In der Nacht auf den 3. Juli ging die Reise weiter zur Isla Floreana. Diese Insel ist nach dem ersten ecuadorianischen Präsidenten benannt, der so intelligent war die Inseln für Ecuador zu beanspruchen. Außerdem ließen sich hier die ersten Siedler nieder. Heute leben allerdings nur mehr etwas mehr als 100 Menschen hier, die wir nicht einmal zu Gesicht bekamen, weil wir auf der anderen Seite ankerten. Am Morgen machten wir eine kleine Wanderung über die Insel. Wir dachten, es wäre eh nur am Strand wie am Tag zuvor und verzichteten auf unsere Fußbekleidung. Zunächst war es auch so, wir gingen zu einer kleinen Lagune wo ein einzelner rosa Flamingo nach Shrimps fischte. Der arme war wohl verstoßen worden, was aber unser Glück war, denn es war der erste richtige Flamingo in freier Wildbahn, den wir auf unserer Reise zu Gesicht bekamen und das obwohl wir bereits an Orten waren, wo sich tausende davon aufhalten, jedenfalls wenn wir nicht dort sind.
Hille am Strand
Anschließend spazierten wir über einen nicht mehr so angenehmen, mit Kieselsteinen versehenen Pfad zu einer anderen kleinen Bucht. Der Strand war traumhaft schön. Ein einzelner Vogel mit sehr langen Beinen spazierte im perfekten Sand die Brandung entlang, im Hintergrund erhob sich ein Hügel und etwas weiter von den Wellen entfernt wuchsen sonderbare grüne Pflanzen direkt auf dem Sand. Carmen erklärte uns, dass Wasserschildkröten unter diesen Pflanzen im Sand ihre Eier vergraben und die Pflanzen eine wichtige Rolle als Stabilisator für den Untergrund spielen würden. Sie wusste wirklich so einiges. Wir machten ein Gruppenfoto am Strand und spazierten wieder zurück.
Gruppenfoto am Strand
Danach war endlich wieder Schnorchelzeit, aber nur Adam und ich trotzten der Kälte und wagten uns ins Wasser. Wir wurden auch redlich dafür belohnt, denn wir sahen unsere erste Wasserschildkröte, viele bunte Fische, wovon einer besonders cool schimmerte (wohl ein Regenbogenfisch oder so) und sogar einen Manta-Rochen.
Am Nachmittag fuhren wir weiter zur sogenannten Post Office Bay, dem Ort, wo der erste Briefkasten der Inseln installiert wurde. Er bestand aus einem Fass, in dem die Seeleute ihre Briefe legten und gleichzeitig schauten, ob nicht ein Brief dorthin wollte, wohin sie gerade unterwegs waren. Diese Briefe nahmen sie dann mit und stellten sie zu. Eine sehr nette Idee. Auch wir durchsuchten die Post, fanden aber nur einen einzigen Brief, der nach Österreich wollte, noch dazu in ein Kaff, das wir gar nicht kannten und mit einem Text, der auf eine weibliche Postbotin abzielte. Deshalb ließen wir ihn dort.
Dann spazierten wir weiter zu einem der sogenannten Lavatubes (Lavaröhre). Ich hatte erneut meine Flipflops auf dem Schiff gelassen, weil ich der Meinung war barfuß eh gut unterwegs zu sein. Diese Entscheidung sollte ich bald bereuen, denn der Weg war steinig und unbequem. Carmen zeigte uns die verrosteten Überreste von einem Kolonisierungsversuch. Ein paar Norweger dachten sie könnten hier eine kleine Siedlung errichten, scheiterten aber kläglich (diese Versager). Schließlich erreichten wir die Höhle, die irgendwie aus Lava entstanden ist. Offenbar kühlte die äußerste Schicht eines Lavastroms hier ab und verfestigte sich, während der innere Teil geschützt war und weiter ins Meer floss. So entstand eine große dunkle Höhle, die der Legende nach von Piraten als Versteck benutzt wurde. Schatz fanden wir leider keinen, trotzdem war es sehr interessant über sehr steile Holztreppen in den Abgrund und völlige Dunkelheit hinabzusteigen.
Es war so finster in der Höhle, dass unsere Kamera nur Nahaufnahmen schaffte. So sieht das Ergebnis aus.
