter zu suchen und nahmen uns ein Taxi nach Surco, wo Klaus, ein Bekannter aus Oberbozen, mit seiner Familie wohnte. Offensichtlich war der Taxifahrer nicht besonders oft in dieser Gegend unterwegs und musste mehrmals nach dem Weg fragen bis wir endlich das richtige Haus in dieser überaus schicken Gegend erreichten. Es war noch nicht einmal neun Uhr und weil Sonntag war trauten wir uns noch nicht so recht anzuläuten, sondern beschlossen zunächst nach einem Telefon zu suchen. Während man in den meisten Städten in Bolivien und Peru ein solches praktisch alle zwei Meter an einem Verkaufsstand findet, taten wir uns in dieser Gegend etwas schwer damit. Nach einigem Fragen fanden wir einen kleinen Markt, aber weder im Locutorio (geschlossen), noch am Münztelefon (kaputt), noch an einem Marktstand (keine Verbindung zum Mobilnetz) konnte uns geholfen werden.
So läuteten wir schließlich doch an. Nach kurzem Warten wurden wir etwas verschlafen aber überaus freundlich empfangen. Klaus lebt mit seiner Frau Ethel und seinen Kindern Johannes und Mia seit ein paar Monaten in Lima und arbeitet als Experte für Oberflächenwasser für die peruanische Regierung. Sogleich wurden wir auf ein herzhaftes Frühstück eingeladen. Weil wie bereits des Öfteren erwähnt Sonntag war stellte sich unsere Suche nach einer Wäscherei in der Umgebung als aussichtslos heraus, dafür hatten aber Klaus und Familie Zeit und Lust mit uns die Stadt zu erforschen. Der Anfang verlief etwas holprig, denn wir landeten auf der Suche nach einem Mittagessen in einem (vom Taxifahrer empfohlenen) etwas schickeren Restaurant als beabsichtigt. Dort gab es dafür ein spektakuläres Buffet mit ausgezeichnetem Ceviche (mit Zitronensaft marinierter, roher Fisch und Meeresfrüchte) und anderen sehr leckeren Vorspeisen und endlich einen köstlichen Pisco sour, dem Nationalcocktail in Peru.      

Kaum im Stande uns noch zu bewegen spazierten wir anschließend zur nahen Costa Verde, wo sich die Mittel- und Oberschicht der Stadt am Wochenende gern die Zeit vertreibt. Vom Meer sahen wir aber nicht viel, denn es hing relativ dichter Hochnebel über der Küste, wie wohl den gesamten südlichen Winter. Klaus erzählte uns so einiges über den schlimmen Zustand der peruanischen Flüsse, die Schwermetallbelastung vonseiten der vielen Minen in den Bergen, der Cholera, die sich einige Badegäste an der Costa Verde vor einigen Jahren einfingen (so viel zum Thema Kläranlagen) und noch ein paar erschreckende Details über die Gesellschaft in Peru und wie der Hase hier so läuft bzw. geschmiert wird. Eigentlich hatten wir bis jetzt einen recht soliden Eindruck vom Land gehabt, aber der Gedanke an die umzäunten und bewachten Siedlungen, ganz in der Nähe des Hauses von Klaus änderte so manche unserer Ansichten.

Danach spazierten wir durch die Altstadt und schauten uns die spärlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt, ein paar alte Gebäude und Kirchen zwischen viel Straßenlärm und hässlichen neueren Häusern, an. Viel gibt es in Lima nicht zu sehen oder zu tun und nach einiger Zeit hatten auch alle genug davon. Mia hatte sich im Laufe des Tages Anja als ihre neue beste Freundin ausgesucht und war nicht mehr von ihr zu trennen. So war es am Abend auch schrecklich für sie zu erfahren, dass wir bereits am nächsten Tag vor hatten unsere Reise fortzusetzen.

 Wir vor der Kathedrale in Lima

Die Iglesia San Francisco

 Das Rathaus von Lima. Das wars dann auch schon mehr oder weniger mit den Sehenswürdigkeiten.

Unser nächstes Ziel war Guayaquil in Ecuador und es war eine lange, schwierige Reise dorthin. Der Tag begann eigentlich sehr schön, wir frühstückten erneut ausgezeichnet und plauderten noch etwas mit Ethel bevor wir uns ein Taxi (so viel Taxi gefahren wie in Lima sind wir noch nirgends) in die Innenstadt nahmen. Der Fahrer war recht nett und redselig, erzählte vom Leben mit seinen 29 Jahren und von seinen 4 Kindern (die älteste Tochter ist 14!). Wir entschieden uns für einen economico-Bus (die Billigversion), der uns nach Tumbes an der ecuadorianischen Grenze bringen sollte. Die Fahrt begann schon mal schlecht – wir hatten die Sitze neben dem Klo und der hinterste Fernseher funktionierte nicht – und sollte danach noch stark nachlassen. Zwar ging es über die Panamericana nach Norden, angeblich Perus beste Straße, dennoch gefiel uns nicht unbedingt was wir sahen. Das Wetter war schlecht (Hochnebel wie immer), die Landschaft bestand aus Sand, Stein und Staub und wir kamen an den armseligsten Hütten vorbei, die wir bis jetzt auf unserer Reise gesehen hatten. Kann kein schönes Leben dort in der Wüste, am Rande einer Autobahn sein.

