Samstag, 23. April 2011

Von Esquel nach Bariloche



Nach einer traumhaft erholsamen Nacht im Hostel machten wir uns am Vormittag auf um am Stadtrand von Esquel eine Mitfahrgelegenheit nach El Bolson zu finden. Es dauerte keine 10 Minuten, da kamen Clara und Joaquin in ihrem VW Bus (siehe letzter Eintrag) vorbei und schon waren wir wieder unterwegs.


Unseren zweimaligen Mitnehmer Clara und Joaquin mit uns und dem VW Bus



In El Bolson angekommen besuchten wir einen netten Künstlermarkt und begriffen, warum der Ort als Hippiehochburg gilt. Jede Menge teils recht heruntergekommene mit Dreadlocks verzierte junge und ältere Männer und Frauen boten selbstgebastelten Schmuck zum Verkauf. Ansonsten gibt’s in El Bolson außer etwa 1 Million Cabañas nicht viel zu sehen. Die zwei Nordamerikaner im Hostel schwärmten zwar von einem Wald in dem Figuren in tote Baumstämme geschnitzt sind, aber wohl eher um uns dazu zu bewegen das Taxi dorthin zu teilen. Der Ort ist sehr auf den (Binnen-)Tourismus ausgelegt, es gibt viele Restaurants und Souvenirläden aber das wars auch schon.

Am nächsten Tag, also vorvorgestern, trafen wir uns mit unserem ehemaligen Vermieter Ritchy, der sich in El Bolson ein neues Leben aufbauen will auf einen Kaffee und eine nette Plauderei und danach gings wieder ans Stoppen. Aber leider bleiben die El Bolsonen nicht so gerne stehen (zudem hat sich so ein unsympathischer Mensch einfach ein paar Meter vor uns aufgestellt!) und weil wir nicht noch eine Nacht dort verbringen wollten nahmen wir den Bus nach Bariloche. 
Diese ebenfalls Touristenhochburg begrüßte uns mit tiefgrauem Himmel, frischen Temperaturen und einem nervigen Promoter, der uns unbedingt sein Hostel andrehen wollte. Wir ließen uns nicht beirren und suchten das am besten klingende Hostel im Lonely Planet auf. Zum ersten Mal erhielten wir nun die Nachricht, dass das Hostel ausgebucht sei. Blöd. Zum Glück wusste die Deutsche an der Rezeption aber eine Lösung und rief in einer befreundeten Unterkunft an. Ein junger Mann mit Dreadlocks (Tommy) kam uns kurz darauf abholen und brachte uns in die bis hierher mit sehr großem Abstand beste Unterkunft unserer Reise. Es ist einfach supi hier. Sauber, sehr gut ausgestattet (Steinboden, große saubere Küche mit Steinarbeitsflächen, cooler Gemeinschaftsbereich und wifi) und menschenleer. Ganz begeistert beschlossen wir auch für mehrere Nächte hier zu bleiben.
 Das Green House Hostel in Bariloche. Sehr empfehlenswert.

Und wir verbrachten viel Zeit im Hostel. Vorgestern regnete es nämlich den ganzen Tag. Nur ein kurzer Ausflug auf einen Kaffee mit Kuchen bzw. eine Cola mit Eis war drin. Eigentlich wollten wir auch versuchen ein Auto zu mieten, uns Infos über die Region holen und Agus (siehe vorherige Einträge) in seiner Unterkunft besuchen, aber der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung. 

Gestern war es dann besser. Scheinbar. Als wir gegen 11 mit dem Bus losfuhren um in einem etwa 20 km entfernten Nationalpark spazieren zu gehen, schien beinahe die Sonne. Als wir ankamen gab es aber zunächst Regen, dann Schneeregen und dann dichtes Schneetreiben. Eigentlich waren wir ja weiter  in den Norden gekommen um der Kälte zu entfliehen aber sie scheint uns ständig einzuholen. Nun gibt es ja gewisse Großväter, die meinen es gibt keine schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung, aber trotzdem wollten wir uns das wirklich nicht antun und nahmen den nächsten Bus wieder zurück. Ironischer Weise begrüßte uns im Hostel erneut Sonnenschein. 

So sah es aus als wir im Nationalpark ankamen...

 ... so kurz bevor wir den Bus zurück nahmen...
 ... und so als wir wieder im Hostel waren.

 Und da sind wir nun, haben alle Erlebnisse aufgearbeitet und unsere Bustickets nach Mendoza bereits in der Tasche. Gleich gehts 20 Stunden weiter in den Norden. Vielleicht ist es da endlich warm :-) In der Zwischenzeit freuen wir uns auf viele nette Kommentare, positive Kritik und neidvolle Meldungen wie gern ihr alle hier wärt. :-P

Highs und Lows zwischen Esquel und Bariloche:
Highs: Green House Hostel in Bariloche: Einfach supi! Können wir nur weiterempfehlen.
VW Bus von Clara und Joaquin: wenn wir mal ganz viel Geld haben kaufen wir uns auch so etwas.
Das Wetter in Esquel und El Bolson
Rindfleisch in Argentinien: mmmhhh… mein erster Steakversuch war zwar noch nicht perfekt (etwas zu lange gebraten), aber bei Kilopreisen von 8 bis 12 Euro, je nach Teil vom Tier kann ichs ja noch ein paar Mal probieren :-)
Lows: Das Wetter in Bariloche: Ich mein, Schneetreiben?? Muss das sein? :-) Von der angeblich so tollen Gegend haben wir deshalb auch nix mitgekriegt, es ist aber eh sehr touristisch hier und das mögen wir ja nicht so. :-)

