Montag, 20. Juni 2011

Uyuni


Unsere Reise zum berühmten Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt begann mit einer langen, unbequemen, aber spektakulären Busfahrt. Von Potosi aus gings 7 Stunden lang über den bolivianischen altiplano. Umgeben von karger, brauner Einöde, teils schneebedeckten Gipfeln, steilen Schluchten, alten Ruinen von Gebäuden und ganzen aufgegebenen Siedlungen und jeder Menge Lamas und Vikuñas tuckerten wir durch die Landschaft auf 4000 Metern Seehöhe. Immer wieder mussten wir die asphaltierte Straße verlassen um die zahlreichen Baustellen und halb fertigen Brücken zu umfahren. Bolivien bemüht sich gerade ziemlich diese Strecke zu modernisieren. Es wurde bereits dunkel als wir in Uyuni, einem Ort der nur mehr wegen dem Tourismus existiert, ankamen. Mitten in der Wüste, umgeben von Nichts ist diese kleine Stadt der Ausgangspunkt für die meist dreitägigen Jeeptouren. Schnell wurden wir angesprochen, ob wir denn eine Tour und eine Unterkunft suchen würden und es dauerte auch nicht lange, da hatten wir ein Zimmer bezogen und eine Tour gebucht, alles schien supi.

Am nächsten Morgen, dem 27. Mai sollte es losgehen. Pünktlich um halb 10 waren wir bei der Agentur. Man hatte uns gesagt, dass es neben uns und Daniel, einem Deutschen, den wir im Bus kennengelernt hatten, noch zwei andere Mitfahrer gäbe und maximal 6 Touristen in einen Jeep gepackt würden. Aber das war gestern. Nun hieß es plötzlich es seien insgesamt 13 Touristen für 2 Jeeps und wir 3 müssten uns mit 5 anderen in ein Fahrzeug pferchen. Zunächst konnten wir das noch nicht ganz glauben, es waren ja bis jetzt auch nur eine 5-köpfige tschechische Gruppe und wir mit Daniel da. Als dann aber die Jeeps ankamen und einer bereits mit 2 Deutschen und 2 Schweizern befüllt war, wurde die Sache plötzlich bitterernst. Die Tschechen setzten sich einfach in den anderen, leeren Jeep und fuhren los, ihnen war ja auch zugesagt worden, sie wären nur zu 5. Sehr rücksichtslos und arschig wie wir fanden. Jetzt waren wir noch zu 7. mit einem Auto wo es in Anbetracht der Größe der männlichen Teilnehmer rein physikalisch schon ziemlich unmöglich gewesen wäre alle Leute unterzubringen. Eine Stunde Streiterei und sehr viel Ärger, vor allem über die äußerst arrogante Chefin der Agentur später opferte sich Daniel und blieb zurück, sodass wir nur noch zu 6. waren. Unbequem wars auf der hintersten Bank trotzdem, aber wenigstens ging es los.

Die Stimmung zu Beginn der Tour war ob der Ereignisse wenig gut, wurde aber bald besser, als wir den Salar betraten. Wenigstens hatten wir mit unserem Guide ziemliches Glück, Edwin war motiviert, kommunikativ und freundlich. Mit über 10.000 km2 ist diese Salzwüste größer als Südtirol, teilweise ist die Salzkruste 7 Meter dick und an seinen Rändern wird auch Salz gefördert. Genau so eine Saline besuchten wir zu Beginn der Tour. Die Menschen türmen das Salz zu kleinen Hügeln auf und warten bis das darin enthaltene Wasser zu Boden gesunken ist. Danach wird das Salz „geerntet“, gereinigt und verkauft. Ein gutes Auskommen haben die Menschen wegen des geringen Preises dennoch nicht damit. Zudem ist der Salar meist von Dezember oder Jänner bis April überflutet, denn der Niederschlag aus der Regenzeit kann nirgends abfließen (sonst wärs ja keine Salzwüste) und bis alles Wasser verdunstet ist dauerts seine Zeit.

Aufgetürmte Salzhaufen zur Salzgewinnung.
 
Als wir weiter fuhren wurden unsere Augen immer größer, unsere Münder immer offener. Den Besuch beim (vermutlich illegal gebauten und nicht besonders ökologischen) Salzhotel wollten wir so kurz wie möglich halten und darum tauchten wir schon bald in die weiße, „brettlebene“ Wüste ein. Nach einiger Zeit blieben wir dann mitten drin, umgeben von Kilometern von Salz stehen um unser technisches Equipment (unsere Kamera) auszunutzen. Da alles so weiß und flach ist kann man hier supi Perspektivfotos machen:





Salzwüste ohne herumblödelnde Anjas und Hilles



Weiter gings dann auf die Isla del Pescado, einem Hügel, der aus der weißen Ebene herausragte und voller uralter Kakteen ist. Man sagt, sie wachsen etwa 1 cm pro Jahr, manche erreichen aber bereits Höhen von 8 bis 10 Metern. Ein wunderschöner Ort auf dem auch eine Handvoll Menschen vom Tourismus lebt und jährlich für ein paar Monate wegen der Überflutung der Wüste (ironisch oder?) von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Die Isla del Pescado mit Kakteen, Salz und Bergen

 Hille küsst Kaktussssss

Wir hier ihr woanders :-)

 Hier bekamen wir auch unser Mittagessen und danach legte sich Anja nochmal für ein paar Fotos aufs Salz, das hier aber wesentlich nasser war als vorher, was sich auch auf Anja und ihre Kleidung niederschlug.

Je später der Nachmittag wurde und je weiter wir fuhren, desto nasser wurde die Salzdecke. Am Ende fuhren wir durch 10 bis 20 cm hohes Wasser (besonders gut fürs Auto), blieben einmal sogar fast stecken. Durch das Wasser und das Licht konnten wir nun nur mehr aufgrund der Schwerkraft oben und unten am Horizont unterscheiden.

Wo ist oben, wo ist unten?

