Donnerstag, 5. Mai 2011

Uspallata und Puente del Inca


Wir hatten Glück als wir gegen Mittag am 29. April in Mendoza ankamen, denn nur wenige Minuten später konnten wir auch schon den nächsten Bus nach Uspallata, im Westen der Stadt nehmen. Zum ersten Mal wurde im Bus ein richtig interessanter Film gespielt. Es ging um einen Soldaten, der im Irakkrieg aufdeckt, dass die angeblichen Massenvernichtungswaffen gar nicht existierten. Sehr viel schießen und bummbumm und so laut und ich wusste gar nicht, dass Matt Damon Spanisch sprechen kann. :-) Anja war weniger begeistert und konzentrierte sich mehr auf das nicht minder aufregende Äußere (nicht das von Matt Damon sondern vom Bus). Wir fuhren durch ein immer enger werdendes Tal immer höher hinauf in die Berge. Links und rechts erhoben sich steile Felswände mit bedrohlich locker wirkenden großen Steinen. Dann wurde das Tal breiter und die dichten Wolken blieben in den Bergen hängen. Nach etwa 2,5 Stunden Fahrt erreichten wir schließlich das kleine Dorf Uspallata an der Ruta Internacional 7 einer der Hauptverbindungen zwischen Argentinien und Chile.
Mehr durch Glück als durch Hinweise aus der eigentlich dafür zuständigen Touristeninfo bezogen wir ein kleines Hostel und liehen uns am späten Nachmittag noch 2 Fahrräder aus, um die Umgebung zu erkunden. Das Tal, gesegnet mit über 300 Sonnentagen im Jahr präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Kein Wunder, dass sich hier Brad Pitt in „7 Jahre in Tibet“ die Sonne auf den Bauch scheinen lies. Wir radelten eine endlose golden schimmernde Allee, umgeben von hohen, teils schneebedeckten, teils wolkenverhangenen Bergen entlang, besuchten eine alte Erzverhüttungsstelle der Jesuiten aus dem frühen 17. Jahrhundert und erklommen einen aufgrund des Zustands unserer Räder wesentlich steiler wirkenden Hügel. Etwa 7 km außerhalb der Stadt konnten wir über 1000 Jahre alte Felsritzungen (Petroglyphen) bestaunen. Das eigentlich spektakuläre dabei war aber die Gegend und die Ruhe und Abgeschiedenheit dort. Es war absolut still, kein Geräusch war zu hören. Die untergehende Sonne tauchte die Felsen in leuchtende Farben und hätten wir ein Zelt dabei gehabt hätten wir ohne zu zögern die Nacht in dieser wundervollen Abgeschiedenheit verbracht.

Anja mit Rad fährt über überschwemmte Straße

 Alte Jesuiten Verhüttungsanlage



 So schön einsam war es dort, kein Ton war zu hören


 Felsritzungen vorne rechts


 Hübsches Mädi im Detail, die Indios standen wohl auf schmale Hüften und breite Hintern :-)

Die Rückfahrt in den Ort war wesentlich kürzer, ob es am abfallenden Gelände oder der einbrechenden Dunkelheit wegen der wir uns beeilten lag, lässt sich heute nur mehr schwer beurteilen. Unsere Unterkunft teilten wir uns mit 4 jungen Franzosen, die hier recht häufig in freier Wildbahn anzutreffen sind.