Zum Abendessen hielt der Bus an einem Restaurant, das nicht den besten Eindruck auf uns machte und wo wir uns eine Cena (doppelt so teuer wie normalerweise!) teilten. Danach war es für mich die reinste Hölle. Offenbar schloss mein Magen mit dem Abendessen nicht unbedingt Freundschaft und mich überkam ein sehr unangenehmer Durchfall. Einmal abends und einmal am nächsten Morgen (die Fahrt dauerte 22 Stunden) musste ich den Busfahrer bitten stehen zu bleiben, damit ich nicht platzte. Außerdem sah ich mich gezwungen einmal das Busklo zu benutzen, das eigentlich nicht für diesen Zweck eingerichtet war und diese Aktion sorgte dann auch für etwas Unmut, besonders bei einem anderen Fahrgast, einem Mann der eher ekligen Sorte, der uns bereits zuvor mandarinenkernspuckend aufgefallen war. Gerade dieser eklige Typ regte sich dann beim Busbegleiter auf. Mir war das Ganze sehr unangenehm und ich war heilfroh am nächsten Morgen den Bus verlassen zu können, allerdings begleitet von ein paar unfreundlichen Worten des Busfahrers.

Und wie das Leben so spielt, ein Unglück kommt selten allein. Am Busbahnhof sprach uns ein Mann an und fragte, ob wir denn nach Ecuador reisen würden, denn er arbeite für ein anderes Busunternehmen, das Busse dorthin hätte. So stiegen wir in sein Auto ein mit dem er uns zum Bus chauffieren wollte. Ein zweiter, sehr netter Mann, „José“ stieg ins Auto und verwickelte uns in ein Gespräch, fragte wo wir her seien usw. Die Fahrt ging aber nicht über die zuvor erwähnten 5 Blocks, sondern plötzlich waren wir wieder auf der Hauptstraße und fuhren Richtung Grenze. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam uns etwas seltsam vor, aber der Beifahrer war wirklich freundlich und so dachten wir noch nichts Böses. Er begann uns nun Geschichten von Problemen an der Grenze zu erzählen und wie gefährlich es dort sei. Ab Mittag würde es für unbestimmte Zeit Straßenblockaden wie in Puno geben, denn die Leute hier seien wegen irgendwelchen Steuern sehr aufgebracht. Darum müssten wir zur Grenze fahren, wo der Bus auf uns warten würde. So kamen wir zur Ausreisestelle und ließen unseren Pass stempeln. José hatte uns ausdrücklich davor gewarnt mit den Geldwechslern zu reden, viel zu gefährlich, das seien alles Betrüger. Uns kam das ganze aber sehr harmlos vor.

Dann ging die Fahrt weiter, plötzlich bogen wir aber von der Hauptstraße ab mit der Begründung es sei zu gefährlich und würde Blockaden geben. So fuhren wir durch eine wenig Vertrauen erweckende Gegend über irgendwelche Seitenstraßen und genau hier platzte die Bombe. Nun behauptete José plötzlich, dass es hier so gefährlich und korrupt sei, dass wir Schmiergeld an die Polizei zahlen müssten, damit wir sicher seien, ansonsten würden wir überfallen werden, denn die Grenze müssten wir zu Fuß überqueren und einen Bus auf der anderen Seite nehmen. Wir hatten wenig geschlafen, ich war noch immer etwas krank und wir hatten erlebt wie es in Puno war und so gaben wir José was er verlangte. Kurze Zeit später stieg er aus um angeblich das „Schmiergeld“ einem Polizisten zu geben, das haben wir aber nicht gesehen. Bald wurde uns klar, dass wir ziemlich billig verarscht worden waren und wussten nicht was wir tun sollten. Das Auto hielt auf einem versteckten Parkplatz, wo einige andere Männer auf uns warteten und anboten uns gegen ein Trinkgeld sicher über die Grenze zu bringen. Wir versuchten zwar noch José zur Rede zu stellen, v.a. als er noch sagte wir sollten den Taxifahrer bezahlen, doch das Geld war futsch und unsere Situation war auf diesem Hinterhof nicht unbedingt die sicherste. So gaben wir uns geschlagen und gingen sehr wütend und verärgert los in Richtung Grenzbrücke. Zunächst begleitete uns noch ein junger Mann, der uns aber in der Sekunde wieder verließ als wir im klar gemacht hatten, dass wir nicht noch einmal irgendjemandem etwas zahlen würden.

Im Endeffekt war die Gegend eine normale Stadt mit Straßenständen und Geschäften, nicht gefährlicher als jede andere. Endlich überquerten wir die Brücke und brachten in Erfahrung, dass die ecuadorianische Einreisestelle noch weitere 3 Kilometer entfernt war und wir im Taxi hinfahren müssten. Das taten wir am Ende auch und nahmen von dort einen Bus nach Guayaquil. So verließen wir Peru etwas enttäuscht, eigentlich wollten wir es zu unserem Hauptreiseziel machen, aber Bolivien hat es uns eindeutig mehr angetan.

Guayaquil entpuppte sich zu allem Überfluss noch als die mit Abstand hässlichste Stadt, die wir bis jetzt gesehen hatten. Das Zentrum ist laut, hässlich, voller hupender Busse und vor allem ohne Wäscherei. Für über eine Stunde versuchten wir eine zu finden, ohne Erfolg. Es war sogar schwer ein Geschäft oder einen Supermarkt aufzutreiben. Positiv bleibt am Ende des Tages festzuhalten, dass wir ein sehr günstiges Hotel fanden und wir ein paar überaus freundliche Menschen auf der Straße antrafen. Vielleicht fühlen sich die Guayaquiler aufgrund der Hässlichkeit ihrer Stadt schlecht und versuchen das durch spontane Hilfsbereitschaft auf der Straße wettzumachen. :-) So schlimm und schlecht dieser Tag auch verlaufen war, alles war bald vergessen, denn von nun an wurde es einfach nur mehr gigantisch.