Dieses Mal leider viel Text und wenig Bilder, aber wer uns wirklich mag liest es trotzdem :-)
Um etwa halb 11 Uhr vormittags waren wir am Busbahnhof in Cusco, um einen Bus nach Lima zu suchen. Und das Glück war uns hold, keine 10 Minuten später saßen wir in einem, der eigentlich bereits um 10 Uhr fahren hätte sollen, aber dann doch noch auf uns wartete. Mit leicht sarkastischem Unterton fragte auch gleich als wir einstiegen eine andere Touristin: „What time is it?“ in den Raum, sie dachte wohl wir wären 30 Minuten zu spät gekommen. Eine passende Antwort fiel mir leider erst ein als sie gar nicht mehr passend gewesen wäre.
Zunächst ging die Fahrt recht aufregend nach Abancay. Die vielen Kurven bergauf und bergab waren nicht jederfraus Sache, besonders, weil wir noch keine Zeit gefunden hatten uns etwas zu Essen zu kaufen. In Abancay, in einem schönen Talkessel gelegen, machten wir einen kurzen Zwischenstopp, was mehrere junge Männer und Frauen auch gleich nutzten, um im Bus Übelkeitspillen zu verkaufen. An sich ja nichts schlechtes, aber die Pillen waren weder verpackt noch beschriftet, sondern wurden aus alten Fotofilmschächtelchen heraus verkauft. Ich weiß ja nicht wie sehr ich so einem Produkt vertrauen würde. Unsere Befürchtungen, dass die Straße noch kurviger werden würde bestätigten sich zum Glück nicht, dafür war das Unterhaltungsprogramm einmal mehr von höchster Qualität. Ohne Unterbrechung wurden uns 4 oder 5 eher mittelklassige Actionfilme vorgespielt, was besonders Anja nicht unbedingt zu Freudensprüngen animierte. Dennoch erreichten wir am nächsten Morgen in einigermaßen gutem Zustand die 7 Millionen Einwohner Metropole Lima.
Man möchte meinen eine solche Stadt hätte sich im Laufe ihrer Geschichte zu einem zentralen Busbahnhof durchgerungen, hat sie aber nicht. Jedes Busunternehmen hat sein eigenes Terminal und Informationen darüber ob und wann ein Fahrzeug des Unternehmens wohin fährt erhält man (falls überhaupt) nur dort. Es lebe die Privatisierung. Also machten wir uns um 7 Uhr morgens, Sonntag, 26. Juni auf den Weg von Unternehmen zu Unternehmen, um in Erfahrung zu bringen, wie wir von Lima wieder weg kommen können. Nun ist am Sonntag generell nicht viel los und früh morgens natürlich noch weniger. Angesichts der ganzen geschlossenen Geschäfte und leeren Straßen war uns auch nicht unbedingt ganz wohl zumute und wie bestellt stand auch bald ein junger Mann vor uns, der seinen Ausdünstungen nach wohl eine lange Nacht hinter sich hatte und wollte ein paar Soles (das peruanische Geld) erbetteln. Dass wir ihn zunächst freundlich, dann immer bestimmter abwiesen erfreute ihn nicht unbedingt und er ballte bereits mehrmals die Faust, hatte am Ende aber dann doch zu großen Respekt vor uns zwei und ließ uns vorbei. Allerdings sprach er kurz darauf eine Gruppe anderer junger Männer auf uns zeigend an und wir beeilten uns nun sehr weiter zu kommen.