Eigentlich wären wir gerne um halb 9 am nächsten Tag weiter in Richtung chilenischer Grenze gefahren aber es war Samstag und samstags fährt der Bus erst um halb 10. So mussten wir irgendwie diese eine Stunde, die wir zu früh aufgestanden waren überbrücken, was in Anbetracht von Temperaturen um den Gefrierpunkt und geschlossenen Cafes (in Südamerika beginnt der Tag nicht vor 10) nicht das Angenehmste des Tages war. Aber wir wurden sehr gut dafür entschädigt. Der Bus brachte uns zum Haupteingang des Parque Provincial Aconcagua, der sich rund um den gleichnamigen höchsten Gipfel außerhalb des Himmalayas erstreckte. Nach wenigen Minuten Gehzeit, wir waren inzwischen auf fast 3000 Metern Seehöhe, erhob sich dieser mächtige, 6962 Meter hohe Gletscher direkt vor uns. Wir waren umgeben von kargen, nur mit einigen Gräsern bewachsenen Bergen, deren unterschiedliche Farben auf kupfer- und eisenhaltiges Gestein hindeuteten, die aber wohl allesamt mehr als 4000 Meter hoch waren. Keine Wolke trübte den Sonnenschein. Ein herrliches Fleckchen Erde. Der Aconcagua wurde übrigens von einem Schweizer namens Matthias Zurbriggen im Jahre 1897 zum ersten Mal bezwungen. Heutzutage versuchen es an die 4000 Menschen jährlich, aber nur 30% schaffen es auch wirklich, hihi.

Der höchste Berg Amerikas mit Enten im Vordergrund, die auf den einzigen eisfreien 3 Quadratzentimetern des Tümpels schwimmen

 Die Laguna Horcones vor den leider nicht so gut erkennbaren verschiedenfarbigen Bergen

Nachdem wir genug gestaunt und genossen hatten holten wir unsere großen Rucksäcke am Parkeingang ab und gingen die 3 Kilometer zum Puente del Inka der Hauptstraße entlang hinunter. Neben der Straße verlief bereits seit Mendoza die alte Trasse des ehemaligen ferrocarril transandino, eines Schmalspurzuges (wie das Rittner Bahndl), der von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre Mendoza mit Los Andes in Chile verband. Die letzten Meter gingen wir dann auch aus Nostalgie- und Heimatverbundenheitsgründen entlang der Schienen. Als wir endlich die Puente del Inca erblickten trauten wir unseren Augen zunächst nicht. Zu surreal, zu unecht wirkten die Farben des mit schwefeligen Ablagerungen überzogenen Felsen dieses Naturwunders. Ein natürlicher Felsen überzieht an dieser Stelle den Rio Mendoza und wirkt wie eine mächtige Brücke. Der Name hat eigentlich kaum was damit zu tun, aber da nunmal auch schon die Inkas hier waren und sich daraus wahrscheinlich Kapital schlagen lässt nennt man es halt heute so. In den Felsen wurden vor etwa 100 Jahren alte Thermalbäder hinein gebaut, die teils unterirdisch, teils an der Oberfläche den Bewohnern des kleinen Ortes ihre Freizeit versüßten. Heute sind diese Bäder nur noch Ruinen und seit 2005 ist auch das Überqueren der Puente wegen Einsturzgefahr oder Rutschgefahr oder so verboten. Sehr schade. Ein ortskundiger Einheimischer erzählte uns noch allerhand über die Puente, die gefährliche Lage des Ortes im Winter und die vielen Lawinenunglücke in der Vergangenheit, die etlichen Gebäuden und Menschen das Leben kosteten.

 Die alte Trasse des zuerst dampf- dann dieselbetriebenen ferrocarril transandino


 Die Puente del Inca mit den in den Fels gehauenen Thermen. Die Farben waren wirklich so :-)

