Am Morgen des 09. Juli brachen wir von Latacunga aus auf zum sogenannten Quilotoa Loop, einer Rundreise durch die nahe Bergregion. Auf dem Weg zum Busbahnhof sprachen uns zwei Studenten an, die für die Uni Interviews mit Englisch sprechenden Personen machen mussten. Wir waren zunächst sehr skeptisch, wollten aber auch nicht unhöflich werden. So begleiteten sie uns zum Busbahnhof und wollten tatsächlich nur ein Interview machen. Die Aufgabe bestand darin 7 Fragen auf Englisch zu stellen. Zum Beweis wurde das Ganze auch noch gefilmt. Fanden wir sehr lustig, besonders weil einer der beiden zu schüchtern war um vor der Kamera mit uns zu reden.
Wie üblich wurden wir auch hier von Busfahrern und –begleitern bestürmt ihren Bus zu nehmen, denn ihrer fährt nämlich immer früher weg als alle anderen. Einen davon nahmen wir letztendlich auch, bestanden aber auf die versprochenen Sitzplätze und so verscheuchte der Busbegleiter einen jungen Mann nach hinten. Das kam wohl generell nicht so gut an, jedenfalls wurde im Laufe der Fahrt des Öfteren heiß hinter uns diskutiert. Es ging hinauf in die Berge, also noch höher hinauf, Latacunga liegt ja schon auf 2760 Metern. Unser erstes Ziel war Zumbahua, ein kleines Dorf umrahmt von grünen Hügeln.
Die Busfahrt war geprägt von Baustellen und sich übergebenden Mitreisenden, was in Anbetracht dessen, was die so essen (rosa Popcorn und anderer picksüßer Scheiß) nicht unbedingt überrascht. Zumbahua ist wohl das authentischste Dorf, das wir bis dahin zu Gesicht bekamen. Leider ist das nicht positiv gemeint, denn überall im und rund um das Dorf liegt Plastikmüll ohne Ende und halbverhungerte und nicht sehr appetitlich aussehende Hunde säumen die Straßen.
Der Grund für den Stopp dort war ein Samstagsmarkt, den wir uns Anschauen wollten. Eigentlich hätten wir dank lonely planet erst am Sonntag mit dem Markt gerechnet, dass er dann aber schon am Samstag war störte aber gar nicht. Wir hatten ihn uns allerdings etwas größer und bunter vorgestellt und hätten wir gewusst wie klein er ist, wären wir wohl noch am gleichen Tag weiter gefahren, so aber hatten wir unsere Unterkunft bereits gesucht und blieben über Nacht. Es war schön und interessant über den Hauptplatz zu spazieren und zu sehen was so alles angeboten wurde. Besonders das Kulinarische interessierte uns natürlich und so kam ich nicht drum herum ein Stück Schweinekopf zu probieren. Schmeckt wie pures Fett, was wohl daran liegt, dass es hauptsächlich pures Fett ist. :-)
Bei diesem Schweinchen musste ich einfach ein Stück probieren
Ein alter Mann mit Nähmaschine reparierte die Schlaufe unseres kleinen Rucksackes, die seit Wochen drohte herunter zu fallen. Er leistete auch wirklich gute Arbeit, konnte sich aber dann selbst das Lachen kaum verkneifen, als wir ihm tatsächlich die verlangten 2 Dollar zahlten. Wir dachten uns, er hat seine Freude damit und er war wenigstens so ehrlich danach zu grinsen.
Wir hatten noch einen ganzen Nachmittag Zeit und wussten nicht so recht was wir damit anfangen sollten. So fragten wir unsere überaus freundliche Gastgeberin, ob wir hier nicht irgendwo spazieren gehen könnten. Prompt schickte sie ihre kleine Tochter los, damit uns diese einen Weg zeigt. Die Tochter war davon nicht so begeistert, folgte aber aufs Wort. Wir hatten schon bessere Wanderungen mit weniger Müll erlebt und auch nicht besonders viel Lust weit zu gehen, so machten wir es uns an einer Stelle mit guter Aussicht gemütlich. Natürlich schlug kurz darauf das Wetter um und es war besser zurück zu gehen. Es folgte ein entspanntes Bier am Hauptplatz und „leckere“ Zimtsalami im Zimmer. In Latacunga hatten wir uns für 1,60 Dollar ein „schweizer Messer“ aus China gekauft und konnten die Wurst so wenigstens aufschneiden, was eindeutig den Geschmack verbesserte.
Tags darauf ging die Reise weiter zur etwa 14 km entfernten Laguna Quilotoa. Ein Mann sprach uns an, ob er uns seine Taxi-Dienste anbieten könne, wir lehnten dankend ab und starteten zu Fuß. Und kaum waren wir 500 Meter weit aus dem Dorf draußen hielt doch tatsächlich ungefragt ein Pickup neben uns und fragte, ob wir nicht mitfahren wollten. Gratis. Natürlich schlugen wir das Angebot nicht aus und genossen von der Ladefläche aus die Landschaft.