 Sonnenuntergang, schon wieder

Die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden als wir unsere Unterkunft, auch eine Art Salzhotel, am Rande des Salar erreichten. Es war schon recht kühl, daher war der Tee, den wir bekamen auch recht angenehm. Bald gab es dann auch ein sehr reichhaltiges Essen (Suppe und danach Pique Macho). Nur mit unserer Gruppe wurden wir nicht besonders warm.

Tags darauf fuhren wir mit frisch gewaschenem Auto weiter, diesmal auf der Rückbank und nicht mehr ganz hinten :-) Salzwüste gab es keine mehr, dafür andere Wüsten. Von San Juan, unserem ersten Shoppingstop fuhren wir immer weiter leicht bergauf, passierten bald die 4000 Metergrenze, kamen an der Bahnlinie vorbei, die wertvolles Erz von Uyuni nach Calama in Chile und weiter zum Pazifik bringt, konnten den semiaktiven, rauchenden Vulkan Ollagüe beobachteten und besuchten ein paar kleine Seen (Lagunas), die von Boraxablagerungen umgeben waren.

Bahnlinie nach Calama in Chile

Hille pustet Vulkan aus

 Die Lagune an der wir Mittag machten

Am Nachmittag schließlich durchquerten wir die höchstgelegene Wüste der Welt, den Desierto Siloli. Ob es aufgrund der Höhe war oder am Wesen unserer Mitreisenden lag wissen wir nicht, jedenfalls wurden immer lauter immer blödere Lieder angestimmt und der Jeep langsam zu einem Partybus. Die Landschaft konnte einen auch durchaus in euphorische Stimmung versetzen. Es gab praktisch keine Vegetation (und hinter den einzigen Busch bei unserem Rastplatz hatte auch gleich einer hingeschissen), nur Sand, Staub und Felsen. Ein idealer Ort um mit seinem fahrbaren Untersatz Spaß zu haben. Kein Wunder, dass die Rallye Dakar, die ja seit ein paar Jahren in Südamerika stattfindet heuer hier vorbeikommen wird. Der eigentliche Höhepunkt dieser Etappe, der arbol de piedra (Baum aus Stein, in Wirklichkeit aber nur ein Stein der mit etwas Fantasie einem Baum ähnlich sieht), war dann eher mittelmäßig, ich fand die Wüstenlandschaft davor fast spektakulärer. 

El Desierto Siloli

 Der Arbol de Piedra

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch bei der Laguna Colorada, einem weiteren See, der aufgrund seiner Algen bei windigem Wetter in sattem Rot erscheint und in der richtigen Saison tausenden Flamingos ein zuhause gibt. Leider war nicht richtige Saison und wir sahen nur ein paar wenige dieser Vögel aus der Ferne, denn der Wachmann wollte uns nicht bis zum See hinunter lassen. Auf die Frage, warum denn dann so viele Spuren im Sand seien, wenn man eh nicht hinunter darf, antwortete er erschreckend ehrlich: „Das sind die Spuren von den Leuten die kommen bevor wir aufsperren.“ Na supi :-).

Die Laguna Colorada

Bevor wir es uns in unserer noch einfacheren, noch kälteren Unterkunft 10 Autominuten weiter gemütlich machen konnten war noch der Eintritt für den Nationalpark fällig. Offenbar ist man hier kritische Fragen von Besuchern nicht unbedingt gewohnt, denn auf meine Frage hin, ob ich denn eine Broschüre bekommen könnte, reagierten die dort Angestellten jungen Männer zunächst mit einer intensiven, aber erfolglosen Suche nach Infomaterial und schließlich mit Unverständnis als ich meinte, ich würde schon gern wissen wofür ich denn so viel bezahle. Ich glaub die mögen mich jetzt nicht mehr.

Schweinekalt ist wohl die passendste Bezeichnung für die nun folgende Nacht. Die in der Unterkunft arbeitenden Menschen waren auch nicht von der freundlichsten Sorte, denn als ich nachfragte, ob es denn möglich sei den Generator einzuschalten und warum die eine Hälfte des Hauses Strom hat und die andere (unsere) nicht, reagierten sie bereits recht gereizt. Krönender Höhepunkt war das Abendessen, das für jeden Teilnehmer etwa eine Viertelportion Spaghetti vorsah. Ich hatte keine Lust mich nochmal zu beschweren und ließ andere das Erledigen. Das Ergebnis: es gibt halt nicht mehr. Die Erklärung (von Edwin): „Morgen fahren wir auf 5000 Meter hoch, da ist es wichtig nicht zu viel zu Essen sonst kotzt man nur.“ Das Lustigste an dieser eher lächerlichen Erklärung war, das die zwei anderen Gruppen in der Unterkunft genau das gleiche Essen, aber mindestens die doppelte Portion bekamen und sogar etwas übrig ließen. Nach dem Essen pokerten wir die hintersten Sitzplätze im Auto für den nächsten Tag aus. Das Traurige daran war, dass gerade die einzige in der Runde, die noch nie gepokert hatte und oft nicht einmal merkte wie gut oder schlecht ihre Hand war, am Ende die meisten chips oder besser Kokablätter hatte…

Um 5 Uhr früh starteten wir unseren letzten Tag. Zwar ließ es sich im Schlafsack und unter 3 weiteren Decken aushalten, aber das Aufstehen war schon hart. Da half auch der Kokatee nicht wirklich viel. Edwin drängte zur Eile, wir hatten schließlich noch einiges vor. Zur Dämmerung erreichten wir die Geysirfeld Sol de Mañana, auf 5000 Metern Seehöhe. Gleich neben der Straße schoss eine Dampfsäule in den Himmel und lockte zahlreiche Kameras der anderen Gruppen an. Bei genauerem Hinsehen konnte man aber ein Rohr im Boden erkennen, was dem Ganzen etwas die Authentizität nahm. Der warme Dampf war trotzdem supi auf den kalten Händen bei – 10°C. Nicht weit entfernt gab es dann aber echte brodelnde Schwefelfelder mit echtem, stinkendem Dampf. Das Licht und die Atmosphäre waren schon besonders und wäre es nicht so verdammt kalt gewesen, wären wir sicher noch länger geblieben. 