Die Carretera Austral

Erneut ist viel Zeit seit dem letzten Eintrag vergangen, erneut haben wir viel erlebt. Ich werde versuchen mich kurz zu halten, wer eine ausführlichere Version will (die existiert :-) ) kann mich kontaktieren und bekommt sie per mail.
Nach einer langen, aber bequemen und beeindruckenden (nur Anja hat die wunderbare Einöde ohne irgendein Zeichen von Zivilisation verschlafen) Busfahrt erreichten wir am 11. April kurz nach Mittag Los Antiguos nahe der Grenze zu Chile. Ein (nerviger) Israeli, der offensichtlich (wie jeder andere) gerade dem Militärdienst entfleucht war, wollte auf der anderen Seite der Grenze, in Chile Chico, unbedingt ein Auto mit uns und 2 Chilenen mieten („Kostet nur 25 USD pro Tag und Person und man kann es zurückgeben wo man will!“ – Ja klar *augenroll*) und selbst als wir ihnen bewiesen hatten, dass es doch viel mehr kostet wurden wir sie nicht mehr recht los…
Am nächsten Tag wollten wir unseren Plan, die Carretera Austral nach Norden zu stoppen in die Tat umsetzen. Für Unwissende: Die Carretera Austral ist Chiles größtes Straßenprojekt des 20. Jahrhunderts. Sie verläuft von Puerto Montt bis nach Villa O'Higgins über mehr als 1000 km. Der Bau begann in den späten 1970er Jahren und ist noch immer nicht vollständig abgeschlossen. Der größte Teil besteht aus einer einfachen Schotterpiste und ist dementsprechend abenteuerlich. Die Carretera Austral war die erste Landverbindung in die Region Aysen, die vorher nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar war. Viele Orte wurden erst in den 80ern oder später ans Straßennetz angeschlossen. Blöderweise hatten wir den 3 anderen von unseren Plänen erzählt und nachdem aus dem Automieten nix geworden ist, wollten sie kurzerhand das Gleiche versuchen und stellten sich (leider früher als wir) an den Ortsausgang. Sehr ärgerlich. Wir blieben aber positiv und versuchten unser Glück etwas weiter außerhalb. Nach 4,5 Stunden und nur etwa 5 Autos pro Stunde mussten wir aber für diesen Tag dann doch aufgeben und blieben eher unfreiwillig noch eine Nacht länger. Unsere Stimmung war zu dem Zeitpunkt nicht besonders überragend und wurde nach einem Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen auch nicht besser. Aber wenigstens wussten wir, dass die anderen 3 auch nicht weggekommen sind (wäre ja noch schöner gewesen). Naja, es war kalt und das Wetter war schlecht und da standen wir nun am Ortsausgang und beobachteten wie die zahlreichen Autos eines nach dem anderen von der Hauptstraße abbogen und kaum eines den Ort verließ.

 Chile Chico mit der schnurgeraden Hauptstraße links





 Unser erster Stopport. Nicht besonders erfolgreich. Wenigstens war das Wetter schön.

Als wir schon beschlossen hatten uns bald etwas Warmes zu suchen und am nächsten Tag die Fähre zu nehmen blieb doch tatsächlich einer stehen und nahm uns mit (nach insgesamt 6 Stunden). Giermo so sein Name war ein eifriger Geschäftsmann, der zwecks des Rinderkaufs in dieser Gegend unterwegs war. Dementsprechend blieb er auch des Öfteren stehen um mit berittenen in Felle gehüllten Gauchos auf der Straße oder an einer estancia über den Rinderpreis zu verhandeln. „Ich kaufe sie alle!“, sagte er uns des Öfteren. Leider war er aber nicht besonders erfolgreich (soviel wir verstanden haben). Nun verstanden wir auch warum so wenige Autos Chile Chico verlassen haben und die meisten Vehikel ziemlich protzige Pickups oder Jeeps sind: für die nächsten etwa 100 km kam nichts. Dieses war dafür übersät mit Schlaglöchern. Allein die Fahrt entlang des Lago General Carrera gen Südwesten in Richtung Carretera Austral war ein Abenteuer. Wir fuhren vorbei an karg bewachsenen Felsen, steilen Abhängen, Gletschern, einer Gold- und einer Edelsteinmine, Weiden, Wäldern und jeder Menge Rindern. Alle paar Kilometer änderte sich die Landschaft. Echt supi. Das schlechte Wetter passte ausgezeichnet zur Kargheit der Gegend und erzeugte eine düstere aber auch irgendwie melancholisch-romantische Stimmung. Giermo redete ununterbrochen, wollte alles Mögliche wissen und störte sich auch nicht daran, dass wir nicht immer besonders viel verstanden. In Puerto Gaudal kaufte er uns sogar je eine Banane und eine Nektarine. Wir habens ja nötig :-)

Mit Giermo fuhren wir bis Puerto Rio Tranquillo um uns die Cavernas de Marmól anzusehen, höhlenartige Gebilde aus Marmor, die per Boot besichtigt werden können. Wie uns der Bootsführer in schönstem auswendig gelerntem Spanisch erklärte, entstanden sie aus zementartigem Material (vulkanisch), das durch den Druck der Gletscher in der Eiszeit zu Marmor umgewandelt wurde. Als die Gletscher zurückwichen wusch der See die nicht verfestigten Teile aus dem Gestein heraus und die Höhlen entstanden. Man steinige mich bitte nicht sollte das nicht ganz stimmen, es war ja immerhin auf Spanisch. Ansonsten ist in Puerto Rio Tranquillo der Name Programm. Da wir weit außerhalb der Saison dort waren, gab es dort ziemlich viel von gar nichts. Wir konnten nicht einmal andere Touristen finden, die sich mit uns die Tour teilten, damit sie billiger wird. Dafür bekamen wir eine Privatführung.