Die Laguna Quilotoa ist ein Kratersee, der wunderschön vom gut erhaltenen Vulkankrater umschlossen wird. Das wussten wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht und so fielen unsere Kinnladen erst einmal nach unten, als wir einen schmalen Gang im Sandstein durchquert hatten und sich der See vor uns ausbreitete. Ein beeindruckender Anblick.
...bevor sich der See vor uns auftat
Man beachte wie kunstvoll die Blumen im Vordergrund eingefangen wurden
Der Weg nach unten war steil und sandig, aber nichts konnte uns aufhalten. Allerdings war mit schwimmen nix, denn das Wasser war wirklich saukalt und außerdem voller Pflanzen, igitt igitt. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, machten wir uns wieder an den Aufstieg. Wir mussten zahlreiche Angebote für einen Pferderitt nach oben ausschlagen und mehrmals neidvoll zusehen, wie andere das nicht taten und sich bequem hochtragen ließen. Aber nach knapp einer Stunde hatten wir die etwa 200 Höhenmeter Sand hinter uns und wurden sogar von ein paar ecuadorianischen Sonntagsausflüglern (die Laguna ist offensichtlich ein wirklich sehr beliebtes Ziel) für den Aufstieg beinahe als Helden verehrt.
Es war erst früher Nachmittag und unser eigentliches Ziel war Chugchillan, ein Dorf noch ein paar Kilometer weiter der Straße entlang. Eigentlich wollten wir gehen, aber das Wetter machte keinen besonders guten Eindruck, unsere Füße im Übrigen auch nicht und als dann auch noch ein Bus vorbeikam konnten wir nicht widerstehen und stiegen ein. Die Fahrt dauerte dann auch noch fast eine Stunde und wir wären zu Fuß wohl lange unterwegs gewesen (dass es auch einen kürzeren Wanderweg gegeben hätte wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht).
Chugchillan ist im Gegensatz zu Zumbahua ein wirklich sehr nettes kleines Dorf. Gerade als wir ankamen spielte eine Blasmusikkapelle vor der Kirche und mehrere ältere Männer und Frauen bewegten sich zuckersüßen Wein trinkend im Takt dazu. Daneben spielten andere Dorfbewohner Volleyball. Der Sonntag wurde hier also in vollen Zügen genossen. Wir machten am späten Nachmittag noch einen kleinen Spaziergang und holten uns was zum Essen (der Halbpensionspreis im Hostal war uns zu teuer), bevor wir mal wieder früh ins Bett fielen.
Der nächste Tag hatte es in sich. Wir wollten zum kleinen Bergdorf Isinlivi wandern, ein recht ansprechendes Stück. In der Unterkunft hatten wir eine detaillierte Wegbeschreibung bekommen, der wir brav folgten. Zunächst ging es ein Stück der Straße entlang, bevor wir rechts auf einen Pfad abbogen. Sogleich kamen wir an ein paar Kühe hütenden Einheimischen vorbei. Deren Hunde fanden den Besuch alles andere als angebracht und einer, so ein kleiner Giftzwerg zwickte Anja sogar ins Waderl. Das mit der Tiererziehung ist hier übrigens auch nicht so hoch angesiedelt in der Prioritätenliste.
Als wir ein paar Häuser erreichten ging es steil bergab zu einem kleinen Dorf, dann einen Fluss entlang, den wir über einen Baumstamm überquerten und auf der anderen Seite ging es schließlich wieder den Berg hinauf. Die Wegbeschreibung war sehr detailliert bis wir an einen Punkt kamen, wo die Beschreibung sowohl für rechts als auch für links gepasst hätte. Wir entschieden uns für rechts und folgten dem Pfad durch enge Schluchten im Sandstein steil bergauf. Oben angekommen realisierten wir, dass es natürlich der falsche Weg gewesen war und so mussten wir wieder hinunter. Bei den Wegen handelte es sich eben nicht um einen Wanderweg für Touristen, sondern um Pfade, die von den hiesigen Bauern benutzt werden und davon gibt es sehr viele. Das Wetter in dieser Gegend ist mehr als wechselhaft. Insgesamt regnete es an diesem Tag 3 Mal mehr oder weniger kurz, immer unterbrochen von Sonnenschein.
Landschaftsfoto
Die letzte Brücke vor Isinlivi, von hier aus gings allerdings nochmal ein gutes Stück bergauf.