Die Schwefelfelder Sol de Mañana


 Aber es standen auch noch die termas de Polques auf dem Programm, die wir um halb 8 erreichten. Thermen ist eine schöne Umschreibung für das knapp einen Meter tiefe Becken mit warmem Wasser. Zunächst wollten wir gar nicht hinein, weil es erstens auf 4400 Metern recht kalt und das Becken zweitens schon mit Touristen überfüllt war. Schließlich entschieden wir uns aber doch dafür, entkleideten uns bei Minusgraden und tauchten in das wirklich herrliche Wasser ein. Zudem wurden die meisten anderen Touristen bereits zum Frühstück gerufen, sodass es am Ende wirklich entspannend und schön war. Und sogar das Hinausgehen war weniger schlimm als befürchtet. Zwar mussten wir etwas zittern, aber das legte sich bald wieder. Edwin hatte bereits wieder Stress und so blieb das zugegeben reichliche Frühstück doch eher eine Hetzerei. 

So fein warm wars im Wasser, draußen dafür huschi

Der letzte Punkt auf der Tour war die Laguna Verde, ganz in der Nähe der chilenischen Grenze. Aufgrund der nicht unbedingt gesunden bleihaltigen Partikel erscheint dieser See bei Wind in Grün. Leider war es nicht windig und der See auch nicht unbedingt der schönste der Welt und so blieben wir nicht lange. Schon kurz darauf erreichten wir die bolivianische Ausreisestelle, wo uns Edwin absetzte, denn unser nächstes Ziel war San Pedro de Atacama in Chile.

Freitag, 17. Juni 2011

Von Asuncion nach Potosi


Früh morgens am 21. Mai kamen wir am Busbahnhof in Asuncion an und mussten eine schwere Entscheidung treffen. Sollten wir noch länger in Paraguay bleiben und über den abgelegenen, beinahe unbewohnten Chaco, den heißesten Flecken Südamerikas, nach Bolivien weiterreisen oder die „sichere“ (bessere Busverbindungen) Route über den Norden Argentiniens nehmen? Wir entschieden uns aus vermeintlichen Zeit- und Kostengründen für letzteres, eine Entscheidung, die wir später bereuten, aber wenigstens bleibt wieder etwas mehr, wofür es sich lohnt zurück zu kehren. Dennoch, dieser Tag war kein schöner für uns. Seinen Rest und die folgende Nacht verbrachten wir in sehr teuren Bussen auf dem Weg nach Salta, wo wir früh morgens ankamen. Viel Zeit hatten wir nicht, weswegen wir uns nur einen Tag für die Stadt nahmen und das angeblich so schöne Umland ganz ausließen. Aber wie wir von Bildern und Erzählungen wissen, haben wir so was Ähnliches eh schon gesehen.

Dank eines unerwarteten Zufalls war genau jener Tag in Salta, der 22. Mai, der (internationale?) Tag der Museen und alle Museen der Stadt waren gratis. So besuchten wir im Laufe des Tages gleich deren drei. Ein kleines wenig spannendes Geschichtsmuseum am Morgen, ein hübsches kleines Anthropologiemuseum am Nachmittag und das MAAM (Museo de Archeologica de Alta Montaña) am Abend. Dafür mussten wir zwar fast 1 Stunde lang Schlange stehen, durften aber die verschrumpelten alten Kindermumien, die in der Nähe gefunden wurden, bestaunen. Natürlich kam auch der Sport an diesem Tag nicht zu kurz, denn wir bezwangen die 1095 Stufen des Cerro San Bernardo (schon wieder ein Stationsweg), der über der Stadt thront und auf den auch eine Gondelumlaufbahn schweizer Bauart geführt hätte, welche wir gekonnt ignorierten (war ja auch nicht von Leitner). Um Mitternacht bestiegen wir schon wieder einen Bus, der uns endlich nach Bolivien bringen sollte.

Blick vom Cerro San Bernardo auf Salta
 
Die dritte Nacht in Folge im Bus war ziemlich kühl und mittlerweile auch schon sehr anstrengend. In La Quiaca, der argentinischen Grenzstadt froren wir uns bei der Ankunft beinahe unsere Hintern ab, erst als die Sonne aufging wurde es etwas wärmer. Nach den üblichen Ausreisestempeln passierten wir erneut zu Fuß eine Grenzbrücke und waren erneut in einer anderen Welt. Zwar war es auch in Villazon (Bolivien) kalt, trotzdem hatten wir das Gefühl hier sei vieles ganz anders. Die Menschen, die Häuser, das Gefühl. Bald schon saßen wir im nächsten Bus, diesmal nach Tupiza, dem eigentlichen Ziel dieser Etappe. Keine 3 Stunden später erreichten wir diesen fast malerischen Ort auf knapp 3000 Metern Höhe und checkten in unser erstes Hostel seit langem ein. Allerdings war das Zimmer noch nicht bezugsbereit und so suchten wir zunächst Geld und etwas zum Essen. Ein sehr freundlicher alter Mann machte uns auf einen Comedor, eine Art kleine, private Mensa aufmerksam, die wir sogleich aufsuchten und für etwa 1,5 Euro ein köstliches 4 Gänge Menü erhielten.
Zurück im Hostel war es dann nach 102 Stunden endlich einmal wieder Zeit meine Schuhe ausziehen. Eine angenehme und bitter nötige Dusche später waren wir wieder fit und erkundeten den Ort auf der Suche nach Aktivitäten. Der Tourismus hat hier zweifellos seine Spuren hinterlassen, aber ich würde Tupiza trotzdem (noch) nicht als Touristenhochburg bezeichnen. Die Häuser im Zentrum machen einen soliden Eindruck, die Straßen sind sauber, die Menschen freundlich und die Märkte wundervoll. Allerdings war der Weg zum Mirador (Aussichtspunkt) am Cerro Corrazon de Jesus gar nicht ausgeschildert und wir brauchten 3 Anläufe um den Weg zu finden. So verpassten wir auch den Sonnenuntergang, die Berge rund um die Stadt leuchteten aber trotzdem in allen Farben. Hundemüde fielen wir an diesem Tag bereits um 7 ins Bett und konnten so richtig ausschlafen.