Die Cavernas de Marmól. Kalenderfoto von Anja :-)




 Wir vor der sogenannten Catedral.
 
Nach einer erfrischenden Nacht im unbeheizten Hostel wollten wir nach Coyhaique, der regionalen Hauptstadt weiter stoppen. Nun ist in Puerto Rio Tranquillo noch weniger Verkehr als in Chile Chico und so nahmen wir nach 2,5 Stunden doch lieber den Bus. Es war Anjas Geburtstag, darum wollten wir uns was leisten und gingen am Abend schick essen. Unsere erste nicht selbst gekochte Mahlzeit, lecker. Zuvor hatten wir zufällig Jenna (siehe letzte Einträge) wieder getroffen, die auf anderen Wegen per Autostop nach Coyhaique gekommen war. Ziemlich lustig.
Bereits tags darauf gings weiter nach Norden. Dieses Mal mit Teodosio, einem Grundstückswertschätzer (heißt das so? er schätzt jedenfalls den Wert von Ländereien) aus Santiago. Er war selbst zum ersten Mal in dieser Gegend unterwegs, also auch Tourist. Das hatte den Vorteil, dass er des Öfteren stehen blieb um Fotos zu machen und sogar einen Abstecher in einen Nationalpark mit seinem verwunschenen Wald (bosque encantado) mit uns machte. Die Straße war wiedermal ein Hit. Der größte Teil war asphaltiert und supi befahrbar. Die Landschaft war zunächst karg, mit einigen Weiden und jahrzehntealten toten Bäumen, die hier extrem langsam verwesen, dann kamen immer mehr und höhere Bäume hinzu. Der letzte Teil aber führte auf einer holprigen, engen Schotterpiste mitten durch einen Regenwald, der sich an steilen Hängen unter verschneiten Bergspitzen ausbreitete. Man konnte kaum einen Meter weit in den Wald sehen so dicht bewachsen war der Straßenrand. Kurz vor Puyuhuapi, wohin Teodosio unterwegs war, mussten wir gar auf eine Fähre, weil die Straße blockiert war. Puyuhuapi ist ein kleines Fischerdorf, das von 4 deutschen Auswanderern gegründet wurde und in Zeiten, in denen Wolle noch etwas wert war, wohl recht gut dastand. Heute ist es dort eher trostlos, besonders in der Nebensaison. Unser Ziel für diesen Tag war aber La Junta, 40 km weiter und so streckten wir weiterhin den Daumen in die Luft. Die blockierte Straße hatte den Vorteil, dass die spärlichen Autos jede Stunde grüppchenweise vorbeikamen und wir so etwas Zeit für Sightseeing hatten. Aber wie gesagt, trostlos und so, nach 20 Minuten war das Sightseeing wieder vorbei. Glücklicherweise kam bald ein Schulbus angefüllt mit lauter 17jährigen Mädchen vorbei und nahm uns mit. Das war vielleicht lustig. Und laut. Die Mädels schienen recht begeistert von uns (mir) und stimmten sogar etliche Liebeslieder an. In La Junta lernten wir in der Unterkunft dann noch einen sehr beeindruckenden Japaner kennen, der seit 5 Jahren und 2 Monaten die Welt mit seinem Fahrrad bereist. Wir waren echt beeindruckt von seinen 73000 Radkilometern und etwas belustigt von seinen kleinen Seitenhieben gegenüber seiner Partnerin, die ihn seit ein paar Monaten begleitet („Mir macht die Kälte ja nix aus, aber ihr ist ständig kalt.“ Usw.).

Die Straße durch den Regenwald


Gletscher mit beeindruckendem Schmelzwasserwasserfall im Nationalpark

Der bosque encantado - verzauberter Wald


So sah vielfach die Straße aus, übersäht von Schlaglöchern. Zum Glück hatte Teodosio ein SUV ;-)


 Im Bus mit lauter Mädels. Das war vielleicht ein Spaß.

