Dienstag, 3. Mai 2011

San Juan und Ischigualasto


 Als wir uns am 26. April für eines der gefühlten 138 Busunternehmen, die eine überteuerte Fahrt nach San Juan anbieten, entschieden, lachte noch immer die Sonne vom Himmel. Da es wahrscheinlich mehr Busverbindungen als Reisende gibt, hatten wir auch das Privileg die vordersten Plätze im Obergeschoss des Busses für die zweieinhalb stündige Fahrt nach Norden in Besitz nehmen zu können. Allerdings ist die Landschaft dort nicht so spannend und so konzentrierten wir uns darauf unsere Tränen in Anbetracht der Tragik von „Free Willy 3“ in unseren Augen zu behalten. San Juan macht den Anschein einer kleinen gemütlichen Stadt, die aber inklusive Ballungsraum trotzdem auf gute 500.000 Einwohner kommt. Zu sehen gibt es außer dem in jeder Stadt vorhandenen und als Highlight angepriesenen zentralen Platz (in Argentinien immer Plaza Independencia, in Chile immer Plaza de Armas) mit seinen Palmen und Statuen von berühmten Generälen und/oder Befreiern wenig und so reichte uns der Nachmittag dieses Tages um die Stadt zu besichtigen. Am besten gefiel uns dabei das Museo de la Memoria Urbana, das zwar weder über einen richtigen Eingang noch über einen wirklichen Inhalt, dafür aber über einen Erdbebensimulator verfügt, der den Besucher das große Beben von 1944 nochmals erleben lässt. Sehr kurzweilig.

  Auch in San Juan mag man Milka

Tags darauf nahmen wir früh morgens den Bus in Richtung San Agustin de Valle Fertil, dem eigentlichen Ziel dieser Etappe. Ironischerweise bezahlten wir für diese 4 stündige Fahrt weniger als für die 2,5 nach San Juan, was uns aber nur unwesentlich störte. Anscheinend funktionieren die marktwirtschaftlichen Regeln in Argentinien etwas anders. Konkurrenz senkt offensichtlich nicht den Preis, sondern sorgt lediglich für bessere Preisabsprachen der Unternehmen :-) Je weiter wir nach Nordosten fuhren desto wüstenhafter wurde die Gegend. Das gute Wetter und der nun überall vorhandene Plastikmüll begleiteten uns auf unserer Reise. Gegen Mittag kamen wir schließlich an und wurden gleich am Busbahnhof mehr oder weniger höflich von Vertretern der beiden örtlichen Tourismusagenturen bedrängt. Denn in San Agustin gibt es nur 2 Sehenswürdigkeiten, den Parque Provincial Ischigualasto, 75 km nördlich und den Parque Nacional Talampaya (der uns aber nicht wirklich interessierte) noch ein Stück weiter. Wir gaben schließlich nach und ließen uns von einem zunächst freundlichen etwas beleibteren Mann in ein Hotel (unser erstes!!) bringen, wo wir erstaunlich günstig ein Doppelzimmer bezogen. Zusammen mit einem französischen Pärchen (Agnes und ihr Freund, er hat uns seinen Namen nie verraten :-) ) machten wir uns nun daran eine günstigere Variante als eine gebuchte Tour in den Park zu finden. Nach gut einer Stunde Informationsbeschaffung und Verhandlungen mit beiden Agenturen buchten wir bei dem nun nicht mehr so freundlichen beleibten Mann die Tour zum Normalpreis :-( Um 15 Uhr ging es dann schließlich los. Mit atemberaubender Geschwindigkeit fuhr unser recht schweigsamer Fahrer (in 5 Stunden ergriff er nur 1 Mal von sich aus das Wort) die an eine Achterbahn erinnernde Straße gen Norden. Achterbahn deshalb, weil es immer wieder recht spektakuläre Senken in der an sich ebenen, guten Straße gab. Mit 5 Personen voll besetzt saßen wir fast schon natürlich das eine oder andere Mal auf und das Auto gab ächzende Geräusche von sich. Das Kribbeln im Bauch war trotzdem supi, ist ja nicht unser Auto, das dabei kaputt geht.