 Tupiza

Am nächsten Morgen holten wir uns auf dem Markt ein sehr leckeres und reichliches Frühstück, schlürften einen warmen Quinuasaft mit Apfel und ich ließ mir 2 neue Löcher in meinen Gürtel stechen, was eine entsetze Reaktion beim Schuhmacher auslöste: ich solle doch mehr essen, so geht das ja nicht!

Nach dem Frühstück wanderten wir los, hinaus aus der Stadt. Zunächst führte uns unser Weg entlang der Bahntrasse nach Villazon, von der man meinen könnte, dass hier seit Jahren kein Zug mehr vorbei gekommen ist. Nach einigem Fragen und Suchen fanden wir dann auch den gesuchten Weg zur Puerta del Diablo, zwei senkrechten Felsplatten mit V-Ausschnitt und erreichten bald auch den Cañon del Inca, eine offensichtlich durch einen Erdrutsch vor längerer Zeit verschüttete Schlucht im Sandstein. Die Landschaft hier sieht aus wie im wilden Westen, bizarre Sandsteinformationen, karge, staubige Ebenen, Dornbüsche, Kakteen und sogar so eine Art Erdpyramiden prägten das Bild. Die Hügel waren aus lediglich über Sand lose zusammengekittetem Kies und verändern wahrscheinlich durch jeden starken Regenschauer ihr Gesicht. Nur der überall herumliegende Müll stört die Atmosphäre. Trotzdem war es am Ende eine sehr schöne Wanderung. 

 Unterwegs in Tupiza


Wir vor der Puerta del Diablo


So was Ähnliches wie Erdpyramiden, die echten gibts natürlich nur am Ritten


Der Canon del Inca

 Die bunten Berge von Tupiza

Und weil wir ja schon Erfahrung im Busfahren hatten nahmen wir auch gleich den nächsten Nachtbus weiter in die Bergbaustadt Potosi. Diese etwa 7-stündige Fahrt entpuppte sich als die ungemütlichste im bisherigen Reiseverlauf. Nicht nur, weil uns ein recht unangenehmer Geruch aus dem vollbesetzten Bus entgegen wehte und das Baby vor uns offensichtlich Spaß daran hatte mit pausenlosem Geschrei und Gequängel nicht nur seine Eltern sondern den halben Bus zu nerven, sondern auch, weil die Sitze dermaßen komisch geformt waren, dass man nur im Hohlkreuz sitzen bzw. liegen konnte und die Straße doch eher holprig war. Wir überlebten es trotzdem und konnten in Potosi sogar noch bis nach dem Sonnenaufgang im relativ warmen Bus warten.

Potosi ist eine Stadt mit Geschichte. Nachdem 1545 im Cerro Rico Silber gefunden wurde legten die Spanier an dessen Fuß auf über 4000 Metern Seehöhe die höchstgelegene Stadt der Welt an. Millionen einheimische und afrikanische (die aber wegen der Höhe meist schnell zu Grunde gingen) Sklaven schufteten daraufhin für über 250 Jahre unter unvorstellbaren Bedingungen in den Minen und sicherten somit die Weltmachtstellung Spaniens. Zeitweise war Potosi die größte Stadt Lateinamerikas und mit europäischen Hauptstädten wie Paris und London vergleichbar. Nach der Unabhängigkeit änderte sich an den Bedingungen in den Minen wenig, außer dass die Bergleute keine Sklaven mehr waren und „freiwillig“ in den Berg hineingingen. Heute sind die Silbervorkommen größtenteils erschöpft und der Berg um etwa 500 Meter niedriger als zu Beginn des Bergbaus. Trotzdem arbeiten heute noch 4000 bis 5000 Quechua-Männer unter mittelalterlichen Bedingungen in über 30 kooperativ organisierten Gesellschaften auf der Suche nach Silber, Zink, Kupfer und anderen Erzen. Einzig das Kauen von Kokablättern lässt die Kumpel diese harschen Arbeitsbedingungen ertragen. Viele haben einen dicken Knödel in der Wange.

Nachdem uns ein Bus ins Stadtzentrum gebracht hatte suchten wir gleich eine Agentur auf, die Minentouren anbietet, denn das wollten wir uns natürlich anschauen. Um 9 gings dann los Zunächst bekamen wir ein minentaugliches Übergewand und fuhren auf den Markt der Minenarbeiter, wo wir Geschenke für die Arbeiter (Alkohol, Zigaretten, Saft, Kokablätter und Dynamit) kauften und uns unser Führer, der selbst kurz in den Minen gearbeitet hatte, über ein paar Bräuche aufklärte. So versammeln sich die Arbeiter zum Beispiel jeden Freitag in den Minen beim tíó einer Götzenfigur mit großen Augen und großem Penis, trinken 96%igen Alkohol und bitten ihn, er möge gnädig sein. Der tió wird seit der Kolonialzeit in den Minen verehrt und symbolisiert den Teufel. Eigentlich kommt das Wort vom spanischen dio für Gott, da in der Sprache der Quechua der Buchstabe d aber nicht vorkommt wurde daraus tió. Seine teuflische Gestalt bekam er wohl dadurch, dass die Spanier für die Sklaven in den Minen regelrechte Teufel gewesen sein müssen. Zu besonderen Anlässen wird dem tió auch ein getrockneter Lamafötus geopfert, damit er dieses frisst, anstatt sich einen Minenarbeiter bei einem der zahlreichen Unfälle und Einstürze zu holen.
Auch wir probierten einen Schluck vom 96%igen Gesöff. Bevor man selbst in den „Genuss“ kommt werden die ersten Tropfen traditionell der Pachamama, Mutter Erde, geopfert, was den Vorteil hat, dass wenn man es richtig macht nicht mehr allzu viel in der Verschlusskappe übrig war. Geschmacklich zählte der edle Tropfen nicht unbedingt zu den Höhepunkten, aber er brannte auch weniger als erwartet, da das meiste bereit s beim ersten Kontakt mit dem Mund verdampfte.