Dann mussten wir aber los, wir hatten schließlich noch einiges vor. Gegen 15 Uhr standen wir wieder auf der Hauptstraße und streckten unseren Daumen in Richtung Chile. Blöderweise hatten 2 andere Touristen dieselbe Idee und noch blöderer Weise waren die auch noch vor uns da. So stellten wir uns, höflich wie wir sind, einige 100 Meter hinter sie. Und kaum eine Stunde später blieb auch einer der wirklich vielen LKWs, die diesen Pass nutzen stehen – und nahm die anderen mit. Wir waren etwas verärgert und gingen etwas weiter Richtung Ortsausgang um zu verhindern, dass sich jemand anderes auch noch vor uns stellte. Es dauerte dann auch nicht lange bis ein etwas schüchterner Peruaner, der aber in Santiago lebte stehen blieb. Offensichtlich war dies eine etwas unüberlegte Aktion, denn es dauerte noch einige Minuten zögerlichen Autoaufräumens und Überlegens bis er uns endlich einsteigen ließ und mitnahm. Etwa 15 km später kam der Grenzübergang Los Libertadores. Es dauerte lange bis wir die üblichen, aber hier etwas ausgeprägteren Schikanen der Bürokratie (insgesamt waren wir bei 4 Schaltern, unser Fahrer Diógenes bei 5, bevor endlich unser Gepäck durchleuchtet und das Auto kontrolliert wurden) überstanden hatten und weiter fahren durften. Die Grenze liegt auf etwa 3000 Metern Höhe und die Straße auf der chilenischen Seite ist noch spektakulärer als auf der argentinischen. Über 29 Kehren quält sich ein LKW nach dem anderen die steile Passstraße hinauf. Für Motorradfahrer muss diese Rute ein wahrer Traum sein (*mitdemEllbogenmeineSchwiegerelternanstups*). Leider blieb Diógenes nicht für ein Foto stehen, wir haben aber auch nicht gefragt :-)
Etwa eine Stunde später mussten wir uns entscheiden, ob wir weiter bis nach Santiago fahren wollten oder in einem Ort entlang der Straße nach Valparaiso, unserem eigentlichen Ziel, bleiben wollten. Wir entschieden uns für letzteres. Diógenes ließ uns in Los Andes, einem Ort an dem der Tourismus anscheinend recht spurlos vorübergegangen ist, aussteigen. Es war der 30. April und Samstag und so war anlässlich des bevorstehenden Tags der Arbeit ziemlich viel auf dem zentralen Platz los, inklusive Konzert und flammenden Reden von Vertretern des Proletariats gegen die Unterdrücker der Bourgeoisie. Etwas umständlich fanden wir dann auch das Hotel Central ganz in der Nähe (nona!!) und gingen erschöpft recht früh ins Bett. Je später der Abend aber wurde desto mehr keimten in uns aufgrund der Geräuschkulisse Zweifel, ob besagtes Hotel Zentral auch als Herberge für Vertreterinnen eines etwas in Verruf geratenen anderen Gewerbes dienen könnte. :-) Etwas verstört verließen wir am nächsten Morgen dann auch recht rasch das Hotel und nahmen den Bus nach Valparaiso, aber davon erzähl ich euch das nächste Mal.

Highs und Lows in Uspallata und Puente del Inca
Highs: Die Gegend dort. Ein echter Traum, sowohl Uspallata als auch der Aconcagua, die Puente del Inca und die Straße nach Chile. Allein das übertrifft schon alle lows.
Lows: Das bürokratische Rumgezicke der Behörden an der Grenze. Als verwöhnter EU-Bürger ist das echt mühsam
Die Touristeninfo in Uspallata: die Dame war zwar sehr nett, aber nicht besonders gut informiert. So sagte sie uns, dass es im Ort kein Hostel geben würde (falsch!) und dass der Bus um 8.30 abfährt (auch falsch!).