Da wir uns wegen Anjas Geburtstag auch einmal etwas gönnen wollten wanderten wir am nächsten Tag zu einer netten kleinen estancia, die erstaunlich luxuriös (weiße Leintücher, privates Bad…) und gut ausgestattet war und blieben wetterbedingt (natürlich Regen und kalt) den ganzen Nachmittag in unserem erst 2. Doppelbett der Reise. Abends gab es ein leckeres von der Großmutter gekochtes Essen (Schaf) und wir unterhielten uns noch lange über das harte Leben früher, das schöne Leben heute, die vielen Touristen usw. auch wenn wir nur die Hälfte verstanden.
Unser nächstes Ziel war eigentlich Futaleufu an der Grenze zu Argentinien aber es war Sonntag und regnerisch und die Straße war noch spärlicher befahren als sonst. Außerdem gab es 15 km außerhalb von La Junta einen Rindermarkt oder sowas ähnliches, der alle Aufmerksamkeit auf sich zog. So war unser Stoppen zunächst erfolglos. Erst als ich an der Tankstelle einen LKW Fahrer direkt ansprach kamen wir ein Stück weiter, bis nach Villa Santa Lucia. Diesen Ort an der Abzweigung nach Futaleufu möchten wir beide nicht noch einmal besuchen. Als wir ankamen regnete es in Strömen, so gingen wir zur ersten Hospedaje die wir sahen um eine Unterkunft zu erbeten (es war bereit 18 Uhr). Die recht grantig wirkende Frau kam heraus, beantwortete brav unsere Fragen nach Verfügbarkeit,  Preis und Bad aber als wir uns das Zimmer ansehen wollten sagte sie plötzlich „No“, „No?“ fragten wir, „No!“ wiederholte sie und so mussten wir ohne einen für uns ersichtlichen Grund zurück in den Regen. Das Problem an Villa Santa Lucia ist nun, dass es nicht unbedingt von Unterkünften wimmelt. So durchquerten wir mehrmals den Ort, konnten aber außer teuren cabañas nichts finden. In immer nasserem Zustand fragten wir uns schließlich zu einer anderen Hospedaje (zum Glück hatte Anja am Ortseingang das Schild gesehen) durch. Ohne Aufschrift auf dem Haus war diese auch relativ schwer zu finden, aber am Ende konnten wir doch noch unsere Kleider trocknen (wir bekamen sogar ein Stück Kuchen!) und uns in ein müffelndes offensichtlich nicht frisch bezogenes enges Bett kuscheln.
Der nächste Tag begann wie der letzte geendet hatte. Es war neblig, feucht und kalt. Ich glaube es verging nicht eine Minute in diesem Ort an dem nicht Wasser in irgendeiner Form vom Himmel fiel. Mal nieselte es ganz leicht, dann stärker, dann regnete es richtig oder es war zumindest extrem feucht. Ich glaube die bedauernswerten Bewohner von Villa Santa Lucia haben noch nie die Spitze der sie umgebenden Berge sehen können und wissen wahrscheinlich gar nicht ob diese überhaupt eine Spitze haben, so wolkenverhangen und trist war es dort. Und dementsprechend freundlich waren auch die Menschen (mit Ausnahme des Mannes in der Unterkunft, der war recht nett).

 Villa Santa Lucia. So trostlos war es wirklich!

Man munkelte aber von einem Bus, der irgendwann zwischen 1 und 2 am Nachmittag vorbeikommen sollte. Aber was machen wir bis dahin? Natürlich stoppen. In einem überdachten Unterstand eines Mechanikers, der gerade an einem alten Bus rumschraubte konnten wir uns vor dem Regen in Sicherheit bringen und nach einem unfreundlichen Tee begannen wir gegen 10 unsere Unternehmung. Keine 3,5 Stunden später, nahm uns auch schon das 5. Auto, das vorbeikam mit. Das erwies sich als echter Glücksgriff. Clara und Joaquin waren zwei junge Argentinier aus Buenos Aires, die in ihrem ziemlich coolen und v.a. super ausgestatteten VW Bus den gesamten Kontinent bereisen wollen. Lustigerweise hatten wir das Vehikel bereits in Ushuaia vorbeifahren sehen und kurz vor Los Antiguos mit dem Bus überholt. Nun saßen wir also auf der Rückbank und konnten der Tristess von Villa Santa Lucia entfliehen. Und tatsächlich, nach wenigen Kilometern wurde das Wetter besser, die Landschaft schöner und unsere Stimmung heiterer. Einen kurzen Zwischenstopp in Futaleufu (hätte sich bei richtig schönem Wetter wahrscheinlich ausgezahlt kurz dort zu bleiben) später passierten wir die Grenze und kaum in Argentinien schien wieder die Sonne. Es war der 18. April gegen 18 Uhr als wir in Esquel ankamen. Wir trauten unseren Augen kaum in Anbetracht der Fülle an Obst, Gemüse und anderen Produkten im Supermarkt (wer einmal auf der Carretera Austral unterwegs war weiß wovon ich spreche. Etwa einmal pro Woche (falls überhaupt) wird frische Ware in die kleinen Geschäfte geliefert. Allerdings wissen nur die Einheimischen wann dieser Tag ist und kriegen deshalb auch das Beste ab. Was dann so übrig bleibt lädt in den meisten Fällen nicht besonders zum Verzehr ein). Und endlich konnten wir (nach 2 Wochen) mal wieder Wäsche waschen lassen. Wir genossen den Abend in unserer sauberen, schönen und leeren Unterkunft und dachten wehmütig an die Abenteuer der letzten Woche zurück, bevor wir sanft dahinschlummerten.


Highs und Lows der Carretera Austral:
Highs: Die Carretera Austral innerhalb eines Fahrzeuges: Die Straße ist echt cool, die Landschaft teilweise atemberaubend und total abwechslungsreich. Können wir nur weiterempfehlen.
Stoppen: War ein echt tolles Erlebnis, meistens von Erfolg gekrönt und lustig.
Cavernas de Marmól: hat uns sehr gut gefallen, besonders da wir zu 2. dort waren
Hospedaje Mirador del Rio: diese Estancia nahe La Junta war zwar etwas teurer als unsere sonstigen Unterkünfte, dafür bekamen wir dort aber auch das beste Abendessen und Frühstück unserer bisherigen Reise und die alte Dame ist echt herzlich
Touristeninfo in Coyhaique: wir waren in 2 Büros und beide waren sehr freundlich, professionell und kannten sich gut aus
Lows: Die Carretera Austral außerhalb eines Fahrzeuges bei Regen: so schön die Straße auch ist, wenn man bei schlechtem Wetter stundenlang auf ein vorbeikommendes Auto warten muss kann es etwas mühsam werden. Bäh.
Villa Santa Lucia: wie gesagt, diesen Ort wollen wir beide nicht noch einmal besuchen :-)

Donnerstag, 21. April 2011

Neues Gesicht

Wie einigen von unseren zahlreichen Lesern sicher schon aufgefallen ist, erscheint unser blog in neuem Glanz. Wir haben uns sehr bemüht und stundenlang rumgebastelt, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen :-)
Besonders erwähnenswert ist unsere online Reiseroute, die sehr detailgetreu darstellt, wo wir genau waren. Jetzt kann sich google über viele neue Details über unser Leben freuen und fleißig Daten auswerten ;-)

Dienstag, 12. April 2011

El Chalten/Los Glaciares Nationalpark


Hallo allerseits. Leider war es uns aufgrund von internet Abwesenheit in den letzten Tagen nicht moeglich zu schreiben, dafuer gibts jetzt gleich 3 (!!!) Beitraege. Muessen nicht alle auf einmal gelesen werden :-) Viel Spass.