Die Minentour war recht spektakulär. Ausgerüstet mit Helm und Stirnlampe (wobei sich meine nicht am Helm befestigen ließ) gingen wir durch einen belüfteten Hauptstollen in den Berg. Größtenteils mussten wir gebückt gehen, da selbst dieser wichtige Schacht selten hoch genug für uns war. Nach einiger Zeit verließen wir aber diesen Stollen und es wurde schlagartig wärmer. Teils gebückt, teils kriechend bewegten wir uns vorwärts, besuchten den tió, dem wir eine Zigarette opferten und tauchten immer tiefer in den Berg ein. An den Wänden schimmerte Asbest, die Luft war stickig und schlecht. Schließlich erreichten wir eine Höhle wo zwei schlacksige Männer große und kleine Erzbrocken in Kübel schaufelten, die dann mit einem Aufzug 2 Etagen höher gezogen und von dort ins Freie befördert wurden. Wir brachten unsere Geschenke an und machten uns auf in Richtung Ausgang. An einer Kreuzung kam uns ein Wagon voller Erz, geschoben bzw. gezogen von 3 Arbeitern aus einem anderen Tunnel entgegen. Die eher provisorisch wirkenden Schienen, die in den Hauptstollen verlegt waren hatten wohl schon einiges mitgemacht und für die Kreuzung stand sowieso nur eine längere Stange zur Verfügung, die je nach gewünschter Richtung als Weiche entsprechend hingelegt wurde. Als die Arbeiter den Wagon über besagte Stange zu schieben versuchten entgleiste dieser dann auch gleich. Es bedurfte viel Anstrengung und der Mithilfe eines Hilles um den schätzungsweise 2 Tonnen schweren Wagon wieder auf die Spur zu bringen. Nach insgesamt etwa 2 Stunden unter der Erde erreichten wir wieder den Ausgang und waren froh endlich wieder den Himmel zu sehen bzw. aufrecht stehen zu können. Die Anstrengungen, die diese Kumpel jeden Tag für 8 bis 10 Stunden ertragen müssen sind wirklich bemerkenswert und die gesundheitliche Belastung enorm. Nicht wenige der Arbeiter erkranken bereits nach wenigen Jahren an Asbestose oder anderen Formen von Staublungen. Eine Versicherung für derartige Erkrankungen gibt es nicht.

Unser Guide mit Dynamit am Markt der Minenarbeiter


 Die Minen mit Potosi im Hintergrund

Der Eingang in den Berg

Wir mit dem tió
 
So eng wars manchmal, ein Glück dass ich etwas abgenommen hab :-)

Ein minero bei der Arbeit. In seiner Wange kann man einen Knödel aus Kokablättern erkennen. Nur so lässt sich die Arbeit aushalten, sagt man.

Eine kleine, aber lustige Anekdote am Rande: als wir in Tupiza mit einem durchaus als kettenrauchend zu bezeichnenden Holländer über die Minen in Potosi sprachen meinte dieser mit Zigarette in der Hand, er würde niemals in die Minen gehen, denn dort gibt es überall Asbest :-) Das Gesundheitsbewusstsein mancher Menschen ist anscheinend ziemlich irrational.

Den Rest des Tages, es war ja erst Mittag, verlebten wir eher ruhig, aßen am Markt und schauten uns etwas das Stadtzentrum an. Besonders viel gibt es nicht mehr zu sehen, da die Stadt ihre besten Zeiten bereits lange hinter sich hat. Am Morgen des nächsten Tages begaben wir uns in Richtung Busbahnhof. Unterwegs bekamen wir unser bisher schrägstes Essen. Eine Quechua-Frau verkaufte auf der Straße Snacks. An sich nichts Außergewöhnliches und wir hatten Hunger also fragten wir was sie denn so habe. Wir beide verstanden die Antwort als irgendwas mit papa (Kartoffel), also bestellten wir und eines dieser Teile. Als wir es dann in der Hand hielten machte es aber eher den Eindruck eines frittierten Hühnchens. Na gut, auch nicht so schlimm. Als wir dann aber reinbissen, entdeckten wir ein ziemlich eindeutiges Kniegelenk, was für Hühnchen doch eher unüblich ist. Je mehr Panier in unseren Mägen verschwand, desto seltsamer wurde die Geschichte. Am Ende glaubten wir einen Huf entdeckt zu haben und sind heute der Meinung einen Babylamafuß gegessen zu haben, aber ganz sicher sind wir uns nicht. Und besonders viel Fleisch war auch nicht dran, eher Fett und Knorpel. Nichtsdestotrotz waren wir um eine Erfahrung reicher, beschlossen aber uns nun doch eher salteñas (gefüllte Teigtaschen) zuzuwenden. :-) Gegen Mittag bestiegen wir einen alten, klapprigen, vollbesetzten Bus, für den wir viel zu viel bezahlten, in Richtung Uyuni, unserem nächsten Ziel.

Sonntag, 12. Juni 2011

Paraguay

Es war der Morgen des 19. Mai als wir Brasilien den Rücken kehrten und uns unser Weg in Richtung des nur einen Katzensprung entfernten Paraguay führte. Erneut warnte uns unser Lonely Planet: die Puente de la Amistad, jene Brücke, die das brasilianische Foz do Iguacu mit dem paraguayischen Ciudad del Este verbindet, sollte man nicht zu Fuß überqueren. Immer wieder käme es dort zu Überfällen. Weil wir uns aber nicht 2 Busse leisten wollten (die warten nämlich nicht bis man die Stempel im Reisepass hat!!) gingen wir trotzdem, gemeinsam mit hunderten Brasilianern und Paraguayern zu Fuß. Und wieder passierte nichts. Wir fragten uns auch welcher Ganove so idiotisch sein würde bei helllichtem Tag vor dutzenden von Zeugen einen Raubüberfall zu wagen… 

Die Puente de la Amistad. Aus Angst überfallen zu werden hab ich das nur schnelll schnell gemacht.