Von nun an verzweigte der Pfad immer wieder und nicht immer war es offensichtlich welcher der richtige war. So machten wir noch einmal einen unfreiwilligen Umweg und überquerten einen Hügel, statt ihn zu umrunden. Nach 5,5 Stunden erreichten wir schließlich unser Ziel, das nette Dörfchen Isinlivi. Wir setzten uns vor einen Hauseingang um kurz zu rasten, ohne dass wir merkten, dass wir uns genau vor das Hostel gesetzt hatten, das wir eigentlich suchten. Im Hostel arbeiteten zwei amerikanische „Voluntäre“, die sich um die seltenen Gäste kümmerten und sonst aber gar nix zu tun hatten. Sie verdienten zwar nix, aber man muss rhetorisch schon sehr gewieft sein, um diese Art von Freiwilligenarbeit als humanitär oder als Hilfe für arme Leute umschreiben zu können. Besonders weil diese Unterkunft für ecuadorianische Verhältnisse sehr sehr teuer war. Wir taten uns deshalb auch sehr leicht mit der Entscheidung einmal über die Straße zu gehen und die zweite Unterkunft des Dorfes zu erwählen, wo wir nur halb so viel bezahlten.
Eigentlich hatten wir uns eine Ruine aus der präinka-Zeit nahe des Dorfes erwartet, aber wie sich bald herausstellte, war es lediglich ein Hügel mit einer Freilichtkirche darauf und ohne Ruinen. Zwar sagten sowohl unsere Gastgeberin als auch die Amis, dass der Hügel sehr alt sei, aber davon sieht man halt nix. Am Abend bekamen wir ein leckeres Abendessen in der Unterkunft und anschließend setzte sich noch Miri, die Schwester der Gastgeberin, zu uns und plauderte mit uns über Gott und die Welt.
Am nächsten Tag hatten wir die Wahl entweder zu Fuß weiter nach Sigchos, den größten Ort der Gegend, zu wandern oder mit dem Milchlaster mitzufahren. Obwohl uns eine sehr coole Fahrt in Aussicht gestellt worden war entschieden wir uns für den Fußweg. Erneut hatten wir eine Wegbeschreibung zur Verfügung, ironischerweise genau von jenem Hostel angefertigt, in dem wir gar nicht schliefen. Wir folgten zunächst der Straße, taten uns dann aber etwas schwer den Fußweg hinunter zum Fluss zu finden, der erneut steil bergab verlief. In einem winzigen Dorf mit 26 Einwohnern, wie uns ein entzückender, etwas verwirrter alter Mann erzählte, der sehr auf Gesellschaft aus war, aber immer wieder das Gleiche fragte, machten wir Rast. Danach stand erneut eine Flussüberquerung auf dem Programm. Der alte Mann sagte uns, wir müssten links an der Kirche vorbei, auf der Beschreibung stand rechts. Erneut entschieden wir uns für rechts, erneut war es falsch.
Zwar führte der etwas sumpfige rechte Weg zum Fluss hinunter, aber dort gab es keine Brücke und auch keine Möglichkeit dem Fluss zu folgen. So versuchten wir unser Glück flussaufwärts, wo wir in der Ferne eine kleine Brücke erspähten. Allerdings hatte es in der Nacht heftig geregnet und die Folgen waren der Wiese am Flussufer noch deutlich anzusehen. So schlängelten wir uns an einem Stacheldrahtzaun entlang um den Sumpf zu umgehen. Irgendwann kamen wir aber auch hier nicht weiter und es blieb uns nichts übrig als über einen Holzstock und einen Stein etwas weiter hinten auf die andere, trockenere Seite der Wiese zu balancieren. Mir gelang das nur mittelmäßig gut, denn ich musste aus mangelndem Gleichgewichtssinn (ich hatte aber auch einen schweren Rucksack, da ist das nicht so leicht) einen fatalen Schritt in den Sumpf machen. Sofort sog sich mein eh schon lädierter Schuh mit einer Mischung aus Wasser, Schlamm und Kuhverdauungsendprodukten voll. Ein nicht unbedingt angenehmes Gefühl. Anja machte die Sache besser, hatte aber auch eine stützende Hand als Unterstützung.
Über diesen Fluss mussten wir drüber, ein schwieriges Unterfangen
Der Rest des Weges war dann einfach, führte zunächst auf der anderen Flussseite ein Stück flussabwärts, bevor es über 3 mehr oder weniger steile „Abkürzungen“ den Berg wieder hinauf ging. Nach 4,5 Stunden erreichten wir endlich unser Ziel, erschöpft, aber froh noch ein paar Wandertage eingelegt zu haben. Denn nach Galapagos fiel uns jede Art von Bewegung wesentlich schwerer als vorher. Ans sich verwöhnen lassen gewöhnt man sich halt schneller als ans Gegenteil.
Von Sigchos aus nahmen wir einen Bus zurück nach Latacunga und übernachteten dort noch ein weiteres Mal. Nachdem die Versuche einen Schuster zu finden in Zumbahua, Isinlivi und Sigchos jeweils an der Arbeitsunwilligkeit dieses Berufsstandes gescheitert war (alle waren geschlossen), fand ich nun endlich in Latacunga einen solchen, der mir die inzwischen gewaltigen Löcher in meinen Markenschuhen professionell und noch dazu unglaublich billig reparierte. Bis heute hatte ich keine Probleme mehr damit. So endete der aufregende und anstrengende Quilotoa Loop für uns, und von hier aus ging es fast direkt in den Dschungel weiter.












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