Von diesem Erlebnis etwas gezeichnet beschlossen wir nicht mehr lange weiter zu suchen und nahmen uns ein Taxi nach Surco, wo Klaus, ein Bekannter aus Oberbozen, mit seiner Familie wohnte. Offensichtlich war der Taxifahrer nicht besonders oft in dieser Gegend unterwegs und musste mehrmals nach dem Weg fragen bis wir endlich das richtige Haus in dieser überaus schicken Gegend erreichten. Es war noch nicht einmal neun Uhr und weil Sonntag war trauten wir uns noch nicht so recht anzuläuten, sondern beschlossen zunächst nach einem Telefon zu suchen. Während man in den meisten Städten in Bolivien und Peru ein solches praktisch alle zwei Meter an einem Verkaufsstand findet, taten wir uns in dieser Gegend etwas schwer damit. Nach einigem Fragen fanden wir einen kleinen Markt, aber weder im Locutorio (geschlossen), noch am Münztelefon (kaputt), noch an einem Marktstand (keine Verbindung zum Mobilnetz) konnte uns geholfen werden.
So läuteten wir schließlich doch an. Nach kurzem Warten wurden wir etwas verschlafen aber überaus freundlich empfangen. Klaus lebt mit seiner Frau Ethel und seinen Kindern Johannes und Mia seit ein paar Monaten in Lima und arbeitet als Experte für Oberflächenwasser für die peruanische Regierung. Sogleich wurden wir auf ein herzhaftes Frühstück eingeladen. Weil wie bereits des Öfteren erwähnt Sonntag war stellte sich unsere Suche nach einer Wäscherei in der Umgebung als aussichtslos heraus, dafür hatten aber Klaus und Familie Zeit und Lust mit uns die Stadt zu erforschen. Der Anfang verlief etwas holprig, denn wir landeten auf der Suche nach einem Mittagessen in einem (vom Taxifahrer empfohlenen) etwas schickeren Restaurant als beabsichtigt. Dort gab es dafür ein spektakuläres Buffet mit ausgezeichnetem Ceviche (mit Zitronensaft marinierter, roher Fisch und Meeresfrüchte) und anderen sehr leckeren Vorspeisen und endlich einen köstlichen Pisco sour, dem Nationalcocktail in Peru.
Kaum im Stande uns noch zu bewegen spazierten wir anschließend zur nahen Costa Verde, wo sich die Mittel- und Oberschicht der Stadt am Wochenende gern die Zeit vertreibt. Vom Meer sahen wir aber nicht viel, denn es hing relativ dichter Hochnebel über der Küste, wie wohl den gesamten südlichen Winter. Klaus erzählte uns so einiges über den schlimmen Zustand der peruanischen Flüsse, die Schwermetallbelastung vonseiten der vielen Minen in den Bergen, der Cholera, die sich einige Badegäste an der Costa Verde vor einigen Jahren einfingen (so viel zum Thema Kläranlagen) und noch ein paar erschreckende Details über die Gesellschaft in Peru und wie der Hase hier so läuft bzw. geschmiert wird. Eigentlich hatten wir bis jetzt einen recht soliden Eindruck vom Land gehabt, aber der Gedanke an die umzäunten und bewachten Siedlungen, ganz in der Nähe des Hauses von Klaus änderte so manche unserer Ansichten.
Danach spazierten wir durch die Altstadt und schauten uns die spärlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt, ein paar alte Gebäude und Kirchen zwischen viel Straßenlärm und hässlichen neueren Häusern, an. Viel gibt es in Lima nicht zu sehen oder zu tun und nach einiger Zeit hatten auch alle genug davon. Mia hatte sich im Laufe des Tages Anja als ihre neue beste Freundin ausgesucht und war nicht mehr von ihr zu trennen. So war es am Abend auch schrecklich für sie zu erfahren, dass wir bereits am nächsten Tag vor hatten unsere Reise fortzusetzen.
Die Iglesia San Francisco
Das Rathaus von Lima. Das wars dann auch schon mehr oder weniger mit den Sehenswürdigkeiten.