Die Grenze scheint  für Einheimische mehr oder weniger offen zu sein, zumindest waren wir die Einzigen, die sich brav ihre Pässe abstempeln ließen. Noch nicht am anderen Ufer angekommen boten uns schon die ersten recht grimmig schauenden Männer alle möglichen Elektronikartikel, von Handy bis zur Waschmaschine an. Da Paraguay wesentlich ärmer ist als Brasilien hat sich Ciudad del Este (wohl auch wegen der offenen Grenze) zu einem gigantischen Umschlag- und Schmuggelplatz für alle möglichen Produkte aus südostasiatischen Fabrikhallen entwickelt. Ein Einkaufszentrum ragt neben dem anderen in die Luft und es ist schwer sich durch die dutzenden legalen oder illegalen Anbieter von hitech- Waren zu wühlen.
Gleich bei der Einreisestelle in Ciudad del Este gab es eine erste Touristeninformation, wo wir uns  über Mittel und Wege hin zum nahegelegenen Itaipu-Staudamm, dem zweitgrößten der Welt schlau machen wollten. Die schockierende Nachricht war, dass es gerade technische Probleme oder eine Revision oder sowas gab und der Damm deshalb gerade für die Öffentlichkeit geschlossen sei. Ich war sehr enttäuscht darüber, da ich mich sehr auf dieses technische Wunderwerk gefreut hatte. Trotzdem beschlossen wir nicht wieder zurück auf die brasilianische Seite zu gehen um uns von dort aus eine teure Führung zu leisten, sondern einfach gleich weiter zu fahren. Es ist sowieso besser sich ein paar Dinge für eventuelle zukünftige Reisen aufzusparen. (*gequältes :-) *).
Der Weg durch das bereits erwähnte Händlergewühl war schwierig und anstrengend und die Suche nach einem Bus zum Busbahnhof auch. So fragte ich schließlich eine Polizeistreife nach der nächsten Einsteigemöglichkeit. Die überraschende Antwort (sinngemäß widergegeben): „ Also, ihr müsst da nach vorne und dann… ach wisst ihr was? Wir bringen euch schnell hin.“ 2 Minuten später saßen wir im Pick up von Comisario Principal Odilio González Herrera und seinen Kollegen und bekamen quasi eine gratis Stadtrundfahrt. Odilio war wahrscheinlich ein recht ranghoher Offizier, der uns für sein Land zu begeistern versuchte. Paraguay sei nicht gefährlich, sehr entspannt und wunderschön und gerade jetzt im 200sten Jahr der Unabhängigkeit gäbe es viel zu feiern. „Habt ihr was zum Schreiben“, fragte er schließlich, als wir am Busbahnhof ausstiegen, „ich gebe euch meine Telefonnummer, falls ihr in Paraguay irgendwelche Probleme habt, ruft mich an und ich regle das für euch, ok? Willkommen in Paraguay!!“

Unser nächstes Ziel war Encarnacion, die Perle des Südens, etwa 5 Stunden Busfahrt südwestlich von Ciudad del Este. Etliche Busunternehmer priesen lautstark ihre Verbindungen dorthin an. „Um halb 10 geht der nächste, supergünstig!“ schrie uns einer entgegen. Halb 10? Das war vor einer halben Stunde, aber erst als wir die drei Uhren mit brasilianischer, paraguayischer und argentinischer Zeit bei der Info sahen begriffen wir, dass Paraguay eine Stunde hinter den beiden großen Nachbarn hinterherhinkt. Das macht zwar geografisch wenig Sinn, da v.a. Argentinien zu einem großen Teil weiter westlich liegt, aber ist wahrscheinlich Absicht, weil Paraguay in einer der heißesten Regionen Südamerikas liegt und es so bereits um halb 6 stockdunkel und damit auch etwas kühler ist. Nach kurzem Verhandeln und von dem vielen Geschrei etwas verwirrt saßen wir dann auch bald zusammen mit lediglich 3 anderen Menschen in einem Bus. Wahrscheinlich hätten wir besser daran getan dem Geldwechsler am Busbahnhof unsere brasilianischen Reais anzuvertrauen, anstatt den Bus damit zu bezahlen, aber am Ende war das auch egal.
Paraguay ist wirklich ein sehr grünes, mit Orangenbäumen gespicktes Land, das derzeit ob der 200 Jahrfeiern zur Unabhängigkeit vor Selbstvertrauen und blau-weiß-roten Fahnen nur so strotzt. Der Bus füllte und leerte sich mehrmals auf dem Weg nach Encarnacion, teils mussten wir unsere Rucksäcke auf den Knien platzieren, damit alle Menschen Platz fanden. Obwohl Paraguay statistisch gesehen das zweitärmste Land des Kontinents ist, wirkt es nicht so, Straßen und die meisten Häuser machen einen recht soliden Eindruck und besonders in den Städten hatten wir das Gefühl, dass es den Menschen recht gut geht. Allerdings sahen wir vom Landleben außerhalb des Buses praktisch gar nichts.