Die Tour im Park bestand aus einem Konvoi von Privatfahrzeugen, die zusammen mit einem Parkranger die etwa 40 km lange Schleife durchfuhren. Aussteigen durften wir leider nur an den fünf dafür vorgesehenen Punkten, wo wir dann vom netten, aber leider nicht unbedingt als Geologen zu bezeichnenden Ranger einige Erklärungen (sogar auf Englisch) bekamen. Der Park präsentiert sich als karge Wüstenlandschaft, die aufgrund der Geologie zum UNESCO-Welterbe gehört. Es ist der einzige Ort auf der Welt, wo man alle 7 Abschnitte der Trias gleichzeitig finden kann. Hier wurden auch die ältesten Dinosaurier der Welt gefunden und jedes Jahr kommen etliche weitere dazu. Wir betrachteten skurrile Gesteinsformationen, Mondlandschaften (Valle de la Luna), versteinerte Pflanzen, eine rot glühende fast senkrechte und kilometerlange Felsfront  und allerlei sonstige Dinge, die dieser Teil der Erde in den letzten 230 Millionen Jahren ausgespuckt hat. Sogar ein paar Guanacos streckten uns ihre Hintern entgegen. Am Himmel bildeten sich bizarre Wolkenformationen, vor der mit letzter Kraft strahlenden, untergehenden Sonne und gaben dem Ort die Stimmung eines Wildwest-Filmes. Für Geologen und Paläontologen ist dieser Ort sicher wie ein Kinderspielplatz, aber auch wir hatten unseren Spaß (ich mit kniffligen Fragen an den Ranger, Anja mit der Kamera). Nur Dinosaurierknochen fanden wir leider keine. Hier einige Impressionen aus dem Park:

Das Valle de la Luna



El Submarino



 El Hongo, der Pilz

Es wurde schon dunkel als wir zum Parkeingang zurück kamen und im kleinen Museum von einer Studentin die Präparationsmethoden von Dinoknochen auf Spanisch erklärt bekamen. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde (und nur deshalb ;-) ) verstanden wir davon aber recht wenig.

 Süßer kleiner Dino, gib Küsschen :-)

Um 2 Uhr nachmittags nahmen wir am nächsten Tag den Bus zurück nach San Juan. Wir hatten uns für den Bus entschieden, da in einer halben Stunde Autostoppzeit (wir waren nicht wirklich motiviert) nur 2 (vollbesetzte) Autos die Stadt verließen, denen wir auch zutrauten, dass sie es bis San Juan schaffen könnten. :-) Dort angekommen begrüßten uns dann übrigens eine dicke Wolkendecke und Temperaturen unter 10 Grad. Anscheinend brauchte das schlechte Wetter aus Bariloche nur ein paar Tage länger als wir nach San Juan. Aber wir sind es ja mittlerweile gewöhnt. :-)
 
Highs und Lows in San Juan und Ischigualasto
Highs: Der Nationalpark: Am Ende war er das Geld auf jeden Fall wert. Die Landschaft ist atemberaubend, die Führung interessant, das kleine Museum nett und ganz besonders: die dort beschäftigten Menschen sind motiviert.
Lows: Die Arbeitsmoral am Busbahnhof: Wir werden wahrscheinlich nicht so schnell wieder über die ÖBB schimpfen. In San Juan ist es wesentlich schlimmer. Bis zu vier Personen arbeiten in einem der mehreren Büros desselben Busunternehmens am selben Busbahnhof und teilweise kann keiner der dort angestellten Menschen, sofern sie vom Solitär spielen bzw. privaten Telefongesprächen ablassen, eine verlässliche Auskunft über Preise und/oder Verbindungen geben bzw. ist motiviert nach einer Antwort auf unsere Fragen zu suchen. Andererseits haben wir es höchstwahrscheinlich dieser Unfähigkeit zu verdanken, dass wir für die Rückfahrt nach Mendoza unseren ersten Studentenrabatt bekommen haben :-) Natürlich übertreibe ich hier etwas, aber am Ende dieses Tages waren wir dann schon ziemlich grantig :-).

1 Kommentar:

  1. Stellt Euch vor gestern(!!) kam die amtliche Bestätigung in englisch dass Anja WIRKLICH eine Frau Dr.med.univ. ist - kaum zu glauben, oder?
    Hille, musst die Anja halt irgendwie huckepack nehmen damit sie auch im Bus mitfahren darf!
    Das mit dem Plastikmüll war in Ägypten auch furchtbar abstoßend. Eure Fotos sind super,bin schon ganz kribbelig vor Fernweh! Andi hat für die Großis alle Bilder in Farbe gedruckt, sie sind auch schwer begeistert,ich soll euch gaaanz liebe Grüße sagen und DANKE! Bussi M

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