Unser nächstes Ziel war Guayaquil in Ecuador und es war eine lange, schwierige Reise dorthin. Der Tag begann eigentlich sehr schön, wir frühstückten erneut ausgezeichnet und plauderten noch etwas mit Ethel bevor wir uns ein Taxi (so viel Taxi gefahren wie in Lima sind wir noch nirgends) in die Innenstadt nahmen. Der Fahrer war recht nett und redselig, erzählte vom Leben mit seinen 29 Jahren und von seinen 4 Kindern (die älteste Tochter ist 14!). Wir entschieden uns für einen economico-Bus (die Billigversion), der uns nach Tumbes an der ecuadorianischen Grenze bringen sollte. Die Fahrt begann schon mal schlecht – wir hatten die Sitze neben dem Klo und der hinterste Fernseher funktionierte nicht – und sollte danach noch stark nachlassen. Zwar ging es über die Panamericana nach Norden, angeblich Perus beste Straße, dennoch gefiel uns nicht unbedingt was wir sahen. Das Wetter war schlecht (Hochnebel wie immer), die Landschaft bestand aus Sand, Stein und Staub und wir kamen an den armseligsten Hütten vorbei, die wir bis jetzt auf unserer Reise gesehen hatten. Kann kein schönes Leben dort in der Wüste, am Rande einer Autobahn sein.
Zum Abendessen hielt der Bus an einem Restaurant, das nicht den besten Eindruck auf uns machte und wo wir uns eine Cena (doppelt so teuer wie normalerweise!) teilten. Danach war es für mich die reinste Hölle. Offenbar schloss mein Magen mit dem Abendessen nicht unbedingt Freundschaft und mich überkam ein sehr unangenehmer Durchfall. Einmal abends und einmal am nächsten Morgen (die Fahrt dauerte 22 Stunden) musste ich den Busfahrer bitten stehen zu bleiben, damit ich nicht platzte. Außerdem sah ich mich gezwungen einmal das Busklo zu benutzen, das eigentlich nicht für diesen Zweck eingerichtet war und diese Aktion sorgte dann auch für etwas Unmut, besonders bei einem anderen Fahrgast, einem Mann der eher ekligen Sorte, der uns bereits zuvor mandarinenkernspuckend aufgefallen war. Gerade dieser eklige Typ regte sich dann beim Busbegleiter auf. Mir war das Ganze sehr unangenehm und ich war heilfroh am nächsten Morgen den Bus verlassen zu können, allerdings begleitet von ein paar unfreundlichen Worten des Busfahrers.
Und wie das Leben so spielt, ein Unglück kommt selten allein. Am Busbahnhof sprach uns ein Mann an und fragte, ob wir denn nach Ecuador reisen würden, denn er arbeite für ein anderes Busunternehmen, das Busse dorthin hätte. So stiegen wir in sein Auto ein mit dem er uns zum Bus chauffieren wollte. Ein zweiter, sehr netter Mann, „José“ stieg ins Auto und verwickelte uns in ein Gespräch, fragte wo wir her seien usw. Die Fahrt ging aber nicht über die zuvor erwähnten 5 Blocks, sondern plötzlich waren wir wieder auf der Hauptstraße und fuhren Richtung Grenze. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam uns etwas seltsam vor, aber der Beifahrer war wirklich freundlich und so dachten wir noch nichts Böses. Er begann uns nun Geschichten von Problemen an der Grenze zu erzählen und wie gefährlich es dort sei. Ab Mittag würde es für unbestimmte Zeit Straßenblockaden wie in Puno geben, denn die Leute hier seien wegen irgendwelchen Steuern sehr aufgebracht. Darum müssten wir zur Grenze fahren, wo der Bus auf uns warten würde. So kamen wir zur Ausreisestelle und ließen unseren Pass stempeln. José hatte uns ausdrücklich davor gewarnt mit den Geldwechslern zu reden, viel zu gefährlich, das seien alles Betrüger. Uns kam das ganze aber sehr harmlos vor.