Am nächsten Morgen kosteten wir unser erstes und auch bestes chipa, ein Maisbrot, das frisch sehr lecker schmeckt, aber leider meist nur in etwas verwelktem Zustand käuflich erwerbbar ist, und brachen zu den Hauptsehenswürdigkeiten des ganzen Landes auf, den Jesuitenruinen von Trinidad und Jesus. Die Jesuiten spielten in der Geschichte Paraguays und den Regionen rundherum eine bedeutende Rolle. Bis zu ihrer Vertreibung im Jahre 1767 stellten sie einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar und lieferten einen großen Beitrag zur Urbarmachung des Landes, sowie zur Stabilisierung des spanischen Kolonialreiches. Inwieweit sie allerdings die ortsansässigen Indios als billige Arbeitskräfte missbrauchten ist „nicht ganz geklärt“, wie ich der entzückenden deutschsprachigen Broschüre des Hotels „Las Ruinas“ gleich neben den Ruinen in Trinidad entnehmen konnte. Wenigstens waren die Guarani durch diese Missionen in relativer Sicherheit vor den Spaniern und Portugiesen.
In Trinidad, etwa 1 Stunde Busfahrt außerhalb von Encarnacion hatten die Jesuiten eine ihrer größten reducciones (Siedlungen) und die Ruinen sind noch sehr schön erhalten. Ein kurzer Stationsweg führte von der Hauptstraße zu dem UNESCO-Weltkulturerbe, was mir die Gelegenheit gab Anja etwas in die katholischen Gepflogenheiten einzuführen. Überhaupt spielt Religion in Paraguay im öffentlichen Leben eine wesentlich größere Rolle als in Argentinien oder Chile. Religiöse Sprüche und Bilder oder etwa die 10 Gebote (wie im Bus nach Encarnacion) sind keine Seltenheit an den Wänden öffentlicher und privater Einrichtungen. Nachdem eine Reisegruppe kurz nach unserer Ankunft die Ruinen wieder verließ hatten wir das ganze Gelände mehr oder weniger für uns und konnten ungestört umherwandern, die Behausungen der Indios, die wesentlich größeren der Mönche, das Kloster und die zwei wirklich schönen Kirchen bestaunen.

Die Ruinen von Trinidad



"Du kommst hier ned rein!"



Am frühen Nachmittag wollten wir weiter zu den nahegelegenen Ruinen von Jesus. Dieses Unterfangen stellte sich jedoch wesentlich schwieriger heraus als gedacht. Von insgesamt 4 Parteien bekamen wir 4 verschiedene Auskünfte über Busse und Buszeiten: am Ticketschalter hieß es sie würden häufig fahren, an der Tankstelle wo der Bus stehenbleiben sollte meinte der Tankwart, der nächste würde erst gegen 17 Uhr fahren (es war aber erst 14 Uhr), eine Dame, die in die gleiche Richtung musste, sagte wir müssten bis 16 Uhr warten und sollten uns mit ihr ein Taxi teilen (was wir auch taten) und in Jesus selbst erfuhren wir schließlich dass eh jede Stunde ein Bus gefahren wäre. Und da soll sich nochmal jemand über die ÖBB aufregen :-)
Die Ruinen von Jesus waren jenen von Trinidad sehr ähnlich aber noch einsamer und unbesuchter, sodass uns das gesamte Gelände allein zur Verfügung stand. Wir köpften unsere erste Ananas und spazierten Fotos schießend über die frisch gemähten Wiesen.

Die Ruinen von Jesus



Als wir dann auf den Bus warteten trafen sich gerade sportliche Männer mittleren Alters zu ihrem (wohl regelmäßigen) Volleyballspiel, dessen Spielgerät alle paar Ballwechsel neu aufgepumpt werden musste. Ich hätte gerne mitgespielt, war aber zu schüchtern zu fragen. Der Bus zurück nach Trinidad sollte auch nicht unerwähnt bleiben. An ihm kann der menschliche Erfindungsreichtum in Zeiten der Not perfekt illustriert werden. Der Fahrersessel bestand aus einem Camping- Klappstuhl, die Tür ließ sich über ein Seil öffnen und die Sitze wurden mit allem erdenklichen Material geflickt. Geschätztes Alter des Vehikels mindestens 40 Jahre.
Zurück in Encarnacion konnten wir ein klein wenig an den Unabhängigkeitsfeiern teilhaben und besuchten zusammen mit einem netten britopolnischen Ehepaar und einem Südafrikaner ein gratis Popkonzert der argentinischen Ska-Band Los Auténticos Decadentes, die wohl eine recht große Nummer in der Gegend ist. Der Abend war damit aber noch nicht abgeschlossen, denn eine halbe Stunde nach Mitternacht bestiegen wir bereits unseren nächsten Bus, der uns in 7 Stunden nach Assuncion, der Hauptstadt des Landes bringen sollte.

Iguacu

Von Buenos Aires ist es quasi nur ein Katzensprung oder 18 Stunden Busfahrt bis zu den gigantischen Wasserfällen des Rio Iguacu, der Argentinien und Brasilien trennt. Aus Gründen, die uns bisher unerklärt blieben, war die Busfahrt in das weiter entfernte Foz do Iguacu auf der brasilianischen Seite der Fälle um 40% günstiger als jene nach Puerto Iguacu auf der argentinischen Seite weswegen wir kurzerhand nach Brasilien fuhren. Im Nachhinein betrachtet ersparten wir uns aber nicht unbedingt viel, da Brasilien wesentlich teurer ist. Um eine weitere Währung reicher machten wir uns also am Mittag des 17. Mai auf die Unterkunftssuche und schon bald checkten wir bei der wirklich herzlichen Laura ein. Diese ständig gut aufgelegte und lachende alte Dame besuchte in ihrem Leben bereits 67 Länder, wie sie uns des Öfteren in einer Mischung aus Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Englisch erzählte.
Noch am selben Tag wollten wir uns die brasilianische Seite der weltberühmten Iguacu-Fälle ansehen und saßen schon bald im Bus zum Nationalpark. Über die Fälle an sich braucht man eigentlich wenig schreiben, Bilder sagen da viel mehr und Anja hatte sichtlich Freude am Umgang mit der Kamera. Der Rio Iguacu, aus dem Norden kommend, macht an dieser Stelle auf seinem Weg ins Meer beinahe eine 180 Grad Drehung und fällt in hunderten von großen und kleinen Wasserfällen etwa 80 Meter in die Tiefe. Die geologischen Hintergründe warum gerade hier eine derartige Kante im Gelände ist hab ich mir nicht gemerkt und weil wir grad im Bus sitzen kann ich auch nicht schnell auf Wikipedia nachschauen. Irgendwas mit Basalt wars. Dem Leser (und der Leserin) sei es freigestellt sich selbst darüber schlau zu machen. :-)

Die Wasserfälle des Rio Iguacu von Brasilien aus betrachtet

Ein Coati (Nasenbär) von denen dutzende den Weg säumten. Waren wohl schon sehr an Menschen gewöhnt.