Dienstag, 3. Mai 2011

San Juan und Ischigualasto


 Als wir uns am 26. April für eines der gefühlten 138 Busunternehmen, die eine überteuerte Fahrt nach San Juan anbieten, entschieden, lachte noch immer die Sonne vom Himmel. Da es wahrscheinlich mehr Busverbindungen als Reisende gibt, hatten wir auch das Privileg die vordersten Plätze im Obergeschoss des Busses für die zweieinhalb stündige Fahrt nach Norden in Besitz nehmen zu können. Allerdings ist die Landschaft dort nicht so spannend und so konzentrierten wir uns darauf unsere Tränen in Anbetracht der Tragik von „Free Willy 3“ in unseren Augen zu behalten. San Juan macht den Anschein einer kleinen gemütlichen Stadt, die aber inklusive Ballungsraum trotzdem auf gute 500.000 Einwohner kommt. Zu sehen gibt es außer dem in jeder Stadt vorhandenen und als Highlight angepriesenen zentralen Platz (in Argentinien immer Plaza Independencia, in Chile immer Plaza de Armas) mit seinen Palmen und Statuen von berühmten Generälen und/oder Befreiern wenig und so reichte uns der Nachmittag dieses Tages um die Stadt zu besichtigen. Am besten gefiel uns dabei das Museo de la Memoria Urbana, das zwar weder über einen richtigen Eingang noch über einen wirklichen Inhalt, dafür aber über einen Erdbebensimulator verfügt, der den Besucher das große Beben von 1944 nochmals erleben lässt. Sehr kurzweilig.

  Auch in San Juan mag man Milka

Tags darauf nahmen wir früh morgens den Bus in Richtung San Agustin de Valle Fertil, dem eigentlichen Ziel dieser Etappe. Ironischerweise bezahlten wir für diese 4 stündige Fahrt weniger als für die 2,5 nach San Juan, was uns aber nur unwesentlich störte. Anscheinend funktionieren die marktwirtschaftlichen Regeln in Argentinien etwas anders. Konkurrenz senkt offensichtlich nicht den Preis, sondern sorgt lediglich für bessere Preisabsprachen der Unternehmen :-) Je weiter wir nach Nordosten fuhren desto wüstenhafter wurde die Gegend. Das gute Wetter und der nun überall vorhandene Plastikmüll begleiteten uns auf unserer Reise. Gegen Mittag kamen wir schließlich an und wurden gleich am Busbahnhof mehr oder weniger höflich von Vertretern der beiden örtlichen Tourismusagenturen bedrängt. Denn in San Agustin gibt es nur 2 Sehenswürdigkeiten, den Parque Provincial Ischigualasto, 75 km nördlich und den Parque Nacional Talampaya (der uns aber nicht wirklich interessierte) noch ein Stück weiter. Wir gaben schließlich nach und ließen uns von einem zunächst freundlichen etwas beleibteren Mann in ein Hotel (unser erstes!!) bringen, wo wir erstaunlich günstig ein Doppelzimmer bezogen. Zusammen mit einem französischen Pärchen (Agnes und ihr Freund, er hat uns seinen Namen nie verraten :-) ) machten wir uns nun daran eine günstigere Variante als eine gebuchte Tour in den Park zu finden. Nach gut einer Stunde Informationsbeschaffung und Verhandlungen mit beiden Agenturen buchten wir bei dem nun nicht mehr so freundlichen beleibten Mann die Tour zum Normalpreis :-( Um 15 Uhr ging es dann schließlich los. Mit atemberaubender Geschwindigkeit fuhr unser recht schweigsamer Fahrer (in 5 Stunden ergriff er nur 1 Mal von sich aus das Wort) die an eine Achterbahn erinnernde Straße gen Norden. Achterbahn deshalb, weil es immer wieder recht spektakuläre Senken in der an sich ebenen, guten Straße gab. Mit 5 Personen voll besetzt saßen wir fast schon natürlich das eine oder andere Mal auf und das Auto gab ächzende Geräusche von sich. Das Kribbeln im Bauch war trotzdem supi, ist ja nicht unser Auto, das dabei kaputt geht.