Dann ging die Fahrt weiter, plötzlich bogen wir aber von der Hauptstraße ab mit der Begründung es sei zu gefährlich und würde Blockaden geben. So fuhren wir durch eine wenig Vertrauen erweckende Gegend über irgendwelche Seitenstraßen und genau hier platzte die Bombe. Nun behauptete José plötzlich, dass es hier so gefährlich und korrupt sei, dass wir Schmiergeld an die Polizei zahlen müssten, damit wir sicher seien, ansonsten würden wir überfallen werden, denn die Grenze müssten wir zu Fuß überqueren und einen Bus auf der anderen Seite nehmen. Wir hatten wenig geschlafen, ich war noch immer etwas krank und wir hatten erlebt wie es in Puno war und so gaben wir José was er verlangte. Kurze Zeit später stieg er aus um angeblich das „Schmiergeld“ einem Polizisten zu geben, das haben wir aber nicht gesehen. Bald wurde uns klar, dass wir ziemlich billig verarscht worden waren und wussten nicht was wir tun sollten. Das Auto hielt auf einem versteckten Parkplatz, wo einige andere Männer auf uns warteten und anboten uns gegen ein Trinkgeld sicher über die Grenze zu bringen. Wir versuchten zwar noch José zur Rede zu stellen, v.a. als er noch sagte wir sollten den Taxifahrer bezahlen, doch das Geld war futsch und unsere Situation war auf diesem Hinterhof nicht unbedingt die sicherste. So gaben wir uns geschlagen und gingen sehr wütend und verärgert los in Richtung Grenzbrücke. Zunächst begleitete uns noch ein junger Mann, der uns aber in der Sekunde wieder verließ als wir im klar gemacht hatten, dass wir nicht noch einmal irgendjemandem etwas zahlen würden.
Im Endeffekt war die Gegend eine normale Stadt mit Straßenständen und Geschäften, nicht gefährlicher als jede andere. Endlich überquerten wir die Brücke und brachten in Erfahrung, dass die ecuadorianische Einreisestelle noch weitere 3 Kilometer entfernt war und wir im Taxi hinfahren müssten. Das taten wir am Ende auch und nahmen von dort einen Bus nach Guayaquil. So verließen wir Peru etwas enttäuscht, eigentlich wollten wir es zu unserem Hauptreiseziel machen, aber Bolivien hat es uns eindeutig mehr angetan.
Guayaquil entpuppte sich zu allem Überfluss noch als die mit Abstand hässlichste Stadt, die wir bis jetzt gesehen hatten. Das Zentrum ist laut, hässlich, voller hupender Busse und vor allem ohne Wäscherei. Für über eine Stunde versuchten wir eine zu finden, ohne Erfolg. Es war sogar schwer ein Geschäft oder einen Supermarkt aufzutreiben. Positiv bleibt am Ende des Tages festzuhalten, dass wir ein sehr günstiges Hotel fanden und wir ein paar überaus freundliche Menschen auf der Straße antrafen. Vielleicht fühlen sich die Guayaquiler aufgrund der Hässlichkeit ihrer Stadt schlecht und versuchen das durch spontane Hilfsbereitschaft auf der Straße wettzumachen. :-) So schlimm und schlecht dieser Tag auch verlaufen war, alles war bald vergessen, denn von nun an wurde es einfach nur mehr gigantisch.



hallo allerseits, nachdem sich unsere geschichten ein wenig überschneiden, speziell die erfahrungen in in machu picchu, was die guides anbelangt, da musste ich sehr lachen... auch die grenzgeschichte am selben ort ist genial und fast ident hier zum nachlesen http://www.mundomania.eu/rtw/2010/10/grenzubertritt-ecuador-peru-kein-leichtes-unterfangen/ und etwas schmunzeln.
AntwortenLöschenich will meinen es gefällt euch und ihr habt keine weiteren magenverstimmungen, die ceviche schmeckt köstlich und die busfahrer reissen sich z´samm damit ihr am weg bleibt
hasta pronto y saludos ritchy