 Noch mehr Wasserfälle...

Es war schon später Nachmittag und die Sonne versank schon fast hinter dem Horizont als wir die Hauptattraktion, den linken Teil der spektakulären Hauptwasserfälle, an dessen Namen wir uns leider nicht erinnern, erreichten und vom vielen aufgewirbelten Dunst befeuchtet wurden. Glücklicherweise war gerade Nebensaison und so hielten sich die Touristenmassen doch sehr in Grenzen. Einen romantischen Sonnenuntergang später saßen wir wieder im Bus zurück und konnten feststellen, dass es gar nicht so einfach ist nach Einbruch der Dunkelheit etwas zu Essen zu finden.

 Die Hauptfälle auf der brasilianischen Seite, an die man recht nahe rankam und dementsprechend nass wurde.
 
Blick auf die Garganta del Diablo, den spektakulärsten Wasserfall. Leider kommt man von der brasilianischen Seite aus nicht sehr nahe heran. Von der argentinischen Seite kann man sich das Ganze von oben ansehen.

 Wasserfall im Sonnenuntergang

Tags darauf gings wieder zurück nach Argentinien, um uns auch diese Version der Geschichte anzusehen. Man sagt, dass die brasilianische Seite einen guten Überblick verschaffen kann, während die argentinische Seite viel spektakulärer und detaillierter ist. Und das stimmt auch. Allein schon in den Nationalpark hineinzukommen war ein Abenteuer. Während auf der brasilianischen Seite mindestens 5 Schalterbrasilianische Reais, argentinische Pesos, US-Dollar und Kreditkarten akzeptierten, war der Parkeingang in Argentinien eine Baustelle und der einzige Schalter akzeptierte lediglich Pesos in bar. Wir hatten natürlich nicht mehr genug davon und so mussten wir uns sehr teure Cracker im Shop leisten (bezahlt in Real, Wechselgeld in Pesos) um überhaupt in den Park hinein zu kommen. 
Das Innere ist dafür umso professioneller bzw. touristischer. Es gibt einen kleinen Zug, der die Menschen zur Hauptattraktion der Garganta del Diablo fährt. Dort kann man tosenden Wassermassen bei ihrem spektakulären Sturz in den Abgrund zusehen und Schmetterlinge, Schildkröten und bunte Vögel bewundern. Der ganze Weg führt als abgezäunter Steg über den Fluss und ist wirklich gut angelegt, sodass die Natur recht wenig von den Massen mitbekommt, was v.a. beim südamerikanischen Sinn für Umgang mit der Natur ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

Die Garganta del Diablo oder Teufelsschlund von oben

Der vom Dunst vernebelte Flusslauf nach den Fällen. Rechts befinden sich die brasilianischen Plattformen.


Wir ganz nass vom Dunst

Bunte Vögel...

 ... und Schmetterlinge

Eine weitere Zugfahrt später beschlossen wir in den atlantischen Dschungel einzutauchen und den doch recht zahlreichen Touristen zu entfliehen, indem wir einen etwas abgelegenen und wenig besuchten Dschungelpfad hin zu einem kleinen Wasserfall mit natürlichem Pool bewanderten. Am Parkeingang war uns dieser Pfad als Abenteuer angepriesen worden und da die Isla San Martin auf die wir eigentlich wollten angeblich gesperrt war, gingen wir halt dahin. Im Endeffekt wollte uns der Informationsgeber wohl nur seine Jeeptour andrehen und nahm es mit den Fakten nicht so genau, denn der Dschungelpfad entpuppte sich als eine Art Forstweg, der mit Jeep leicht befahrbar ist (also eher wenig Abenteuer) und die Isla San Martin als doch nicht gesperrt, was uns im Nachhinein dann etwas ärgerte. Nichtsdestotrotz war es ein netter Spaziergang und es waren tatsächlich wenig Leute dort unterwegs. Schwimmen gingen wir allerdings nicht, da uns eine Gruppe Amerikaner das Nacktbadevergnügen unmöglich machte. 
Der größte Vorteil dieses Abstechers war aber, dass wir recht spät zurück zu den Hauptwegen kamen und so ziemlich allein die restlichen Wasserfälle bestaunen konnten.  Wirklich sehenswert. Besonders gut gefiel uns der Ausblick vom unteren Weg, wo man einen Gesamtblick über die Kante im Gelände bekam über die das Wasser in dutzenden Fällen herunterfiel. Es sah aus wie ein tropisches Inselparadies aus einer kitschigen „Traumschiff“-Folge. Zurück in Foz genehmigten wir uns als krönenden Tagesabschluss ein All you can eat Pizzaessen inklusive Schokolade- und Bananenpizza. Lecker :-) 

 Die Fälle von Argentinien aus, jeder hat einen Namen, keinen haben wir uns gemerkt :-)


Noch mehr Fälle

Die Isla San Martin (rechts), die eigentlich gar nicht gesperrt war...

Noch mehr Fälle, vom unteren Weg aus fotografiert.
 

Highs und Lows der Iguacu-Fälle-
Highs: Natürlich die Fälle selbst, wobei uns beiden die argentinische Seite etwas besser gefiel, obwohl dort mehr los war.
Die Unterkunft Pousada do Laura in Foz: Zwar etwas teuer, aber Laura war wirklich nett und das Zimmer einwandfrei, nur im Bad roch es etwas nach Abwassersystem.
Lows: Die Fehlinfos im Park in Argentinien. Sehr schade und ärgerlich, dass wir nicht auf die Isla San Martin gekommen sind, da diese bereits geschlosse war als wir hinkamen.