Die Tour im Park bestand aus einem Konvoi von Privatfahrzeugen, die zusammen mit einem Parkranger die etwa 40 km lange Schleife durchfuhren. Aussteigen durften wir leider nur an den fünf dafür vorgesehenen Punkten, wo wir dann vom netten, aber leider nicht unbedingt als Geologen zu bezeichnenden Ranger einige Erklärungen (sogar auf Englisch) bekamen. Der Park präsentiert sich als karge Wüstenlandschaft, die aufgrund der Geologie zum UNESCO-Welterbe gehört. Es ist der einzige Ort auf der Welt, wo man alle 7 Abschnitte der Trias gleichzeitig finden kann. Hier wurden auch die ältesten Dinosaurier der Welt gefunden und jedes Jahr kommen etliche weitere dazu. Wir betrachteten skurrile Gesteinsformationen, Mondlandschaften (Valle de la Luna), versteinerte Pflanzen, eine rot glühende fast senkrechte und kilometerlange Felsfront  und allerlei sonstige Dinge, die dieser Teil der Erde in den letzten 230 Millionen Jahren ausgespuckt hat. Sogar ein paar Guanacos streckten uns ihre Hintern entgegen. Am Himmel bildeten sich bizarre Wolkenformationen, vor der mit letzter Kraft strahlenden, untergehenden Sonne und gaben dem Ort die Stimmung eines Wildwest-Filmes. Für Geologen und Paläontologen ist dieser Ort sicher wie ein Kinderspielplatz, aber auch wir hatten unseren Spaß (ich mit kniffligen Fragen an den Ranger, Anja mit der Kamera). Nur Dinosaurierknochen fanden wir leider keine. Hier einige Impressionen aus dem Park:

Das Valle de la Luna



El Submarino



 El Hongo, der Pilz

Es wurde schon dunkel als wir zum Parkeingang zurück kamen und im kleinen Museum von einer Studentin die Präparationsmethoden von Dinoknochen auf Spanisch erklärt bekamen. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde (und nur deshalb ;-) ) verstanden wir davon aber recht wenig.

 Süßer kleiner Dino, gib Küsschen :-)

Um 2 Uhr nachmittags nahmen wir am nächsten Tag den Bus zurück nach San Juan. Wir hatten uns für den Bus entschieden, da in einer halben Stunde Autostoppzeit (wir waren nicht wirklich motiviert) nur 2 (vollbesetzte) Autos die Stadt verließen, denen wir auch zutrauten, dass sie es bis San Juan schaffen könnten. :-) Dort angekommen begrüßten uns dann übrigens eine dicke Wolkendecke und Temperaturen unter 10 Grad. Anscheinend brauchte das schlechte Wetter aus Bariloche nur ein paar Tage länger als wir nach San Juan. Aber wir sind es ja mittlerweile gewöhnt. :-)
 
Highs und Lows in San Juan und Ischigualasto
Highs: Der Nationalpark: Am Ende war er das Geld auf jeden Fall wert. Die Landschaft ist atemberaubend, die Führung interessant, das kleine Museum nett und ganz besonders: die dort beschäftigten Menschen sind motiviert.
Lows: Die Arbeitsmoral am Busbahnhof: Wir werden wahrscheinlich nicht so schnell wieder über die ÖBB schimpfen. In San Juan ist es wesentlich schlimmer. Bis zu vier Personen arbeiten in einem der mehreren Büros desselben Busunternehmens am selben Busbahnhof und teilweise kann keiner der dort angestellten Menschen, sofern sie vom Solitär spielen bzw. privaten Telefongesprächen ablassen, eine verlässliche Auskunft über Preise und/oder Verbindungen geben bzw. ist motiviert nach einer Antwort auf unsere Fragen zu suchen. Andererseits haben wir es höchstwahrscheinlich dieser Unfähigkeit zu verdanken, dass wir für die Rückfahrt nach Mendoza unseren ersten Studentenrabatt bekommen haben :-) Natürlich übertreibe ich hier etwas, aber am Ende dieses Tages waren wir dann schon ziemlich grantig :-).

