Dienstag, 12. April 2011

Puerto Natales/Nationalpark Torres del Paine

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2011 verfasst. Leider ists mit internet hier recht schwierig :-)
Wieder ist einige Zeit vergangen und dementsprechend viel passiert, aber auf anraten einer Begleitperson werde ich versuchen mich diesmal etwas kürzer zu halten :-) Leider ist es mir nicht gelungen :-P

Beginnen wir letzte Woche mit der heiß ersehnten Pinguintour. Ganz so heiß wars dann leider nicht, im Gegenteil, wir froren uns unsere hübschen Hinterteile ab. Nichtsdestotrotz wars ein toller Ausflug. Diese Vögel sind ja sowas von süß und lustig wenn sie so durch die Gegend watscheln. Die Kolonie befand sich auf einer kleinen Insel mit Leuchtturm und durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 60 bis 120 km/h und das stimmt wirklich. Die meisten Pinguine waren bereits in die Antarktis aufgebrochen, aber ein paar 1000 waren wohl noch da. Danach gings weiter zur Isla Marta wo eine Seelöwenkolonie liegt, die wir vom Boot aus betrachten konnten. Das eigentlich Spannende war dabei aber eher Anjas Gesicht, das mit jeder Welle ernster und konzentrierter wurde. Zurück an Land setzten wir unseren grandiosen Plan nach Puerto Natales zu stoppen in die Tat um. Ziemlich in der Mitte von Nirgendwo stellten wir uns auf die Straße, trotzten den orkanartigen Windböen und hielten den vorbeirauschenden Vehikeln den Daumen entgegen. Bald blieb auch ein netter alter Deutscher stehen um uns mitzuteilen, dass er gar nicht nach Puerto Natales fährt. Wir blieben optimistisch. Auch als eine große, schwarze Wolke die Sonne verdunkelte. Aber als sie dann recht heftig begann uns zu begießen wurde uns doch etwas kalt, mit Schüttelfrost und so. Zum Glück erlaubten uns unsere Guides uns kurz in ihr Auto zu setzen. Als wir dann schon keine Hoffnung mehr hatten blieb doch noch eine nette junge Dame (Arlen oder so) stehen und nahm uns mit, brachte uns sogar bis vor ein nettes Hospedaje einer Bekannten. Zwischendurch mussten wir allerdings kurz anschieben, weil ihr Auto den Geist aufgab. In Puerto Natales regnete es natürlich auch, trotzdem mieteten wir frohen Mutes ein Zelt und 2 warme, duftende Schlafsäcke und brachen tags darauf in den Nationalpark Torres del Paine auf.