Dieser Beitrag wurde am 10.04. verfasst.

Allein schon die Fahrt nach El Chalten war sehenswert. Zunächst der wunderbare Sonnenaufgang (wir berichteten), dann fuhren wir für etwa 90 km mehr oder weniger schnurgerade und durch karge Steppen auf den Cerro Fitz Roy, den höchsten Berg in der Gegend zu. Die gezählten 7 Autos, die uns in dieser Zeit entgegenkamen wissen ja gar nicht was das für ein schöner Anblick ist. Der Ort selber liegt innerhalb der Grenzen des Los Glaciares Nationalparks und ist ein kleines, zu 112% auf den Tourismus ausgelegtes Dorf mit laut Reiseführer 600 Einwohnern im Winter und 1800 im Sommer. Sogar der Bus blieb für ein Foto vom Fitz Roy Massiv stehen. Allerdings geht die Saison nur bis Ende März, weshalb schon einige Unterkünfte geschlossen hatten und sich die Suche nach einem Quartier schwieriger als erwartet gestaltete. Am Ende landeten wir in einem großen auf den Mainstreamtourismus ausgerichteten Hostel mit jeder Menge Israelis, die offensichtlich generell recht ungewöhnliche Schlafgewohnheiten haben. Unsere 2 Zimmerkollegen gingen nämlich um 8 Uhr abends schlafen um gegen 1 Uhr nachts wieder aufzustehen, die ganze Nacht über lautstark mit ihren Nationsgenossen am Gang zu kommunizieren und früh morgens etwa 30 Minuten lang sämtliche Sachen zusammenzupacken. Nicht ganz unser Rhythmus :-)

Gleich nach der Unterkunftsfindung wollten wir den noch jungen Tag (es war erst Mittag) nutzen und gingen wandern. Der etwa 3 stündige Weg zur Laguna Torre, einem kleinen Gletschersee am Fuße des mächtigen Cerro Torre, dem kleinen Bruder des Fitz Roy war ein Traum. Da es hier bereits Herbst ist, leuchteten die Wälder in verschiedensten Rottönen vor den Eisfeldern des Cerro Torre. Anja war ganz entzückt und knipste was das Zeug hielt. Am Abend waren wir dann fix und fertig und wollten ruhig schlafen aber naja… siehe oben. Gestern schliefen wir erst einmal aus. Eigentlich hatte uns Agus (Katalane, siehe letzter Eintrag) gefragt, ob wir uns mit ihm und anderen den Sonnenaufgang von einem Aussichtspunkt aus anschauen wollten, aber nachdem wir ungefähr jeden 2. Sonnenaufgang in Südamerika erlebt hatten wollten wir nicht so (es war dann letztendlich eh bewölkt, hihi). Den Tag verbrachten wir mit Überlegen wies jetzt weitergehen soll und einer kleinen Wanderung zur Laguna Capri. Die Gegend hier ist wirklich hübsch, der Fitz Roy sehr beeindruckend, auch wenn seine Spitze in den Wolken lag und, weil Nebensaison, auch relativ menschenleer. Angesichts von 61 Unterkünften im Ort dürfte das in der Hauptsaison anders aussehen. Nur das Wasser der Laguna war recht frisch, was meine Schwimmen-gehen-Pläne im Keim erstickte (siehe Foto). Gletscherseen heißen wohl auch deshalb so, weil man dort nur schwer baden gehen kann, sonst wären es ja Badeseen, eh logisch. Leider mussten wir auch feststellen, dass unser Plan, die Grenze nach Chile zu Fuß zu überqueren und vom kleinen Ort Villa O’Higgins (mal schauen wer von euch das auf der Landkarte findet!) gen Norden zu fahren nicht machbar ist, da sowohl die Fähre über den Lago del Desierto (da könnte man noch eventuell vorbeiwandern) als auch jene über den Lago O’Higgins (da geht’s nun wirklich nicht) ihren Betrieb bereits eingestellt hatten und zudem die beiden Grenzposten nicht besetzt sind und illegal nach Chile einzureisen war nicht unbedingt unsere Absicht. Also änderten wir schon wieder unsere Pläne und kauften ein Busticket nach Los Antiguos (14 Stunden Fahrt), von wo aus wir weiter nach Chile Chico fahren werden.

El Chalten gilt zwar als die Wanderhauptstadt der Nation, aber der Ritten hat sicher mehr Wanderwege, zumindest solche, die man an einem Tag begehen kann. Darum war heute ein recht gemütlicher Tag. Wir schliefen schon wieder aus (2 Tage hintereinander, Rekord!!) und gingen nach unserer ersten gekauften warmen Mahlzeit (desayuno americano) gemütlich zum nahegelegenen Wasserfall Chorrillo del Salto. Dort hatten wir Gelegenheit uns über Bustouristen lustig zu machen, die wohl die etwa 45 minütige Wanderung scheuten und stattdessen lieber meterlange Stative und Bäuche durch die Gegend trugen. Der Wasserfall war am Ende viel spektakulärer als erwartet und insgesamt ein netter kleiner Ausflug mit Zeit für Blödeleien (siehe Fotos). Zurück im Hostel schlagen wir gerade die Zeit tot indem wir ganz brav von unseren Abenteuern berichten und euch über jedes Detail auf dem Laufenden halten :-) Wir hoffen, dass Los Antiguos bzw. Chile Chico über eine bessere Internetanbindung verfügen und wir euch die Berichte endlich mal zukommen lassen können. Bis dahin wünschen wir euch nur das Beste und freuen uns auf viele nette liebe Kommentare.