Sonntag, 1. Mai 2011

Mendoza


Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir am 24. April Bariloche, ironischerweise aufgrund des schlechten Wetters. 20 Stunden Busfahrt später begrüßte uns ebensolcher Sonnenschein in Mendoza. Endlich war es warm und schön und wir freuten uns richtig auf den Tag. Nach kurzer Unterkunftssuche und ostersonntäglichen Anrufen bei unseren Familien (wir sind ja brave Kinder) marschierten wir voller Tatendrang in die wirklich recht hübsche Stadt, bewunderten die Springbrunnen der Plaza Independencia und wagten uns trotz Überfallwarnungen unseres Reiseführers in den Parque General San Martin. An sich hätte dieser große künstlich angelegte grüne Fleck Potential für ein Naherholungsgebiet, aber Argentinier habenwohl eine klein wenig andere Vorstellung von „Erholung“. Und so gibt es statt Wanderwegen und idyllischen Wiesen, breite Straßen, einen verdreckten See (mit Betonboden) und jede Menge Argentinier, die in 2 Meter Entfernung von ihrem Fahrzeug auf Campingstühlen ihr Ostersonntagspicknick genossen. Man kann es sich ja leisten. Der Plastikmüll rundherum stört das Vergnügen da kaum. Ich glaube wir waren die Einzigen, die den Park zu Fuß durchquerten und den Cerro de la Gloria von der Rückseite aus bestiegen. Auf diesem befindet sich nämlich ein Monument, das an die glorreiche Andenarmee des Generals San Martin, den Befreier Argentiniens und Chiles erinnert.

Denkmal für DEN Helden Argentiniens.

Die Rückfahrt in die Stadt gestaltete sich schwieriger als erwartet. Es gibt zwar einen öffentlichen Bus (wir wollten nicht nochmal 1,5 Stunden zurück gehen), aber für ein Ticket braucht man Münzen für den Automaten im Bus. Nun besteht das monetäre System Argentiniens aber zur überwiegenden Mehrheit aus Scheinen, sodass es sehr sehr schwierig ist Münzen überhaupt aufzutreiben. Viel Fragerei und einen versäumten Bus später hatten wir endlich das Kleingeld beisammen und wollten zurück. Nur hatte es der Busfahrer schon so eilig, dass er zunächst nur mich mitnahm und Anja vergaß, was ich durch lautes Geschrei dann aber wieder rückgängig machen konnte. Generell war uns der Fahrstil dieses, seinem Gesichtsausdruck nach vor kurzem von seiner Frau verlassenen Berufschauffeurs etwas zu aggressiv und so waren wir froh unverletzt im Stadtzentrum zurück zu sein. Abends wollten wir eigentlich im wunderschönen Hinterhof des Hostels grillen aber der Ostersonntag hinterlässt auch in Argentinien den einen oder anderen geschlossenen Supermarkt und so wurde aus dem Steak eine mittelmäßige Pizza.

Tags darauf brachen wir zu einer Weinradtur auf. Glücklicherweise war der Bus billiger als erwartet und so mussten wir nicht erneut um Münzen betteln. In Maipú, südöstlich von Mendoza mieteten wir uns erstaunlich günstig 2 Räder (auf ein Tandem trauten wir uns nicht so recht) und fuhren los.


Der Ausflug war aufgrund einer nicht unbedingt als idyllisch zu bezeichnenden Hauptstraße (Plastikmüll inklusive) und fehlender Weingärten zunächst ernüchternd aber als wir den ersten Winzer aufsuchten änderte sich unsere Stimmung schlagartig. Marta, eine junge Lehrerin im Zweitjob servierte uns einen köstlichen Malbec, erklärte ausführlich die Besonderheiten des argentinischen „Asados“ (Grillerei) und zeigte ein erstaunliches Interesse an Österreich. Besonders begeistert war sie als wir ihr erzählten, dass die sogenannten „Milanesas“ (gebackenes Wienerschnitzel) auch in Österreich den einen oder anderen Anhänger haben. Wir hoffen, dass sich ihr Hauskaufwunsch inzwischen erfüllt hat. Anschließend machten wir einen Spaziergang im wirklich schönen Weingarten des Hauses. Die kleine Winzerei Viña Maria produziert im Jahr etwa 10 000 Flaschen Malbec und außerdem Oliven(-öl), war eines der ersten Weingüter dieser Gegend und ist seit 4 Generationen in Familienbesitz. Wirklich hübsch. 