Meine Fußsohlen brannten als wir endlich zurück am Strand waren. Ich war wohl doch nicht so stark, wie ich dachte. Aber aller Schmerz war vergessen als wir wieder unsere Schnorchelausrüstung anlegten. In der folgenden Stunde hatten wir unser bestes Schnorchelerlebnis der Reise. Zunächst schwammen wir entlang einer Felsküste und begegneten drei riesigen Schildkröten, die elegant und entspannt im Wasser dahin trieben. Zwei Seelöwen gesellten sich zu uns und tauchten mit uns um die Wette. Wir hatten natürlich keine Chance was Geschwindigkeit und Beweglichkeit im Wasser betraf, aber trotzdem einen Riesenspaß damit. Danach schwammen wir auf die andere Seite der Bucht, wo weitere Felsen waren. Unterwegs begegneten uns weitere Schildkröten. Diese Tiere sind einfach zauberhaft. Sie scheinen die ruhigsten Lebewesen der Welt zu sein, sind aber trotzdem stets in der Lage mit einer einzigen Bewegung sofort außer Reichweite zu schwimmen. Ein wahrscheinlich schon sehr erfahrenes Exemplar lag in etwa 5 Metern Tiefe am Meeresgrund und beobachtete in aller Seelenruhe wie wir Hand in Hand zu ihm hinunter tauchten und ihm tief in die Augen blickten. Das störte ihn (oder sie) gar nicht. Bei den Felsen angelangt regte sich wieder viel Leben im Ozean und hunderte bunte Fische aller Art schwammen durch die Gegend. Bald wurde uns aber etwas kühl und wir beschlossen zurück zum Strand zu schwimmen, als uns doch tatsächlich noch ein kleiner Hai über den Weg schwamm. Er war vielleicht 50 cm lang, weiß wie Schnee und leider auch viel schneller im Wasser als wir und so war es eine freudige aber nur kurze Begegnung. Das Meer war am Abend besonders ruhig und wie dafür geschaffen sich an Deck zusammen zu setzen, den Sonnenuntergang zu genießen und eine gute Zeit zu haben. Dieser Tag wird uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben.
Den letzten Tag unserer Tour verbrachten wir auf der Isla Isabella, der größten Insel des Archipels. Wir landeten am Steg des Hafens, wo wir gleich eine sehr hohe „Hafenbenutzungsgebühr“ bezahlen durften, was uns vorher keiner gesagt hatte. Der Ärger darüber war aber spätestens dann verflogen, als wir über einen kleinen Steg spazierten, der an einem winzigen See entlang führte. Hier versammelten sich zahlreiche Flamingos, die nur darauf warteten von uns fotografiert zu werden.
Anschließend besuchten wir das hiesige Breeding Center, eine Aufzuchtstation für Galapagosschildkröten. Insgesamt gab es 15 verschiedene Arten dieser riesigen Tiere auf den Inseln, 2 sind allerdings bereits ausgestorben, der Rest ist mehr oder weniger vom Aussterben bedroht. Importierte Tiere (Hunde, Katzen, Kühe, Ratten…), die ihnen das Futter streitig machen oder die Eier der Schildkröten fressen oder zerstören sind der Hauptgrund dafür. Wahrscheinlich trugen auch die ersten Schiffe, die hier vorbei kamen zur Dezimierung bei, denn weil Schildkröten bis zu ein Jahr lang ohne Futter auskommen können wurden sie zu Hunderten auf die Schiffe verfrachtet um als Frischfleischreserve zu dienen. Nicht sehr nett. Das besondere an diesen Schildkröten ist, dass sich praktisch auf jeder Insel eine oder mehrere Spezies im Laufe der Jahre entwickelt haben, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Auf Isabella werden zwei Arten davon aufgezogen, um deren Zahl zu stabilisieren. Nach einigen Jahren werden die kleinen Schildis dann in die Freiheit entlassen.
Das lustige an der Station ist, dass die Schildkröten genau wissen wo das Futter herkommt und sich deshalb alle in Zeitlupe auf den Weg zum Rand des Geheges machen sobald dort Menschen auftauchen. Zufällig wurde gerade wie wir dort waren gefüttert und wir wurden Zeugen dieses Spektakels. Die Tischmanieren ließen etwas zu wünschen übrig, denn es wurde unter- und übereinander geklettert und gerungen und manch ein kleineres Exemplar musste lange kämpfen, bis es endlich zu seinem Fressen kam. Die Station besteht aus mehreren freien Gehegen, wo die Tiere in verschiedenen Alterskategorien gehalten werden. Die Kleinsten müssen durch einen Käfig vor Raubvögeln und anderen unwillkommenen Gästen geschützt werden, da sie sonst ein leichtes Opfer wären. Es gibt auch einige sehr beeindruckende große Exemplare, die für die Züchtung gehalten werden. Und als ob wir es bestellt hätten zeigte uns auch gleich eines der Männchen wie unsanft und in welcher Geschwindigkeit die Fortpflanzung bei Schildkröten so abläuft. Weibchen haben da einen schweren Stand.
und ein größeres Exemplar
Beim Fressen hört jede Freundschaft auf
Allein schon dieser Blick war die ganze Reise wert.
Zurück im Dorf hatten wir wieder Freizeit, die wir nicht so recht zu nutzen wussten und deshalb gegen 10 Uhr vormittags auf ein Bier gingen. Danach gings zurück aufs Boot. Nach dem Essen hatten wir endlich die Zeit über Bord zu springen und ein paar Fotos vom Schiff zu machen. So machten wir unserem Piratenimage alle Ehre. Anja war übrigens die einzige weibliche Teilnehmerin, die sich traute vom Schiff zu springen, alle anderen waren eher schüchtern.
Kapitan Barbaroja am Steuer...