Highs und Lows in El Chalten.
Highs: Die Landschaft. Einfach herrlich durch die herbstroten Wälder zu wandern, immer mit Blick auf mindestens einen Gletscher.
Unser erster eigener Mate: Unter fachkundiger Anweisung schlürften wir gestern unseren ersten Mate (spezieller Tee hier) aus dem eigenen Becher. Sehr spannend. Außerdem bekamen wir von der wirklich netten Argentinierin auch einen Teller von einem selbstgemachten und angeblich total typischen argentinischen Linseneintopf (Namen leider vergessen) spendiert. Sehr lecker.
Das Wetter: endlich war es über mehr als einen Tag warm und sonnig, wenn auch etwas windig.
Lows: keine, außer vielleicht die nächtliche Ruhestörung durch andere Hostelbewohner.



Busfahrt nach El Chalten

Cerro Fitz Roy mit dem Oertchen El Chalten am Fusse

 Cerro Torre im Herbst (Kalenderfoto made by Anja)

 Cerro Torre nochmal

 Jetzt ist es offiziell. Der Hille ist engelsgleich. :-)


 Gletscher Ice, das Original (1000e Jahre alt!)

 Hille mit Fitz Roy

 Erfolgloser (weil recht kalt) Badeversuch im Gletschersee Laguna Capri


 Wasserfall Chorrillo del Salto

Hille durstig

 
Hille hungrig

P.S.: Der Grund warum es so viele Fotos vom Hille und so wenige von der Anja gibt ist, dass sie die Kamera nur ungern aus der Hand gibt :-) 

El Calafate/Perito Moreno Gletscher

Dieser Beitrag wurde am 08.04. verfasst, wegen internet und so gibts ihn erst jetzt.
Gerade sitzen wir im Bus nach El Chalten und fahren direkt in den Sonnenaufgang hinein. Superromantisch! Der Tag nach der Rückkehr aus dem Nationalpark Torres del Paine war von erfolglosen Autostoppversuchen und einem ziemlich relaxten Nachmittag geprägt. Abends ließen wir uns dann bis Mitternacht Reisetipps von einem entzückenden südkoreanischen Pärchen (Suk und Sehwa) geben, das seit fast einem Jahr auf Weltreise ist und das wir bereits vorher im Hostel kennengelernt hatten. Gestern Mittag kamen wir schließlich sicher in El Calafate (Argentinien) an. Besonderes highlight dieser Fahrt war die argentinische Grenze, wo ein netter junger Grenzpolizist saß, der ohne jeden Zweifel der kleine Bruder von Marshall Ericson aus „How I met your mother“ hätte sein können. Anja war da anderer Meinung, aber wir wissen wohl alle wer das bessere Personengedächtnis hat :-) Nach langer Kostenkalkulation entschieden wir uns zusammen mit einem netten belgischen Pärchen (Diew und Maarten) und einer Amerikanerin (Jenna) einen VW Gol (Gol, nicht Golf, der heißt wirklich so) zu mieten um heute den berühmten Perito Moreno Gletscher zu bewundern. Im Hostel lernten wir dann auch noch einen Franzosen (Niko) kennen, der auch gerne mitkommen wollte. Was nun? Einzige Möglichkeit war der Kofferraum, der entweder geräumiger war als er aussah oder Niko ist ein Schlangenmensch. Jedenfalls gelangten wir dank Anjas außergewöhnlicher Fahrkünste sicher an den Gletscher und sparten uns sogar einmal die Eintrittsgebühr, weil der Ranger nicht auf die Idee kam im Kofferraum nach blinden Passagieren zu suchen :-) So ein Idiot, hihi.

Der Perito Moreno verdient zu Recht das Attribut atemberaubend. Zwar ist dort alles ziemlich auf den Massentourismus ausgelegt aber dank der frühen Stunde waren nur sehr wenige Menschen dort. Ich schätze man kann bis auf etwa 200 Meter an den Gletscher herangehen und ihm beim „kalben“ zuschauen (für alle Nichtalpinisten: das ist das herausbrechen von kleinen oder großen Eisbrocken aus der Gletscherzunge. Diese Brocken fallen dann ins Wasser des sich dort befindlichen Sees oder Meeres und versenken gelegentlich Schiffe, Titanic und so). Auch wenn die Brocken teilweise sehr klein ausschauten, das Geräusch das deren Herausbrechen aus dem Eis und dem Aufprall auf dem Wasser folgt ist stets gewaltig. Die Gletscherzunge ist wohl an die 50 Meter hoch, laut Prospekt 5 km breit und teilweise so blau wie in einem kitschigen Eisprinzessinnenfilm. Ein spektakulärer Anblick, ich hoffe die Fotos können das in etwa wiedergeben. Aber es ist halt doch nur ein Gletscher. Nach 2 Stunden hatten wir 6 genug gestaunt und fuhren zurück nach El Calafate, wo wir nach kurzer aber recht intensiv geführten Diskussionen über den potentiellen und tatsächlichen Benzinverbrauch eine kleine Ermäßigung bekamen und das Auto zurückgaben. Nachmittags gönnten wir uns unser allererstes auswärtiges Essen (ein Sandwich) und trafen unverhofft Gian (der Schweizer aus dem Nationalpark) wieder, den es auch hierher verschlagen hatte. Am Abend hatten wir dann ein gemeinsames Abendessen mit Kaiserschmarrn und Apfelmus. Ich würde sagen es kam mittelmäßig bis sehr gut an. Besonders Agus, ein stets lächelnder und gut aufgelegter Katalane, der sich mit der englischen Sprache aber recht schwer tut (gute Übung für uns!) schien begeistert zu sein. Wir sind nun sehr gespannt ob es uns gelingt in den nächsten Tagen wieder nach Chile überzusetzen und die berühmte Carretera Austral Richtung Puerto Montt hochzustoppen. Ist in der Nebensaison kein leichtes Unterfangen :-) Ich hoffe ihr bleibt uns treue Leser, bis zum nächsten Eintrag wird’s wohl noch etwas dauern. Bzw. wenn ich kein Internet finde auch mit diesem hier, aber wenn ihr das lesen könnt hab ich wohl eins gefunden :-)