 Olivenbaum auf der Vina Maria. Ich hab sie nicht gekostet :-)

Kurz darauf bekamen wir das Gegenteil präsentiert. Das Weingut „La Rural“ gleich nebenan (ziemlich ironischer Name in Anbetracht der Weinmengen) produziert im Jahr 11,5 Millionen Liter Rebensaft und ist seit den 90er Jahren in Besitz einer argentinischen Investorengruppe. Dementsprechend schmeckte auch der allerdings kostenlose Probewein. Das zugehörige Museum war allerdings recht nett und interessant und v.a. gratis. 

Weinfässer im Weinmuseum


Gute Mine zu mittelmäßigen Wein

 Es war schon fortgeschrittener Nachmittag als wir weiterfuhren. Abseits der Hauptstraße entpuppte sich die Gegend als sehr ansehnlich. Das dritte Weingut, das wir besuchten war ein ultramodernes, extrem auf den Tourismus ausgelegtes Pseudofamilienunternehmen, das zwar eine gratis Tour (bestehend aus 4 Tafeln) anbot, aber leider keine gratis Kostprobe. Zurück in der Radausleihstelle versteckte ich geschickt die Auflösungserscheinungen meines Rades (die Trittfläche des rechten Pedals war nur mehr lose draufgesteckt) und es entwickelte sich eine nette internationale Gesprächsrunde mit reichlich Rotwein. Es wurde bereits dunkel als wir zurück fuhren und aus dem Grillen wurde wieder nix, dafür gabs unsere ersten Milanesas. Sie schmeckten etwas unerwartet (in Argentinien ist alles aus Rind gemacht), nicht unbedingt wie Wienerschnitzel, aber trotzdem recht lecker.


Highs und Lows in Mendoza:
Highs: Das Wetter: endlich warm und sonnig, und das sag ich als bekennender Sonnenphobiker.
Der Wein in der Viña Maria
Lows: Die ewige Münzensucherei um das Busticket kaufen zu können. Vielleicht hätten wir uns doch die Wertkarte für 3 Pesos (ca. 55 Cent) leisten sollen :-)
Unsere Hintern nach der Radtour.

Samstag, 23. April 2011

Von Esquel nach Bariloche



Nach einer traumhaft erholsamen Nacht im Hostel machten wir uns am Vormittag auf um am Stadtrand von Esquel eine Mitfahrgelegenheit nach El Bolson zu finden. Es dauerte keine 10 Minuten, da kamen Clara und Joaquin in ihrem VW Bus (siehe letzter Eintrag) vorbei und schon waren wir wieder unterwegs.


Unseren zweimaligen Mitnehmer Clara und Joaquin mit uns und dem VW Bus



In El Bolson angekommen besuchten wir einen netten Künstlermarkt und begriffen, warum der Ort als Hippiehochburg gilt. Jede Menge teils recht heruntergekommene mit Dreadlocks verzierte junge und ältere Männer und Frauen boten selbstgebastelten Schmuck zum Verkauf. Ansonsten gibt’s in El Bolson außer etwa 1 Million Cabañas nicht viel zu sehen. Die zwei Nordamerikaner im Hostel schwärmten zwar von einem Wald in dem Figuren in tote Baumstämme geschnitzt sind, aber wohl eher um uns dazu zu bewegen das Taxi dorthin zu teilen. Der Ort ist sehr auf den (Binnen-)Tourismus ausgelegt, es gibt viele Restaurants und Souvenirläden aber das wars auch schon.