... und beim Entspannen
Am Nachmittag brachen wir zu unserer letzten Schnorcheltour auf. Mit dem Vortag konnte sie allerdings nicht mithalten, zu schlechte Sicht und zu wenig los. Allerdings begegneten wir erneut einer Schildkröte mit der es sich super schwimmen ließ und es machte echt Spaß gegen die starke Strömung zu kämpfen.
Zu guter Letzt spazierten wir durch ein Lavafeld das als Kinderstube der Marine Iguanas gilt. Und tatsächlich türmten sich an manchen Stellen dutzende dieser Tiere übereinander. Weil sie ja schwimmen können und deshalb ständig mit Salzwasser in Kontakt kommen haben diese Echsen ein System entwickelt, mit dem sie das Salz aus dem Wasser in einem Organ nahe der Nase kristallisieren und ausscheiden können, um so den Salzhaushalt zu kontrollieren. Das Ausscheiden sieht dann wie ein heftiges Niesen aus und macht die Tiere nicht unbedingt appetitlich. Außerdem kamen wir auf diesem Spaziergang an einem Kanal vorbei, eine Art Schlafzimmer für whitetip reef sharks (Weißspitzen-Riffhai), von denen auch gleich ein paar anwesend waren. Diese waren auch wesentlich größer als der, den wir beim Schnorcheln gesehen haben und die Begegnung im Wasser wäre dann vielleicht auch etwas anders verlaufen.
Marine Iguanas auf dem AA-Lavafeld
und vor dem Meer als Hintergrund
Auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende und so war es auch mit diesem. Am nächsten Morgen (nach einer etwas holprigen Nacht) kamen wir wieder in Puerto Ayora an. Als letzter Programmpunkt stand die Charles Darwin Forschungsstation auf dem Programm, eine ähnliche Aufzuchtstation wie auf Isabella. Highlight war der lonesome George (der einsame Georg), ein altes Männchen, das das letzte seiner Art ist und das 1971 auf Isla Pinta gefunden wurde. Alle Versuche ihn zur Fortpflanzung zu bewegen schlugen bisher fehl, aber immerhin hat er zwei Weibchen als Zimmerkolleginnen. Auch andere ältere Schildis werden in der Station gehalten. Sie wurden den Inselbewohnern im Laufe der letzten Jahrzehnte abgenommen, die sie als Haustiere hielten. Aus irgendeinem Grund kennt man die genaue Spezies der Tiere nicht und darum (oder warum auch immer) kriegen diese armen alten Männchen nie Damenbesuch. Allein schon der Gesichtsausdruck der Schildkröten ist eine Reise nach Galapagos wert.
Schildi im Portrait
Danach hieß es Abschied nehmen. Maya, Lital und Lars fuhren zum Flughafen, Magnus ging zurück aufs Boot und Lee und Kim hatten uns schon am Vortag verlassen, weil einer der beiden so schlecht wurde. Ich tat mich immer ein wenig schwer damit sie auseinander zu halten. Nur Adam begleitete uns auf der Unterkunftssuche, die ohne Probleme ablief.
Am Nachmittag hatten wir uns mit Carmen einen Treffpunkt ausgemacht, denn wir durften noch am Nachmittagsprogramm teilnehmen, obwohl unsere Tour eigentlich schon beendet war. Mit einer neuen Gruppe fuhren wir zu den sogenannten Zwillingen, zwei riesigen Vulkankratern gleich neben der Hauptstraße. Danach ging es weiter zu einer Farm, wo wir einen Riesenschildkrötenpanzer ausprobieren und Riesenschildkröten in freier Wildbahn beobachten konnten, bevor wir eine weitere Lavatube besuchten. Diese war ganz anders als jene auf Floreana. Die Wände waren glatt und hoch, das ganze sah eher aus wie ein von Menschen gegrabener Tunnel. „Das liegt an der Art von Lava“, erklärte Carmen. Während die Pahoehoe-Lava glatt erstarrt, kristallisiert die AA-Lava unregelmäßig und bildet unangenehme Gesteinsformationen fürs barfuß gehen. Um wieder ins Freie zu gelangen mussten wir am Ende der Tour ein letztes Abenteuer bestehen und durch einen weniger als einen Meter hohen Tunnel kriechen, was wir beide mit Bravour schafften.
Teenage mutant hero turtle Hille
Wilde Riesenschildkröte beim Fressen...
... und beim Schlammbaden
Pahoehoe Lavatube auf der Insel Santa Cruz. Dieses Mal war er sogar beleuchtet und ein Foto möglich.
Am nächsten Tag, dem 6. Juli flogen wir zurück nach Guayaquil. Wir nahmen zusammen mit Adam den Bus zum Flughafen und waren sehr traurig die Inseln verlassen zu müssen. Nicht einmal die Umfrage, zu der wir von einer sehr netten, hübschen jungen Dame eingeladen wurden konnte uns besonders aufheitern. So landeten wir im hässlichen, schwülen Guayaquil und blickten voller Fernweh zurück auf die vergangene Woche.


















