Highs und Lows in El Calafate:
Highs: Perito Moreno. Einfach atemberaubend. Das Wetter: endlich war es mal nicht so kalt und windig und sogar die Sonne hat sich des Öfteren gezeigt. So kann es weitergehen.
Lows: Bis 4 Uhr früh Party machende Israelis in unserem Hostel, wenn wir um halb 7 wieder auf müssen.

Gruppenbild mit Auto

Anja beim Autofahren, sehr verantwortungsbewusst :-)


Perito Moreno Gletscherzunge

Kante des Gletschers wo die Eisbrocken abbrechen

 V.l.n.r.: Maarten, Jenna, Diew, Niko, Anja, Hille (keine Garantie auf orthografische Korrektheit der Namen)




Puerto Natales/Nationalpark Torres del Paine

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2011 verfasst. Leider ists mit internet hier recht schwierig :-)
Wieder ist einige Zeit vergangen und dementsprechend viel passiert, aber auf anraten einer Begleitperson werde ich versuchen mich diesmal etwas kürzer zu halten :-) Leider ist es mir nicht gelungen :-P

Beginnen wir letzte Woche mit der heiß ersehnten Pinguintour. Ganz so heiß wars dann leider nicht, im Gegenteil, wir froren uns unsere hübschen Hinterteile ab. Nichtsdestotrotz wars ein toller Ausflug. Diese Vögel sind ja sowas von süß und lustig wenn sie so durch die Gegend watscheln. Die Kolonie befand sich auf einer kleinen Insel mit Leuchtturm und durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 60 bis 120 km/h und das stimmt wirklich. Die meisten Pinguine waren bereits in die Antarktis aufgebrochen, aber ein paar 1000 waren wohl noch da. Danach gings weiter zur Isla Marta wo eine Seelöwenkolonie liegt, die wir vom Boot aus betrachten konnten. Das eigentlich Spannende war dabei aber eher Anjas Gesicht, das mit jeder Welle ernster und konzentrierter wurde. Zurück an Land setzten wir unseren grandiosen Plan nach Puerto Natales zu stoppen in die Tat um. Ziemlich in der Mitte von Nirgendwo stellten wir uns auf die Straße, trotzten den orkanartigen Windböen und hielten den vorbeirauschenden Vehikeln den Daumen entgegen. Bald blieb auch ein netter alter Deutscher stehen um uns mitzuteilen, dass er gar nicht nach Puerto Natales fährt. Wir blieben optimistisch. Auch als eine große, schwarze Wolke die Sonne verdunkelte. Aber als sie dann recht heftig begann uns zu begießen wurde uns doch etwas kalt, mit Schüttelfrost und so. Zum Glück erlaubten uns unsere Guides uns kurz in ihr Auto zu setzen. Als wir dann schon keine Hoffnung mehr hatten blieb doch noch eine nette junge Dame (Arlen oder so) stehen und nahm uns mit, brachte uns sogar bis vor ein nettes Hospedaje einer Bekannten. Zwischendurch mussten wir allerdings kurz anschieben, weil ihr Auto den Geist aufgab. In Puerto Natales regnete es natürlich auch, trotzdem mieteten wir frohen Mutes ein Zelt und 2 warme, duftende Schlafsäcke und brachen tags darauf in den Nationalpark Torres del Paine auf.