Am nächsten Tag, also vorvorgestern, trafen wir uns mit unserem ehemaligen Vermieter Ritchy, der sich in El Bolson ein neues Leben aufbauen will auf einen Kaffee und eine nette Plauderei und danach gings wieder ans Stoppen. Aber leider bleiben die El Bolsonen nicht so gerne stehen (zudem hat sich so ein unsympathischer Mensch einfach ein paar Meter vor uns aufgestellt!) und weil wir nicht noch eine Nacht dort verbringen wollten nahmen wir den Bus nach Bariloche. 
Diese ebenfalls Touristenhochburg begrüßte uns mit tiefgrauem Himmel, frischen Temperaturen und einem nervigen Promoter, der uns unbedingt sein Hostel andrehen wollte. Wir ließen uns nicht beirren und suchten das am besten klingende Hostel im Lonely Planet auf. Zum ersten Mal erhielten wir nun die Nachricht, dass das Hostel ausgebucht sei. Blöd. Zum Glück wusste die Deutsche an der Rezeption aber eine Lösung und rief in einer befreundeten Unterkunft an. Ein junger Mann mit Dreadlocks (Tommy) kam uns kurz darauf abholen und brachte uns in die bis hierher mit sehr großem Abstand beste Unterkunft unserer Reise. Es ist einfach supi hier. Sauber, sehr gut ausgestattet (Steinboden, große saubere Küche mit Steinarbeitsflächen, cooler Gemeinschaftsbereich und wifi) und menschenleer. Ganz begeistert beschlossen wir auch für mehrere Nächte hier zu bleiben.
 Das Green House Hostel in Bariloche. Sehr empfehlenswert.

Und wir verbrachten viel Zeit im Hostel. Vorgestern regnete es nämlich den ganzen Tag. Nur ein kurzer Ausflug auf einen Kaffee mit Kuchen bzw. eine Cola mit Eis war drin. Eigentlich wollten wir auch versuchen ein Auto zu mieten, uns Infos über die Region holen und Agus (siehe vorherige Einträge) in seiner Unterkunft besuchen, aber der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung. 

Gestern war es dann besser. Scheinbar. Als wir gegen 11 mit dem Bus losfuhren um in einem etwa 20 km entfernten Nationalpark spazieren zu gehen, schien beinahe die Sonne. Als wir ankamen gab es aber zunächst Regen, dann Schneeregen und dann dichtes Schneetreiben. Eigentlich waren wir ja weiter  in den Norden gekommen um der Kälte zu entfliehen aber sie scheint uns ständig einzuholen. Nun gibt es ja gewisse Großväter, die meinen es gibt keine schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung, aber trotzdem wollten wir uns das wirklich nicht antun und nahmen den nächsten Bus wieder zurück. Ironischer Weise begrüßte uns im Hostel erneut Sonnenschein. 

So sah es aus als wir im Nationalpark ankamen...

 ... so kurz bevor wir den Bus zurück nahmen...
 ... und so als wir wieder im Hostel waren.

 Und da sind wir nun, haben alle Erlebnisse aufgearbeitet und unsere Bustickets nach Mendoza bereits in der Tasche. Gleich gehts 20 Stunden weiter in den Norden. Vielleicht ist es da endlich warm :-) In der Zwischenzeit freuen wir uns auf viele nette Kommentare, positive Kritik und neidvolle Meldungen wie gern ihr alle hier wärt. :-P

Highs und Lows zwischen Esquel und Bariloche:
Highs: Green House Hostel in Bariloche: Einfach supi! Können wir nur weiterempfehlen.
VW Bus von Clara und Joaquin: wenn wir mal ganz viel Geld haben kaufen wir uns auch so etwas.
Das Wetter in Esquel und El Bolson
Rindfleisch in Argentinien: mmmhhh… mein erster Steakversuch war zwar noch nicht perfekt (etwas zu lange gebraten), aber bei Kilopreisen von 8 bis 12 Euro, je nach Teil vom Tier kann ichs ja noch ein paar Mal probieren :-)
Lows: Das Wetter in Bariloche: Ich mein, Schneetreiben?? Muss das sein? :-) Von der angeblich so tollen Gegend haben wir deshalb auch nix mitgekriegt, es ist aber eh sehr touristisch hier und das mögen wir ja nicht so. :-)