Nach 5 stündiger Wanderung (alternativ zu einer 1/2 stündigen, teuren Bootsfahrt, wir sind ja arm und sportlich :-)) erreichten wir unser erstes Camp. Die Gegend erinnerte uns stark an das Herr der Ringliche Rohan, aber weder stolze Rohirim noch unangenehme Orks tauchten auf. Konnten sich wohl den Flug aus Neuseeland hierher nicht leisten. Besonderes Highlight war ein ziemlich pingelig genau abgenagtes Pferdeskelett am Wegesrand, weswegen wir uns anschließend das eine oder andere Mal umdrehten um sicherzugehen, dass der Puma, den wir vom Bus aus gesehen hatten nicht Appetit auf Hille oder Anja hat. Das Aufbauen des Zeltes klappte auf Anhieb optimal und nachdem wir unser Essen vor den Ratten in Sicherheit gebracht (da gibt’s vielleicht Schauergeschichten dazu!) und die unverschämt teure Gebühr entrichtet hatten verkrochen wir uns bald ins Zelt. Darauf folgten etwa 22 Stunden Dauerregen, unterbrochen nur von 2 Stunden blauem Himmel am nächsten Morgen, die uns zu der Entscheidung verleiteten noch im Nationalpark zu bleiben. Aber bereits nach etwa einer Stunde Fußmarsch gingen wir wieder im Regen, der bis zu unserer Ankunft im nächsten Lager anhielt und teilweise tropensturmartige Ausmaße annahm. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich außerhalb eines Schwimmbeckens jemals so nass gewesen wäre. Lustigerweise hörte der Regen aber fürs Zeltaufbauen kurz auf, trotzdem zitterten wir am ganzen Leib und versuchten für den Rest des Tages uns in unseren feuchten Schlafsäcken aufzuwärmen. Bei Temperaturen, die dem Gefrierpunkt nicht allzu fern sind ist das eine nicht unbedingt triviale Angelegenheit. Unsere Entscheidung stand dann bald fest. Am nächsten Tag wollten wir versuchen den etwa 5 stündigen Marsch zum Bus irgendwie hinter uns zu bringen um diesen schrecklichen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Doch natürlich kam es anders. Der unheimlich durch die Baumwipfel tosende Wind (so stell ich mir das Geräusch eines Tsunamis vor) vertrieb über Nacht die Wolken und am Morgen färbte die aufgehende Sonne die über unserem Zelt thronenden Cuernos del Paine blutrot. Ein Fuchs, der, wie wir später erfuhren, einem ziemlich von sich selbst überzeugten Amerikaner das gesamte Essen stibitze schaute uns beim Zusammenpacken zu und schon waren wir unterwegs. Jetzt bekamen wir endlich eine Idee, warum der Torres del Paine Nationalpark als einer der schönsten Südamerikas gilt. Wir wanderten entlang eines unglaublich blauen Sees (überhaupt sind hier alle Seen viel blauer und das auch noch in verschiedensten Blautönen, und das sag ich, als einer der nur 9 Farben kennt, also muss es ziemlich supi sein :-)), vorbei an den mächtigen Gletschern der Cuernos del Paine, sahen die karge Einöde am gegenüberliegenden Seeufer und genossen die wärmende Sonne. Sicher erreichten wir das ziemlich versnobte Hotel Las Torres, wo wir unsere nassen Sachen in der Sonne trockneten, was dem Hotelmanager nicht besonders gefiel. Nach reiflicher Überlegung und Sichtung des Wetterberichts (Regen!) beschlossen wir noch einen Tag zu bleiben und gingen noch bis zum über 3 Stunden entfernten Campamento Torres, von dem aus der Aufstieg zu den berühmten Torres del Paine beginnt und das wohl über der Schneefallgrenze der letzten Tage lag. Zum Glück blieb es trocken und so kuschelten wir uns angezogen in unsere jeweils 2 Schlafsäcke (1 mitgebrachter, 1 gemieteter). Besagtem Schnee war es auch zu verdanken, dass der Aufstieg zum Aussichtspunkt am nächsten Morgen anstatt der angeschriebenen 45 Minuten eine gute Stunde dauerte und wir leider das berühmte Glühen der Torres del Paine (die 3 Zinnen sind eh größer :-)) bei Sonnenaufgang um etwa 3 Minuten verpassten. Trotzdem waren wir froh darüber wenigstens diesen Teil des sogenannten W-Rundgangs geschafft zu haben, nachdem schon das berühmte Valle del Frances und der Glaciar Grey dem Regen zum Opfer gefallen waren. Auf dem Abstieg zum Hotel holten uns unsere liebsten Begleiter der letzten Tage (Regen und Wind) wieder ein und wir vergnügten uns noch eine gute Stunde gemeinsam. Am Hotel trafen wir auch den netten Schweizer Gian wieder, der leider ziemlich unglücklich mit seiner 10-Tage-Tour war und in Anbetracht der Wettersituation am 6. Tag abbrach. 

Letztendlich war der Ausflug in den Park aber ein tolles Abenteuer voller Entbehrungen und Schweiß, welcher den Mädels neben uns im Bus zurück nach Puerto Natales wohl nicht zur Entzückung getrieben hat oder wie hat man das über-die-Nase-ziehen des t-shirts sonst zu verstehen? Erschöpft und glücklich über die erste Dusche nach 4 Tagen fielen wir dann bald ins Bett und ruhten uns aus.

Highs and Lows in Torres del Paine
Highs: Die Gegend. Es ist einfach traumhaft schön und wild dort. Wir sahen Guanacos, Ñandus, Flamingos, einen Puma (alles bereits aus dem Bus), Wildpferde, Gletscher, Seen, dichte Wälder, karge Einöden und trafen viele nette Leute
Lows: Das Wetter. Auch wenn es im Nachhinein einigen Spaß macht darüber zu schreiben, nochmal erleben muss ich so ein Sauwetter nicht unbedingt.
Meine 2. Wanderhose. Die ist nicht wirklich zum wandern geeignet, hatte ganz wund gescheuerte Oberschenkelinnenseiten, autsch :-) Zum Glück hab ich ja meine Leibärztin mit dabei.

Vergeblicher Stoppversuch in Puerto Natales mit nervigem Hund, der uns vor den Autos beschùtzen wollte und alle verbellte (zumindest alle asiatischen Autos)

Sonnenaufgang vor der Pinguintour

Pinguine auf der Isla Magdalena





Wanderung durch Rohan, leider ohne Orks zum verpruegeln...

...dafuer mit einem leckeren Wildpferd. Mahlzeit... :-)

Aussicht auf den Paine Grande (links), das Valle del Francese (mitte) und Los Cuernos (rechts)

Unser Zelt

Trockner en natural

Ein Berg (Name vergessen), wahrscheinlich einer von den Los Cuernos


Sachen trocknen vor dem 5 Sterne Hotel Las Torres bevor uns der Manager verscheuchte

 Die beruehmten Torres del Paine

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