Nach 5 stündiger Wanderung (alternativ zu einer 1/2 stündigen, teuren Bootsfahrt, wir sind ja arm und sportlich :-)) erreichten wir unser erstes Camp. Die Gegend erinnerte uns stark an das Herr der Ringliche Rohan, aber weder stolze Rohirim noch unangenehme Orks tauchten auf. Konnten sich wohl den Flug aus Neuseeland hierher nicht leisten. Besonderes Highlight war ein ziemlich pingelig genau abgenagtes Pferdeskelett am Wegesrand, weswegen wir uns anschließend das eine oder andere Mal umdrehten um sicherzugehen, dass der Puma, den wir vom Bus aus gesehen hatten nicht Appetit auf Hille oder Anja hat. Das Aufbauen des Zeltes klappte auf Anhieb optimal und nachdem wir unser Essen vor den Ratten in Sicherheit gebracht (da gibt’s vielleicht Schauergeschichten dazu!) und die unverschämt teure Gebühr entrichtet hatten verkrochen wir uns bald ins Zelt. Darauf folgten etwa 22 Stunden Dauerregen, unterbrochen nur von 2 Stunden blauem Himmel am nächsten Morgen, die uns zu der Entscheidung verleiteten noch im Nationalpark zu bleiben. Aber bereits nach etwa einer Stunde Fußmarsch gingen wir wieder im Regen, der bis zu unserer Ankunft im nächsten Lager anhielt und teilweise tropensturmartige Ausmaße annahm. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich außerhalb eines Schwimmbeckens jemals so nass gewesen wäre. Lustigerweise hörte der Regen aber fürs Zeltaufbauen kurz auf, trotzdem zitterten wir am ganzen Leib und versuchten für den Rest des Tages uns in unseren feuchten Schlafsäcken aufzuwärmen. Bei Temperaturen, die dem Gefrierpunkt nicht allzu fern sind ist das eine nicht unbedingt triviale Angelegenheit. Unsere Entscheidung stand dann bald fest. Am nächsten Tag wollten wir versuchen den etwa 5 stündigen Marsch zum Bus irgendwie hinter uns zu bringen um diesen schrecklichen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Doch natürlich kam es anders. Der unheimlich durch die Baumwipfel tosende Wind (so stell ich mir das Geräusch eines Tsunamis vor) vertrieb über Nacht die Wolken und am Morgen färbte die aufgehende Sonne die über unserem Zelt thronenden Cuernos del Paine blutrot. Ein Fuchs, der, wie wir später erfuhren, einem ziemlich von sich selbst überzeugten Amerikaner das gesamte Essen stibitze schaute uns beim Zusammenpacken zu und schon waren wir unterwegs. Jetzt bekamen wir endlich eine Idee, warum der Torres del Paine Nationalpark als einer der schönsten Südamerikas gilt. Wir wanderten entlang eines unglaublich blauen Sees (überhaupt sind hier alle Seen viel blauer und das auch noch in verschiedensten Blautönen, und das sag ich, als einer der nur 9 Farben kennt, also muss es ziemlich supi sein :-)), vorbei an den mächtigen Gletschern der Cuernos del Paine, sahen die karge Einöde am gegenüberliegenden Seeufer und genossen die wärmende Sonne. Sicher erreichten wir das ziemlich versnobte Hotel Las Torres, wo wir unsere nassen Sachen in der Sonne trockneten, was dem Hotelmanager nicht besonders gefiel. Nach reiflicher Überlegung und Sichtung des Wetterberichts (Regen!) beschlossen wir noch einen Tag zu bleiben und gingen noch bis zum über 3 Stunden entfernten Campamento Torres, von dem aus der Aufstieg zu den berühmten Torres del Paine beginnt und das wohl über der Schneefallgrenze der letzten Tage lag. Zum Glück blieb es trocken und so kuschelten wir uns angezogen in unsere jeweils 2 Schlafsäcke (1 mitgebrachter, 1 gemieteter). Besagtem Schnee war es auch zu verdanken, dass der Aufstieg zum Aussichtspunkt am nächsten Morgen anstatt der angeschriebenen 45 Minuten eine gute Stunde dauerte und wir leider das berühmte Glühen der Torres del Paine (die 3 Zinnen sind eh größer :-)) bei Sonnenaufgang um etwa 3 Minuten verpassten. Trotzdem waren wir froh darüber wenigstens diesen Teil des sogenannten W-Rundgangs geschafft zu haben, nachdem schon das berühmte Valle del Frances und der Glaciar Grey dem Regen zum Opfer gefallen waren. Auf dem Abstieg zum Hotel holten uns unsere liebsten Begleiter der letzten Tage (Regen und Wind) wieder ein und wir vergnügten uns noch eine gute Stunde gemeinsam. Am Hotel trafen wir auch den netten Schweizer Gian wieder, der leider ziemlich unglücklich mit seiner 10-Tage-Tour war und in Anbetracht der Wettersituation am 6. Tag abbrach. 

Letztendlich war der Ausflug in den Park aber ein tolles Abenteuer voller Entbehrungen und Schweiß, welcher den Mädels neben uns im Bus zurück nach Puerto Natales wohl nicht zur Entzückung getrieben hat oder wie hat man das über-die-Nase-ziehen des t-shirts sonst zu verstehen? Erschöpft und glücklich über die erste Dusche nach 4 Tagen fielen wir dann bald ins Bett und ruhten uns aus.

Highs and Lows in Torres del Paine
Highs: Die Gegend. Es ist einfach traumhaft schön und wild dort. Wir sahen Guanacos, Ñandus, Flamingos, einen Puma (alles bereits aus dem Bus), Wildpferde, Gletscher, Seen, dichte Wälder, karge Einöden und trafen viele nette Leute
Lows: Das Wetter. Auch wenn es im Nachhinein einigen Spaß macht darüber zu schreiben, nochmal erleben muss ich so ein Sauwetter nicht unbedingt.
Meine 2. Wanderhose. Die ist nicht wirklich zum wandern geeignet, hatte ganz wund gescheuerte Oberschenkelinnenseiten, autsch :-) Zum Glück hab ich ja meine Leibärztin mit dabei.

Vergeblicher Stoppversuch in Puerto Natales mit nervigem Hund, der uns vor den Autos beschùtzen wollte und alle verbellte (zumindest alle asiatischen Autos)

Sonnenaufgang vor der Pinguintour

Pinguine auf der Isla Magdalena





Wanderung durch Rohan, leider ohne Orks zum verpruegeln...

...dafuer mit einem leckeren Wildpferd. Mahlzeit... :-)

Aussicht auf den Paine Grande (links), das Valle del Francese (mitte) und Los Cuernos (rechts)

Unser Zelt

Trockner en natural

Ein Berg (Name vergessen), wahrscheinlich einer von den Los Cuernos


Sachen trocknen vor dem 5 Sterne Hotel Las Torres bevor uns der Manager verscheuchte

 Die beruehmten Torres del Paine